15.07.2014, 08:16 Uhr

So nicht: Studie prognostiziert Verfehlung der Klimaziele

Basel/Köln/Osnabrück – Eine aktuelle Prognose verdeutlicht, dass die Ziele des 2010 erstellten Energiekonzeptes der Bundesregierung wahrscheinlich nicht erreicht werden. Experten decken auf, dass zwar ein deutlicher Rückgang von umweltschädlichen Treibhausgasemissionen erkennbar ist, doch dass dies zur Erreichung der Regierungsziele bis 2050 wohl nicht ausreichen wird.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) haben die Institute Prognos aus Basel, Energiewirtschaftliches Institut (EWI) der Uni Köln und Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) aus Osnabrück prognostiziert, wie sich der Energieverbrauch und die Energieerzeugung in den kommenden Jahren verändern wird – mit einem enttäuschenden Ergebnis.

Treibhausgas-Reduktion reicht nicht aus

Die Ziele des Energiekonzeptes, das 2010 von der Bundesregierung formuliert wurde, können wahrscheinlich nicht erreicht werden. Das ergab nun eine neue Studie im Auftrag des BMWi unter dem Aspekt "Entwicklung der Energiemärkte – Energiereferenzprognose". Fokussiert wurden besonders verschiedene Szenarien der energiewirtschaftlichen Entwicklung bis zum Jahr 2030, aber auch erforderliche Maßnahmen, um die Zielsetzungen des Energiekonzepts erreichen zu können.

Die Experten stellen fest, dass für das Jahr 2050 ein Rückgang des Energieverbrauchs um 42 Prozent (verglichen mit 2008) zu erwarten ist. Zudem gehen sie davon aus, dass dann 65 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als 1990 emittiert werden. "Begünstigend wirken hierbei unter anderem die schrumpfende Bevölkerung, der wirtschaftliche Strukturwandel sowie steigende Energiepreise", so Dr. Michael Schlesinger von der prognos AG. Grund dafür sind der rückläufige Primärenergieverbrauch und dessen langfristig abnehmende Treibhausgasintensität. Mittel- und langfristig tragen Energiewirtschaft und Endverbraucher in etwa gleichem Maße zur Emissionsreduktion bei. Trotz der deutlichen Reduktion des Energieverbrauchs und der klimaschädlichen Emissionen sieht die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept ehrgeizigere Ziele vor: Bis 2050 soll Deutschland dem Konzept zufolge 50 Prozent weniger Energie verbrauchen als 2008 und 80 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen als 1990.

Erneuerbare Energien wie geplant auf dem Vormarsch

Es gibt aber auch positive Resonanz der Energieexperten, denn der ansteigende Trend der Stromgewinnung aus regenerativen Energien wird sich trotz der Behinderungen durch die Neuauflage des Erneuerbaren-Energien-Gesetztes (EEG) weiter fortsetzen. "Erneuerbaren Energien kommt eine zunehmend bedeutende Rolle bei der Deckung des Energieverbrauchs zu und die Ausbauziele der Bundesregierung für Erneuerbare im Stromsektor werden bis 2020 sogar übertroffen", so Dr. Dietmar Lindenberger vom EWI. Hauptgrund ist laut der Studie die weiter ansteigende Eigenerzeugung durch dezentrale Photovoltaik-Anlagen außerhalb des EEG. Wichtigste Ursache hierfür seien fortbestehende Ungleichbehandlungen von Eigenerzeugung und Stromfremdbezug bei Steuern, Abgaben und Umlagen. Nach 2030 findet die Förderung der Erneuerbaren grenzüberschreitend statt, zunächst für Wind offshore in einem Nordsee-Cluster, später europaweit, so die Studie.

Bemühungen nicht groß genug

Um die Ziele des Energiekonzepts zu erreichen, sind größerer Anstrengungen erforderlich als die Gutachter aus heutiger Sicht für wahrscheinlich halten. Energie- und Klimaschutzpolitik müssten dazu eine dauerhaft hohe Priorität auf der politischen Agenda einnehmen, Wirtschaft und private Energieverbraucher ihr Verhalten stärker am Klimaschutz ausrichten und die vorhandenen Effizienztechnologien konsequent genutzt werden. Die Zielerreichung würde erleichtert durch ein international abgestimmtes Vorgehen beim Klimaschutz. Die Umsetzung eines solchen Zielszenarios wäre dann langfristig sogar mit gesamtwirtschaftlichen Vorteilen verbunden, heißt es in der Studie.

Ein weiteres Studienergebnis lautet, dass die nationalen Marktgebiete für elektrischen Strom in Europa weiter zusammenwachsen werden. Diesbezüglich spielt auch der Netzausbau eine zentrale Rolle, der aufgrund des geänderten institutionellen Rahmens in Deutschland weiter voranschreiten wird. Der Ausbau erneuerbarer Energien werde nach 2020 ebenfalls zunehmend grenzüberschreitend organisiert, heißt es in der Analyse.

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