24.07.2013, 15:14 Uhr

Die Energiewende gelingt nur mit Offshore-Windkraft

Münster - Langsam, aber sicher rollt der Ausbau der Offshore-Windenergie an. Doch ausgerechnet jetzt steht das Projekt in der Kritik. Zu Unrecht, sagen Experten: Die Stromgewinnung auf dem Meer ist entscheidend für das Gelingen der Energiewende.

Der erste kommerzielle Windpark vor der deutschen Küste ist gerade fertiggestellt: Die 30 zu der Anlage namens Riffgat gehörenden Windenergie-Projekt sollen bald 15 Kilometer vor der Küste Borkums Strom für bis zu 120.000 Haushalte produzieren. Aber die 108 Megawatt (MW) Leistung von Riffgat sind erst der Anfang. Bis 2020 soll die Offshore-Windkraft nach einem Plan der Bundesregierung 10.000 MW liefern. Dieser wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht ganz aufgehen, da es beim Bau und beim Anschluss immer wieder zu Verzögerungen gekommen ist. Experten wie Andreas Wagner, Geschäftsführer der Stiftung Offshore Windenergie, rechnen mit einer realistischen Zahl von 6.000 bis 8.000 MW am Ende der Dekade.

Kritiker fordern Ausstieg

Die zwischenzeitlichen Probleme riefen aber auch zahlreiche Kritiker der Offshore-Windenergie auf den Plan. Peter Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband, bezeichnete sie kürzlich "als ökonomischen und technologischen Irrläufer" und fordert – mit Verweis auf die Kosten - einen Ausstieg. Auch in der Bundespolitik hielt man sich zuletzt bei dem Thema zurück. "Die derzeitige öffentliche Diskussion ist schon verwunderlich", sagt Windreich-Vorstandschef Willi Balz. Bei den Energieversorgern würden stets Kosten und Risiken betont, während mittelständische Projektentwickler vorangingen.

Offshore-Windkraft existentiell für Energiewende

Experten sind sich hingegen sicher, dass es ohne Offshore-Windkraft mit der Stromversorgung der Zukunft eng werden könnte. „Wir brauchen die Stromerzeugung auf See, damit wir die Energiewende in Deutschland realisieren und 80 Prozent des Bruttostrombedarfs bis zum Jahr 2050 aus erneuerbaren Energien decken können“, erklärt Martin Schmidt von der Netzwerkagentur windcomm schleswig-holstein und ergänzt: "An Land laufen die Windenergieanlagen an guten Standorten 3.000 Stunden im Jahr unter Volllast, auf See sind es rund 4.500 Stunden. Damit stärkt Offshore-Windkraft die Versorgungssicherheit."

Die EEG-Umlage treiben andere Faktoren nach oben

Das Kostenargument zieht aus seiner Sicht nicht: "Wenn man hört, dass der Offshore erzeugte Strom mit 19 Cent pro Kilowattstunde vergütet wird, hört sich das erst einmal viel an. Aber dieser Betrag wird nur in den ersten acht Jahren gezahlt, anschließend sinkt die Vergütung auf 3,5 Cent pro Kilowattstunde. Auf 20 Jahre gerechnet, sind das im Durchschnitt nur 10 Cent pro Kilowattstunde." An der umstrittenen EEG-Umlage habe die Vergütung der Offshore-Windenergie derzeit nur einen Anteil von knapp zwei Prozent, also 0,09 von 5,3 Cent pro Kilowattstunde, enthalten im durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von 29 Cent/kWh. Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger geht davon aus, dass bei einer Senkung der Energiegewinnungskosten um rund 30 Prozent bis zum Jahr 2020 ein durchschnittlicher Preis von 9 Cent/kWh erreichen lasse.

Offshore-Ausbau: Probleme mit dem Netzanschluss

Das derzeit größere Problem der Offshore-Windenergie lässt sich am Windpark Riffgat beobachten. Obwohl der Windpark bereits fertiggestellt ist, fehlt noch der Netzanschluss durch den Stromnetzbetreiber Tennet. Dafür muss aber nicht nur das Unternehmen bis zu 20 Prozent Entschädigung zahlen – die Kosten werden über eine Umlage den Verbrauchern aufgebürdet.


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