30.07.2015, 10:09 Uhr

Experten sehen positive Signale für den Ausbau der Fernwärme

Nürnberg, München - Deutsche Stadtwerke wollen ihre Fernwärmenetze ausbauen. Das zeigt eine aktuelle Studie des Beratungs-Unternehmens Rödl & Partner. Doch unter welchen Rahmenbedingungen kann dieser Ausbau stattfinden?
Für die Studie wurden leitende Mitarbeiter von Energieversorgern sowie weitere Experten befragt. Demnach planen mehr als zwei Drittel der Energieversorger, ihre Fernwärme und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) auszubauen. Gleichzeitig werden höhere Förderungen gefordert, die in die Novellierung des KWK-Gesetzes (KWKG) einfließen könnten.
Fernwärme als wichtiger Punkt zur Erreichung der Klimaziele
Aus Sicht der Studienverfasser stellt der Ausbau der Fernwärme eine geeignete Möglichkeit dar, um die Klimaziele der Bundesregierung im Wärmebereich zu erreichen. Eine zentrale Wärmeversorgung stelle in dichter besiedelten Gebieten den Schlüssel zur Steigerung der Energieeffizienz dar und ermögliche jederzeit den Einsatz Erneuerbarer Energieträger auch im Wärmebereich. Die Klimaziele der G7 im Wärmebereich könnten mit einem Ausbau der Fernwärmeversorgung grundsätzlich erreicht werden, so Rödl & Partner in der Analyse. Zudem zeigt sich, dass Energieversorger auch bereit sind, in diesen Bereich zu investieren. Mehr als zwei Drittel der befragten Mitarbeiter von Energieversorgern geben einen geplanten Ausbau der Fernwärme an und nur 31 Prozent wollen den derzeitigen Stand halten. Einen Rückbau plant sogar keines der befragten Stadtwerke, so ein weiteres Ergebnis der Studie.
Ölpreise und Mietrecht drücken Fernwärmeausbau
Den Einfluss des niedrigen Ölpreises schätzen die befragten Experten lediglich für die Neukundenakquise als problematisch ein, nicht jedoch hinsichtlich ihrer Bestandskunden. Bremsend auf den weiteren Ausbau des Kundenbestandes wirkt sich zudem offensichtlich das neue Mietrecht aus.
In den nächsten 10 Jahren könnten nach Angaben der Befragten über 5 Millionen Mietwohnungen angeschlossen werden, sofern die Rahmenbedingungen dies zulassen. 94 Prozent der Befragten weisen der Mietrechtsnovelle aufgrund ungeklärter Fragen bei der Heizkostenbewertung im Rahmen einer Umstellung des Heizsystems aber einen negativen Einfluss auf die Akquisechancen in diesem Bereich zu. Die Gewinnung von Neukunden in Mietwohnungen durch die Wärmeversorger werde vor diesem Hintergrund „sehr stark“ (75 Prozent) bzw. „stark“ (25 Prozent) beeinträchtigt. Damit sei ein CO2-Einsparpotenzial von bis zu 14,1 Millionen t CO2 pro Jahr gefährdet, so Rödl & Partner.
Energieversorger fordern mehr Förderung
Um den Fernwärmeausbau weiter voranzutreiben, fordern die Energieversorger eine bessere Förderung, die im Rahmen der aktuellen Diskussion zur Novellierung des KWKG integriert werden könnte. So wird eine Erhöhung des Zuschusses beim Ausbau der Netze von bislang etwa 20 Prozent auf knapp 36 Prozent gefordert. Die Förderung für Hausübergabestationen soll von 1.800 Euro auf über 4.600 Euro mehr als verdoppelt werden. Außerdem wird ein gedeckelter Zuschlag auf bestehende KWK-Anlagen gefordert, die nach derzeitigem Recht keine Förderung mehr erhalten. Nach der Studie erhoffen sich die Experten für diese älteren Kraftwerke einen Zuschlag in Höhe von 2,87 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Je nach Größe erhalten KWK-Anlagen nach aktuellem Stand einen Zuschlag von 1,8 bis 5,41 Cent pro kWh über einen Zeitraum von zehn Jahren oder für 30.000 Vollbenutzungsstunden.
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