30.12.2014, 10:03 Uhr

Energieverbrauch: Deutschland wird Einsparziele für 2020 verfehlen

Berlin – Wenn sich der Energieverbrauch in Deutschland so weiterentwickelt wie zuletzt, dann werden die Ziele der Bundesregierung deutlich verfehlt. Zur Erreichung der Ziele sind offenbar deutlich größere Anstrengungen nötig als bisher angenommen.

Dies hat das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie (WI) mit Hilfe einer Metaanalyse im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) festgestellt. Setzt sich der bisherige Trend beim Energieverbrauch fort, so wird Deutschland die Zielmarke, den Energieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent gegenüber dem Jahr 2008 zu senken, wohl verfehlen. So lautet das Fazit der AEE.

Ministerium sieht Verfehlung ein

Dies räumt auch das Bundeswirtschaftsministerium im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) ein, der am 3. Dezember vom Bundeskabinett verabschiedet wurde. „Das Thema Energieeffizienz ist durch den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz endlich prominent auf der politischen Agenda“, sagt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. Die aktuelle Metaanalyse des WI im Auftrag der AEE verdeutlicht nun diese Lücke zwischen Trendentwicklung und politischer Zielsetzung.

Unter dem Titel „Entwicklung des Energieverbrauchs in Deutschland“ haben die Wissenschaftler insgesamt 14 Studien verglichen, die Aussagen zum Energieverbrauch für die Jahre 2020, 2030 und 2050 machen.

Auch mit NAPE werden die Ziele verfehlt

Vor dem Hintergrund der unbefriedigenden Trendentwicklung sieht der vom Bundeskabinett verabschiedete NAPE eine Reihe von zusätzlichen Maßnahmen vor, um den Energieverbrauch zu senken. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass Klimaschutzziel Deutschlands zu erreichen. Laut Aussagen des Bundesumweltministeriums werden die im NAPE vorgeschlagenen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz voraussichtlich bis 2020 den Primärenergieverbrauch um 360 bis 460 Petajoule (PJ) verringern. Dies würde jedoch immer noch nicht ausreichen, um die anvisierte Reduktion zu erreichen, selbst wenn die im Verkehrssektor vorgesehene Einsparung von 110 bis 160 PJ hinzugerechnet wird. Man käme demnach auf eine Reduktion von lediglich zehn bis 15 Prozent.

Energiewende muss nicht Scheitern

„Die Zielverfehlung im Hinblick auf die Reduktion des Energiebedarfs bedeutet nicht notwendigerweise das Scheitern der Energiewende“, meint Vohrer. „Das Klimaschutzziel und der Atomausstieg können trotzdem erreicht werden, wenn im Gegenzug der Ausbau der Erneuerbaren Energien entsprechend forciert wird.“ Denn fossile Brennstoffe und damit Treibhausgase lassen sich auf verschiedene Weisen vermeiden: Durch das Einsparen von Energie und durch die klimafreundliche Versorgung mithilfe Erneuerbarer Energien.

Quelle: IWR Online
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