18.09.2013, 15:21 Uhr

Wissenschaftler warnen: Die Klimarettung wird jeden Tag teurer

Potsdam – Je länger die Welt mit einem für alle verbindlichen Klimaschutzprogramm wartet, umso mehr wird es kosten. Die Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung haben Zahlen errechnet, die nachdenklich stimmen. Die Staatenlenker sollten sie vor den anstehenden Gipfeln lesen.

Mit dem Klimaschutz ist es wie mit einem Lock im Zahn: Je länger man mit dem Gang zum Zahnarzt wartet, umso aufwändigere Reparaturarbeiten werden nötig. Irgendwann ist es im schlimmsten Fall sogar ganz zu spät und der Zahn nicht mehr zu retten. Ganz so schlimm ist es um die Erde noch nicht bestellt. Immer noch besteht die Möglichkeit, dass vereinbarte und anerkannte Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

Aber die Uhr tickt. Am 19. und 20.September werden die Energieminister der EU-Mitgliedstaaten in Vilnius zu ihrer turnusmäßigen Sitzung zusammenkommen. Auf der Agenda stehen dabei die Planungen für die Energie- und Klimapolitik 2030. Später im Monat steht in Warschau der Weltklimagipfel auf dem Programm. Beide Ereignisse bieten die Möglichkeit von entscheidenden Weichenstellungen auf diesem Gebiet.

Kosten vergleichbar mit Finanzkrise

Der Zahn ist noch zu retten, sagen auch die Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). In einer kürzlich veröffentlichten Studie mahnten sie energisch vor dem Aufschieben einer verbindlichen Lösung, über die momentan immer noch verhandelt wird. Derweil feiert der Klimaschädling Kohle eine Renaissance und die weltweite Motorisierung nimmt deutlich zu. „Die kurzfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen, die sich ergäben, wenn sich der Übergang zu einer klimafreundlichen Wirtschaftsweise weiter verzögert, sind vergleichbar mit den Kosten der gerade erlebten weltweiten Finanzkrise“, sagt Leitautor Gunnar Luderer.

Wenn erst nach 2030 gehandelt wird, könnte das globale Wirtschaftswachstum sich im ersten Jahrzehnt nach der Einführung einer umfassenden Klimapolitik bis zu sieben Prozent verringern -- verglichen mit zwei Prozent, falls eine Klimavereinbarung bereits 2015 getroffen wird. Höhere Kosten würden wiederum für Entscheidungsträger die Schwelle für den Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft erhöhen. Um Klimaziele erreichbar zu halten, scheint es deshalb sehr wichtig, Vermeidungsmaßnahmen nicht weiter aufzuschieben, warnten die Wissenschaftler.

Handlungsdruck steigt

Eine Verzögerung bei der Reduktion von Treibhausgasen um zwei Jahrzehnte würde die Untergrenze erreichbarer Klimaziele um 0,4 Grad anheben und damit den verbleibenden Flexibilitätsrahmen erheblich vermindern. „Das zeigt, wie die Fortsetzung ineffektiver Klimapolitiken den Optionsrahmen für die zukünftige Klimapolitik verringert und gleichzeitig die Hürde für den Übergang zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft erhöht“, sagt Luderer. Bereits heute muss sich die Welt auf Grund der CO2-Emissionen der Vergangenheit und der Langwierigkeit der Transformation hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft auf 1,7 Grad globaler Erwärmung einstellen, erklärten die Forscher.

Ein striktes Abbremsen zu einem späteren Zeitpunkt würde zudem die Energiepreise kurzfristig deutlich ansteigen lassen. Sollten sich Emissionsminderungen bis über 2030 hinaus verzögern, könnte sich nach deren Einführung das weltweite Energiepreisniveau kurzfristig um 80 Prozent erhöhen. Ein Durchbruch im übernächsten Jahr hingegen würde eine Begrenzung auf 25 Prozent ermöglichen. Um auf den Vergleich mit dem Zahnarzt zurückzukommen: Krone oder Füllung?

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