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10.08.2015, 16:29 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

Japan fährt trotz Protesten Atomkraftwerk wieder an

Münster – Die japanische Regierung unter Premierminister Shinzo Abe hat sich für den Wiedereinstieg in die Atomenergie-Nutzung entschieden. Die Bevölkerung lehnt das zwar mehrheitlich ab, doch das ändert nichts. In dieser Woche fährt der Atomkonzern Kyushu Electric Power den ersten Reaktor wieder hoch.

Das wäre unter Abes Vorgänger Naoto Kan wohl nicht passiert. Dieser hatte zur Zeit der Atom-Katastrophe von Fukushima im März 2011 noch regiert und war aufgrund des Unglücks zu einem Atomkraft-Gegner geworden. Nun ist er unter den Demonstranten zu finden, die vor dem Atomkraftwerk Sendai gegen das Wiederhochfahren demonstrieren.

Ab Freitag erzeugt Japan wieder Atomstrom
Wie Kyushu Electric Power mitteilt, soll der Reaktor des Kernkraftwerks Sendai, der in der Präfektur Kagoshima auf der südwestlichen Insel Kyushu steht und über eine elektrische Leistung von 890 Megawatt (MW) verfügt, am Dienstag (11.08.2015) wieder angefahren werden. Ab Freitag (14.08.2015) soll dann wieder Atomstrom erzeugt werden. Im Anschluss wird die Leistung des Kraftwerks stufenweise gesteigert, so dass ab September wieder die volle Performance der Anlage abgerufen werden kann. Der Betreiber spricht dann vom Normalbetrieb. Zudem betont Kyushu Electric Power die Bedeutung der Einhaltung der Sicherheitsstandards. Es ist der erste Kraftwerksblock, der in Japan wieder ans Netz gehen soll, nachdem infolge des Reaktor-Unfalls von Fukushima sämtliche rund 50 Kraftwerksblöcke im Land der aufgehenden Sonne vom Netz genommen wurden.

Bevölkerung will keine Atomenergie – Gerichte müssen entscheiden
Allerdings steht die japanische Bevölkerung nach den Erfahrungen mit dem Unglück von etwa viereinhalb Jahren nicht unbedingt hinter dem Wieder-Einstieg in die Kernenergie-Nutzung. Umfragen zeigen, dass die Menschen weiterhin skeptische gegenüber der Atomenergie sind. Auch über die Rechtmäßigkeit des Hochfahrens im Kraftwerk Sendai hatte ein Gericht entscheiden müssen. Bürger hatten gegen die erneut Inbetriebnahme der Reaktoren geklagt, doch das Gericht wies diese Befürchtungen zurück. Den Sicherheitsstandards sei entsprochen worden und diese seien angemessen. In einem anderen Fall hatte ein Bezirksgericht das Wiederhochfahren zweier Reaktoren in der Präfektur Fukui auf der Hauptinsel Honshu gekippt. Die Kernkraftwerke könnten im Falle eines Erdbebens Schaden nehmen, so die Begründung. Die japanische Regierung ist der Auffassung mit seinen neuen Regeln für die Atomkraftwerke die "strengsten Sicherheitsvorschriften der Welt" aufgestellt zu haben.
Berichten zufolge haben nun kurz vor dem erneuten Start der Anlage in Sendai rund 200 Atomkraftgegner demonstriert. Unter ihnen sei auch Ex-Regierungschef Naoto Kan gewesen.

Quelle: IWR Online
© IWR, 2015

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Massive Sicherheits-Verstöße im AKW Tihange: Belgische Atomaufsicht droht mit Abschaltug
Japans Wiedereinstieg in die Atomenergie: Gerichte sind uneins
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