02.05.2014, 10:02 Uhr

DUH: Wie die Autoindustrie bei den Angaben zum Spritverbrauch pfuscht

Berlin - Der Spritverbrauch eines Fahrzeugs ist ein wichtiges Kriterium beim Autokauf. Doch bei immer weniger Fahrzeugen stimmt offenbar der offizielle mit dem realen Spritverbrauch überein. Bei zahlreichen Pkw-Modellen soll der Mehrverbrauch 40 Prozent und mehr betragen.

Dies hat nun die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) bekanntgegeben. Um gegen diese Täuschung der Autokäufer vorzugehen, startet die DUH eine neue Verbraucherschutzkampagne. Halter von Fahrzeugen mit erhöhtem Spritverbrauch sind aufgerufen, ihre Mehrverbräuche der DUH zu melden.

Abweichungen werden immer größer

Nach Angaben der DUH wird die Abweichung zwischen Norm- und Realverbrauch seit Einführung CO2-bezogener Kraftfahrzeug(Kfz)-Steuern immer größer. Betrug der Unterschied laut der Forschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) 2001 im Durchschnitt noch sieben Prozent und im Jahr 2007 dreizehn Prozent, waren es 2011 bereits 23 Prozent. Für 2014 rechnet die DUH mit durchschnittlichen Abweichungen von mindestens 30 Prozent. Gerade auf Vielfahrer kämen dadurch Mehrkosten für Sprit in Höhe von mehreren tausend Euro zu. Die Mindereinnahmen bei der Kfz-Steuer würden jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen.

Resch: Einführung amtlicher Kontrollmessungen ist überfällig

„Wir brauchen in Deutschland eine amtliche Stelle, die Hinweise von Autofahren zum Mehrverbrauch ihres Fahrzeugs entgegennimmt und ihnen nachgeht. Ideal wäre das Umweltbundesamt. In den USA übernimmt diese Aufgabe die Umweltbehörde EPA. So mussten im Jahr 2012 Hyundai und Kia nach Kontrollen durch die EPA die Verbrauchsangaben für mehrere Modelle korrigieren und die Halter von rund 900.000 Fahrzeugen entschädigen“, sagt Urs Maier, Projektleiter Verkehr und Luftreinhaltung bei der DUH. Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch betont: „Die Einführung amtlicher Kontrollmessungen ist überfällig.“ Er fordert die Bundesminister Dobrindt und Hendricks auf, zukünftig durch eigene Kontrollmessungen auch auf der Straße der Verbrauchertäuschung ein Ende zu bereiten.

Gerichte: Abweichungen von mehr als zehn Prozent gehen nicht

Fahrzeugen-Halter sind nun aufgerufen, ihre Mehrverbräuche der DUH zu melden. Aus den eingehenden Beispielen will der Umwelt- und Verbraucherschutzverband Fahrzeugmodelle mit besonders starken Abweichungen identifizieren und in der Folge die Bundesregierung formal auffordern, amtliche Kontrollmessungen der offensichtlich falschen Normangaben zu veranlassen. Gleichzeitig wird die DUH bis zu fünf Fälle vor Gericht unterstützen und aufzeigen, dass die Rechtslage in solchen Fällen bereits seit Jahren eindeutig ist. Denn Abweichungen von mehr als zehn Prozent müssen nach einem höchstrichterlichen Beschluss des Bundesgerichtshofs nicht mehr hingenommen werden.

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