13.11.2014, 12:15 Uhr

RWE bestätigt Milliardengewinn

Essen - Der Energiekonzern RWE hat seine Prognosen für das Gesamtjahr bestätigt. Die Ergebnisse sind in den ersten neun Monaten 2014 gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgegangen, dennoch verbucht RWE für den Zeitraum Januar bis September 2014 ein Ebitda in Höhe von 4,7 Milliarden Euro. Bei der Regenerativ-Energie-Sparte RWE Innogy haben u.a. die Verzögerungen bei einem schottischen Biomasse-Projekt ins Kontor geschlagen.

Die Aktie von RWE gibt aufgrund der rückläufigen Zahlen im Handel am Donnerstag nach. Mit einem Minus von bislang 2,1 Prozent auf 26,90 Euro (Stand 11:56 Uhr) ist das RWE-Papier Schlusslicht im DAX. Auch die E.ON-Aktie gibt am Donnerstag nach (-0,2 Prozent, 13,07 Euro). E.ON hatte am Mittwoch seine Zahlen vorgelegt, die einen Konzernverlust von 14 Mio. Euro beinhalteten. Allerdings kann auch E.ON ein bereinigtes Ebitda von gut 6,6 Mrd. Euro vorweisen. Beide Versorger-Aktien waren auch bereits am Mittwoch um mehr als drei Prozent gesunken.

Ergebnisse rückläufig - vor allem bei der Dividenden-Grundlage

RWE schiebt die rückläufigen Ergebnisse in erster Linie auf „das anhaltend niedrige Preisniveau im Stromgroßhandel und die ungewöhnlich milde Witterung“. In den ersten drei Quartalen 2014 ist das betriebliche Ergebnis um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 2,9 Mrd. Euro gesunken (9M 2013: 4,2 Mrd. Euro). Das Ebitda ist um 22 Prozent auf 4,7 Mrd. Euro zurückgefallen (9M 2013: 6,05 Mrd. Euro) und das nachhaltige Nettoergebnis als Basis der Dividendenberechnung um 60 Prozent auf 763 Mio. Euro (9M 2013: 1,9 Mrd. Euro). Allerdings fallen diese Rückgänge laut RWE auch deshalb so deutlich aus, weil zum einen das Vorjahr von einer hohen Einmalzahlung aus dem Preisrevisionsverfahren zu Gasbezugsverträgen geprägt war und weil zum anderen das Ergebnis der RWE Dea angesichts des laufenden Verkaufsprozesses nicht mehr im nachhaltigen Nettoergebnis enthalten ist. Der Umsatz des Konzerns verringerte sich um neun Prozent auf 35,3 Mrd. Euro (9M 2013: 38,7 Mrd. Euro.

Ausblick bleibt unverändert

Der Ausblick für das Gesamtjahr bleibt unverändert. RWE werde voraussichtlich die zuletzt im August bestätigten Prognosewerte für Ebitda, betriebliches Ergebnis und nachhaltiges Nettoergebnis erreichen können. Das Ebitda wird voraussichtlich in der Größenordnung von 6,4 bis 6,8 Mrd. Euro liegen, das betriebliche Ergebnis bei 3,9 bis 4,3 Mrd. Euro und das nachhaltige Nettoergebnis bei 1,2 bis 1,4 Mrd. Euro. Der Außenumsatz wird eine Größenordnung von 50 Mrd. Euro erreichen.

„Trotz des Ergebnisrückgangs gab es in den ersten drei Quartalen mehr Licht als Schatten,“ fasst Peter Terium, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, zusammen. Dazu gehörten vor allem die positive Entwicklung beim Cash Flow und beim Free Cash Flow. Dank des hohen Mittelzuflusses konnte RWE die Nettofinanzschulden um 2,3 Mrd. Euro senken.

Bemerkenswert findet RWE zudem, dass sich der Konzern mit allen in Frage kommenden Kraftwerken in Großbritannien für den neuen britischen Kapazitätsmarkt präqualifizieren konnte. Ab dem Winter 2018 sollen Kraftwerke dort eine Vergütung dafür erhalten, dass sie dem Markt gesicherte Leistung zur Verfügung stellen. Ein Modell, das auch in Deutschland intensiv diskutiert wird. Die Versorger wie RWE sind aus naheliegenden Gründen dafür.

Abschreibungen auf schottisches Biomasse-Projekt

Im Bereich der erneuerbare Energien, die RWE in der Gesellschaft REW Innogy zusammenfasst, waren die Zahlen ebenfalls rückläufig. Sogar die Stromerzeugung aus regenerativen Energien ist in den ersten neuen Monaten 2014 gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen. Von Januar bis September 2014 wurden im Konzern 5,6 Mrd. Kilowattstunden (kWh) Strom aus erneuerbaren Energieträgern erzeugt (9M 2013: 5,7 Mrd. kWh). Bei einer Gesamtstromerzeugung von 151,2 Mrd. kWh entspricht dies einem Anteil von nur 3,7 Prozent.

Mit einem betrieblichen Ergebnis von 29 Mio. Euro schloss auch RWE Innogy weit unter dem Vorjahreswert (111 Mio. Euro) ab. Hauptgrund sei, dass sich der Bau unseres neuen Biomassekraftwerks im schottischen Markinch verzögert und verteuert hat. Daher habe man eine Wertberichtigung auf das Projekt vorgenommen. Der Abschreibungsbetrag musste gegenüber dem Halbjahresabschluss deutlich nach oben angepasst werden. Das Kraftwerk in Markinch hat eine elektrische Nennleistung von 46 MW und ist seit März 2014 im kommerziellen Betrieb.

Windenergie ist Lichtblick im EE-Geschäft

Die Ertragslage von RWE Innogy war zudem auch dadurch belastet, dass die spanische Regierung die Fördersätze für bestehende Erneuerbare-Energien-Anlagen drastisch gekürzt hat. Hinzu sei gekommen, dass die Auslastung der deutschen Wasserkraftwerke wetterbedingt deutlich hinter dem hohen Vorjahresniveau zurückgeblieben war. Außerdem trugen die deutschen Biomasseaktivitäten kaum noch zum Ergebnis der RWE Innogy bei, da sie zum 1. Januar 2014 nahezu komplett auf den Unternehmensbereich Vertrieb/Verteilnetze Deutschland übertragen worden waren. Positiven Einfluss hatte laut RWE die Inbetriebnahme neuer Windkraftanlagen. Darüber hinaus seien Sonderbelastungen aus dem Vorjahr weggefallen, darunter Abschreibungen auf die Minderheitsbeteiligung am Solarthermiekraftwerk Andasol 3 in Südspanien.


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