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17.09.2015, 16:36 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

Studie: Bürgerenergie bringt Milliarden für die regionale Wirtschaft

Berlin – Energie-Projekte in Bürgerhand stärken die lokale Wertschöpfung mit Milliarden-Investitionen und bringen vor Ort vielfältigen gesellschaftlichen Nutzen. So lautet das Fazit einer neuen Studie.

Die Untersuchung hat das Institut für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) aus Saarbrücken im Auftrag von Greenpeace Energy und dem Bündnis Bürgerenergie e.V. erstellt. Insgesamt zehn Nutzeneffekte hat das IZES herausgearbeitet.

Bürgerenergie sorgt für weit über 100.000 Jobs und fünf Mrd. Euro
So konnten Photovoltaik-, Windkraft- oder Biomasse-Projekte in Bürgerhand oder mit Bürgerbeteiligung laut IZES bundesweit bis zu 113.600 Vollzeitarbeitsplätze erhalten oder neu schaffen. Die Wertschöpfung dieser Projekte summierte sich demnach im untersuchten Jahr 2012 auf bis zu 5,3 Milliarden Euro. Über steigende Steuereinnahmen profitierten auch die kommunalen Haushalte. Das eingesetzte Geld bleibe laut Studie zu großen Teilen im lokalen Wirtschaftskreislauf, statt in globale Finanzströme abzufließen.
„Bürgerinnen und Bürger haben hierzulande 4.000 Windräder und 1,2 Millionen Solaranlagen verwirklicht, ihr Engagement ist auch ein wichtiger Job-Motor. Bürgerenergie heißt, dass möglichst viele Menschen an der Wertschöpfung erneuerbarer Energien teilhaben können“, sagt Rene Mono, Vorstand beim Bündnis Bürgerenergie.

Bürgerenergie-Projekten steigern Akzeptanz, streuen Einfluss und sorgen für Innovationen
Die Autoren der IZES-Studie haben durch Interviews mit Branchenakteuren und Experten auch mehrere gesellschaftliche Nutzeneffekte identifiziert. Weil sich in Bürgerenergie-Projekten viele Menschen aktiv beteiligen, wächst die gesellschaftliche Akzeptanz für die Energiewende. Zudem würden Kapital und Einfluss auf dem Energiemarkt breiter gestreut. Die Akteure der Bürgerenergie sorgen laut Studie auch für technische Innovationen und können Ökostrom-Anlagen häufig günstiger errichten als große, profitorientierte Marktteilnehmer. Grund dafür sei, dass sie bereit sind, einen Teil der anfallenden Kosten durch ehrenamtliche Arbeit zu vermeiden.

Bürger realisieren Energieprojekte auch dort, wo Konzerne abwinken
Vielerorts werden Projekte ausschließlich durch lokale Akteure verwirklicht, weil große Konzerne die für sie entstehenden, relativ hohen Kosten bei kleinen Anlagen scheuten. Fast die Hälfte der gesamten in Deutschland installierten Ökostrom-Leistung von 73.000 Megawatt (MW) befinde sich auch deshalb in Bürgerhand. In Zukunft dürften die Transaktionskosten wichtiger werden. Denn die Technologien zum Ausgleich von Schwankungen bei Sonnen- und Windenergie sind kleinteilig und regional verankert.
„Die Bürgerinnen und Bürger haben das Oligopol der großen Konzerne auf dem Energiemarkt aufgebrochen. Aktuell gilt es aber, die berechtigten Interessen der Bürgerenergie zu schützen“, sagt Marcel Keiffenheim, Aufsichtsrat beim Bündnis Bürgerenergie und gleichzeitig Leiter Politik und Kommunikation bei der Energie-Genossenschaft Greenpeace Energy.
Sorgen bereitet der Bürgerenergie vor allem die geplante Ausschreibungspflicht für neue Anlagen gemäß Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG). Die lokalen Akteure sind hier im direkten Wettbewerb benachteiligt, weil sie – anders als Großkonzerne – Kosten und Risiken einer Ausschreibung meist nicht auf mehrere Projekte verteilen können. „Die Bürgerenergie braucht deshalb Ausnahmen vom Ausschreibungs-Prinzip“, so Keiffenheim.

Bürgerenergie vor allem für ländliche und strukturschwache Regionen von Bedeutung
„Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirkungen der Bürgerenergie sind aber vor für allem für ländliche und strukturschwache Regionen enorm wichtig“, sagt Studienleiterin Eva Hauser vom IZES.
Die IZES-Untersuchung ist nach Angaben der Auftraggeber die erste umfassende Grundlagenstudie zum Thema. Um Bürgerenergie künftig genauer evaluieren zu können, empfehlen die Forscher nun eine wissenschaftliche Langzeitbetrachtung von ausgewählten Kommunen, in denen Bürgerinnen und Bürger Erneuerbare-Energien-Projekte umsetzen.

Begriffsabgrenzung Bürgerenergie
Unter Bürgerenergie verstehen die Autoren insbesondere Projekte einzelner Bürger, Projekte von Bürgerenergiegesellschaften sowie Projekte landwirtschaftlicher Unternehmen. Dabei halten diese Akteure direkt oder indirekt einen wesentlichen Anteil am Eigenkapital der Betreibergesellschaften und kommen "in der Regel" aus der Standortregion der errichteten Anlage.

Quelle: IWR Online
© IWR, 2015

Zusätzliche Nachrichten und Infos zum Thema Bürgerenergie:
Direkt zur IZES-Studie
EEG: Regenerative Branche lehnt Ausschreibungs-Konzept ab
2. Bürgerenergie- Konvent in Erfurt
Green City Energy: Bürger investieren in Binnenland-Windpark







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