20.11.2014, 14:48 Uhr

Gewinnwarnung: Areva leidet unter Atomgeschäft

Paris – Der französische Industriekonzern und Errichter von Atomkraftwerken Areva ist angeschlagen. Der Bau mehrerer Atomkraftwerke verzögert sich, hohe Schulden belasten das Unternehmen zusätzlich. Die Aktie ist seit Jahresbeginn bereits um die Hälfte eingebrochen.

Areva hat eine Gewinnwarnung herausgegeben. Anlass waren erneute Verzögerungen beim Bau der Atomkraftwerke Flamanville in Frankreich und Olkiluoto 3 in Finnland. Durch die Verzögerung fließt das Geld erst später als geplant. Hinzu kommen noch Kosten für die Verzögerung, die sich deutlich auf die Finanzsituation des französischen Atomkonzerns auswirken. Am Mittwoch sank der Aktienkurs um fast 20 Prozent. Auf Jahressicht hat Areva schon über 50 Prozent verloren. Im Februar 2014 notierte die Aktie noch bei über 21 Euro. Momentan hat sich die Aktie bei etwa 10 Euro eingependelt.

AKW-Projekt in Finnland: Bisher neun Jahre Bauverzögerung

Die Bauphase für das Atomkraftwerk Olkiluoto 3 in Finnland will einfach kein Ende nehmen. Geplant war ursprünglich, den Reaktor im Jahr 2009 in Betrieb zu nehmen, doch die Bauarbeiten kommen einfach nicht voran. Nun heißt es, der Reaktor werde in 2018 in Betrieb genommen. Durch die vielen Verzögerungen sind die Kosten bereits massiv aus dem Ruder gelaufen. Der Reaktor in Finnland wird von Areva und Siemens gebaut. Das Problem: Das Atomkraftwerk wurde zum Festpreis von rund drei Milliarden Euro angeboten. Der Auftraggeber des Reaktors und die großen Baufirmen fordern nun u.a. wegen der Mehrkosten wechselseitig Schadenersatz voneinander.

Kosten haben sich verdreifacht

Gleiches Spiel beim Reaktor im nordfranzösischen Flamanville. Der europäische Druckwasserreaktor am Ärmelkanal geht nun voraussichtlich erst in 2017 an den Start. Geplant war hier eine Inbetriebnahme in 2012. Diese wurde zunächst auf 2014, dann auf 2016 und jetzt auf 2017 verschoben. Dies gab der Auftraggeber EDF in einer Presseerklärung bekannt. Grund sei die verzögerte Lieferung von wichtigen Teilen für den Reaktor. Die Kosten haben sich im Vergleich zu dem veranschlagten Preis mittlerweile verdreifacht und wurden letzten Informationen nach mit 8,5 Mrd. Euro beziffert. Die Nachrichtenagentur AFP will aus informierten Kreisen die Information bekommen haben, dass es noch weitere „bedeutende Mehrkosten“ geben werde.

Steht Areva vor dem Finanz-Gau?

Neben Flamanville und Olkiluoto 3 hat Areva noch zwei weitere Druckwasserreaktoren im Bau. Diese werden momentan im südostchinesischen Taishan errichtet. Die Verzögerungen bereiten Areva große Probleme. Areva hat weniger Atomkraftwerke verkauft als angenommen und kämpft mit hohen Schulden. Bereits Anfang Oktober 2014 wurde angekündigt, Investitionen zu stoppen, um einer drohenden Herabstufung der Bonität zu entgehen. Die französische Regierung, die 85 Prozent Anteile an Areva hält, plant nun eine neue Führungsstruktur zu installieren. Ende Oktober musste der damalige Konzernchef Luc Oursel den Platz räumen, offiziell aus gesundheitlichen Gründen.

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