01.12.2014, 10:18 Uhr

E.ON spaltet Energiegeschäft auf

Düsseldorf - Der Energieversorger E.ON baut sein Energiegeschäft radikal um. Zwei Unternehmen mit ganz unterschiedlicher Ausrichtung entstehen. Vorstand und Aufsichtsrat von E.ON wagen den Spagat zwischen zwei Energiewelten.

Die Veränderungen auf dem europäischen Energiemarkt und die Folgen nach dem Atomunfall von Fukushima zwingen E.ON dazu, sich neu aufzustellen. Der E.ON-Aufsichtsrat hat grünes Licht für die vom Vorstand beschlossene Strategie gegeben. Diese sieht eine Abspaltung der konventionellen Up- und Midstream-Geschäfte in einer Gesellschaft vor, die 2016 an die Börse gebracht werden soll. Die E.ON-Aktie macht am Montagmorgen einen Gewinnsprung.

Zwei Energiefirmen: E.ON SE und "Neue Gesellschaft"

Kernpunkt der neuen Strategie ist die Aufspaltung der bisherigen E.ON Gesellschaft in einen Bereich mit den Schwerpunkten regenerative Energien (4,5 GW Kapazität), Energie-Verteilnetze und Kundenlösungen sowie in eine "Neue Gesellschaft" mit den Kernbereichen konventionelle Erzeugung (Deutschland, UK, Schweden, Russland, weitere EU), globaler Energiehandel (Kohlebezug, Gasverträge, Gasspeicher) und Exploration & Produktion (Nordsee, Russland), die mehrheitlich an die Aktionäre der E.ON SE mit dem Ergebnis einer Entkonsolidierung abgespalten wird. Die verbleibenden Minderheitsanteile sollen marktschonend über einen mittelfristigen Zeitraum über die Börse platziert werden.

Verkauf von Unternehmensbereichen und europäische Investitionen in die Windenergie

Durch die Abgabe des gesamten Geschäfts in Spanien und Portugal an den australischen Investor Macquarie werden die finanziellen Spielräume zur Neuaufstellung gestärkt. Der Unternehmenswert dieser Assets beläuft sich auf 2,5 Mrd. Euro.

E.ON erhöht im nächsten Jahr die Investitionsmittel um rund 500 Millionen Euro gegenüber den bislang für 2015 geplanten 4,3 Milliarden Euro. Ein besonderer Schwerpunkt wird der Ausbau der Windenergie in Europa und in ausgewählten weiteren Zielmärkten sein.

Hohe Abschreibungen wegen Südeuropa-Geschäft - stabile Dividende bei 0,50 Euro

Neben den in den ersten drei Quartalen ausgewiesenen Wertberichtigungen von rund 700 Millionen Euro werden wegen verminderter Werthaltigkeit der südeuropäischen Geschäfte und von Kraftwerken weitere außerordentliche Abschreibungen in einer Größenordnung von 4,5 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr erwartet. Die nicht zahlungswirksamen Wertberichtigungen werden zu einem erheblichen Konzernfehlbetrag im Geschäftsjahr 2014 führen. Der Ausblick für das Ebitda zwischen 8,0 und 8,6 Milliarden Euro und den nachhaltigen Konzernüberschuss von 1,5 und 1,9 Milliarden Euro im Gesamtjahr 2014 wird jedoch weiterhin ausdrücklich bestätigt. E.ON strebt zudem eine feste Dividende von jeweils 0,50 Euro für die Geschäftsjahre 2014 und 2015 an.

Die Aktie des Versorgers klettert nach der Nachricht zur neuen Strategie kräftig. Im Börsenhandel am Montagmorgen geht es für den Titel bislang um 3,9 Prozent auf 14,81 Euro nach oben (Stand 10:01 Uhr). Damit setzt sich das E.ON-Papier an die DAX-Spitze.

Quelle: IWR Online
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