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21.03.2014, 10:05 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

Tschernobyl und Fukushima beschäftigen den Bundestag – Was Kan im Umweltausschuss sagt

Berlin – Der Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im deutschen Bundestag hat sich mit den Folgen der Reaktorunfälle in Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011 beschäftigt. Dazu waren extra zwei hochkarätige Sachverständige geladen: Prof. Vladimir Kuznetsov, ehemaliger Direktor des Nuklear- und Strahlungssicherheitsprograms des Internationalen Grünen Kreuzes in Russland und Naoto Kan, ehemaliger Premierminister Japans.

Beide Experten haben ihre Einschätzung zur aktuellen Lage in den beiden Ländern abgegeben. Am 11 März 2014 jährte sich der Reaktorunfall in Fukushima zum dritten Mal. Doch die Situation ist weiterhin kritisch.

Kan: Japans Atomlobby macht wieder Druck
Nach dem Erdbeben und Tsunami mit den katastrophalen Folgen wurden alle 45 Reaktoren in Japan abgeschaltet. Die liberaldemokratische Regierung des Landes setzt sich derzeit jedoch wieder für Inbetriebnahme der Atomkraftwerke ein, obwohl fast 70 Prozent der Bevölkerung den Atomausstieg befürworten. Ex-Premier Kan dazu: „Die Atomlobby in Japan ist dabei, ihr verloren gegangenes Terrain zurück zu erobern.“ Dabei hat sich die Situation in Fukushima in den drei Jahren nicht beruhigt. Noch immer tritt Grundwasser in das Gelände ein, wovon ein Teil verstrahlt wieder ins Meer fließt. Über 100.000 Menschen können deshalb immer noch nicht in ihre Heimat zurückkehren. Dazu kommen noch die langfristigen Gesundheitsfolgen durch die ausgetretene Strahlung. Die Ärzte- und Forschungsvereinigung IPPNW stellten eine erhöhte Rate für Schildrüsenkrebs und Säuglingssterblichkeit in den betroffenen Regionen fest.

Kuznetsov fordert Druck auf Russland
Wie langfristig die Folgen eines Reaktorunfalls sind, zeigt Tschernobyl sehr eindrucksvoll. Bis 2015 soll eine neue Stahlummantelung errichtet werden, um weiteres Austreten von Strahlung zu verhindern. Trotzdem ist die politische Situation in Russland in Bezug auf Atomenergie nach Einschätzung von Kuznetsov prekär. Die Atomaufsichtsbehörde könne ihre Kontrollfunktion nicht unabhängig ausüben und für die teilweise über 40 Jahre alten Reaktoren gäbe es keine vollständigen Sicherheitskonzepte. Kuznetsov, der vor der Katastrophe in Tschernobyl dort als Hauptingenieur tätig war, forderte deswegen die Bundesregierung und die Bundestagsabgeordneten auf, Druck auf die russische Regierung auszuüben. Ziel sei es, dass die alten Reaktoren abgeschaltet werden. Die Vorsitzende des Umweltausschusses, Bärbel Höhn (Bündnis 90/Die Grünen) sicherte die Hilfe Deutschlands zu.

Kosten und Gefahren des alternden AKW-Parks
Auf die Probleme und Kosten wegen des immer weiter alternden Atomkraftwerksparks weltweit hat das IWR bereits 2012 hingewiesen. Eine aktuelle Studie des Ökoinstituts im Auftrag von Greenpeace verdeutlicht zusätzlich, dass mit steigendem Alter auch die Gefahr eines schweren Unfalls steigt. Das IWR hatte festgestellt, dass für den Ersatz der alternden AKW enorme Summen anfallen, die sich auf insgesamt über eine Billion Euro summieren.

Weitere News und Infos zum Thema Atomenergie:

Fukushima-Jahrestag: Schilddrüsenkrebs gefährdet Kinder
Kernkraftwerke werden älter – Ersatz kostet weltweit über eine Billion Euro bis 2030
Schlichtungsstelle Energie 2014 – Aktuelle Entwicklungen in der Schlichtungsstelle
Nähere Infos zur Kostenanalyse des IWR im IWR-Monatsreport (10/2012; Seite 3)
© IWR, 2014







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