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12.01.2016, 15:48 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

Deloitte-Studie: Niedrig-Strompreise verändern Energiemarkt grundlegend

Hamburg/München – Eine neue Studie des Consulting-Unternehmens Deloitte erwartet für die Energiewirtschaft auch in den kommenden zehn Jahren erhebliche und grundlegende Veränderungen. Vor dem Hintergrund sinkender Großhandelspreise für Strom und eines wachsenden Anteils erneuerbarer Energien komme auf die Energieversorger noch einiges zu.

Kaum eine Branche müsse sich in den nächsten zehn Jahren so stark verändern wie die Energiewirtschaft, erklärte Deloitte mit Blick auf die Ergebnisse der "Power Market Study 2025". Die Profitabilität der Versorger werde sich lediglich auf niedrigem Niveau stabilisieren.

Energieversorger müssen hohes Maß an Veränderungswillen zeigen
Mittelfristig sinken die Großhandelspreise für Strom auf unter 30 Euro je Megawattstunde laut Studie. Gleichzeitig steigt bis 2025 der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromgewinnung auf 40 bis 50 Prozent. Eine grundlegende Besserung für die Energieversorger sei nicht in Sicht, benötigte Investitionen in Anlagen, Infrastruktur und neue Geschäftsmodelle würden erschwert. Die Studie kommt zu dem Fazit, dass die Erzeuger in Zeiten hoher Klimaschutzziele die althergebrachte Wertschöpfung aufbrechen müssen. Zudem müssten die digitale und dezentrale Energiewelt weiter vorangetrieben werden und die Produkte sowie der Vertrieb müssten noch konsequenter auf die Verbraucher ausgerichtet werden. Man brauche intelligente Lösungen, um effizient auf Schwankungen von Angebot und Nachfrage zu reagieren und den Anforderungen einer digitalisierten Wirtschaft gerecht zu werden. Nur dadurch könnten die Energieversorger die Herausforderungen von Energiewende, Marktliberalisierung sowie Entflechtung von Netz und Vertrieb lösen.

Thomas Schlaak, Partner und Leiter Energy & Resources bei Deloitte, erklärte: "Klimaschutz und Marktentwicklung verlangen von Energieversorgern ein hohes Maß an Veränderungswillen. Sie müssen die nächste Schwelle der Professionalisierung nehmen. Nur mit konsequent umgesetzten Effizienz- und Strukturmaßnahmen besteht die Chance, dass sie die verlorengegangene Wettbewerbsfähigkeit wiedergewinnen."

Trotz der Stilllegung von Kernkraft- und Kohlekraftwerken führen Überkapazitäten zu weiter sinkenden Preisen im Strommarkt. Gleichzeitig gibt es bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien regionale Ungleichgewichte. Um die künftige Versorgung sicherzustellen, müssten 2.650 km neue Stromtrassen errichtet sowie 2.800 km bestehende erneuert werden.

Flexible Stromtarife können industrielle und private Nachfrage steuern

Der Ausbalancierung von Nachfrage und Angebot kommt in der Energiewende eine völlig neue Bedeutung zu. Spitzenlasten lassen sich nicht mehr kurzfristig durch Kohlekraftwerke ausgleichen. Aufgrund der Preisentwicklung ist für diese Fälle der effiziente Betrieb von Gaskraftwerken zudem nur wenig wirtschaftlich. Die Bedarfsspitzen liegen laut Studie zwischen 1.500 und 3.500 Megawatt und können nur durch ein intelligentes Demand-Response-Management abgedeckt werden. Dafür seien neue Geschäftsmodelle erforderlich, die etwa über flexible Tarife die industrielle und private Nachfrage lenken. In verbrauchsarmen Zeiten können Konsumenten und Unternehmen durch veränderte Nutzungsrhythmen von niedrigeren Preisen profitieren - dies erfordert aber intelligente Systeme, die noch nicht durchgängig im Einsatz sind.

Konsequent auf dezentrale und digitale neue Energiewelt ausrichten
Um die Herausforderungen der Energiewende und sich verändernder Abnehmerbedürfnisse zu lösen, müssen sich die Erzeuger zu Lösungsanbietern wandeln. Die Basis dafür legen eine durchgängige Digitalisierung aller Geschäftsbereiche sowie Serviceerweiterungen. Bei dezentralen Kleinerzeugern können sich Versorger als Partner beispielsweise für Wartung und Vertrieb positionieren. Über ihre IT-Systeme lassen sich Mikro-Kraftwerke zusammenschließen sowie nach Nachfrage und Angebot steuern. Smart-Meter-Lösungen für Industrie und Privathaushalte liefern dafür die erforderlichen Verbrauchsdaten in Echtzeit. Gleichzeitig bieten sie für die Erzeuger den Einstieg in den Smart-Home- und Smart-Factory-Markt.
"Künftig werden traditionelle Energieversorger ihren Vertrieb noch konsequenter auf schlanke Prozesse und eine kundenspezifische Profitabilitätsrechnung ausrichten müssen. Langfristig müssen sie die dezentrale und digitale neue Energiewelt konsequent, aber höchst fokussiert angehen", so Schlaak.

Quelle: IWR Online
© IWR, 2016

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