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01.02.2016, 10:24 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

Atomenergie: Klage gegen Tihange – Japan fährt weiteren Meiler hoch

Münster – Die internationale Diskussion um die Nutzung der Kernenergie geht weiter. In Europa steht der Betrieb der maroden Reaktoren in den Atomkraftwerken Tihange und Doel in der Kritik. Dort hat die Dreiländerregion Aachen nun juristische Schritte angekündigt. In Japan wurde hingegen der dritte Atommeiler nach Fukushima wieder angeschaltet.

Die Städteregion Aachen, ein Kommunalverband im Südwesten Nordrhein-Westfalens, plant, vor dem obersten belgischen Verwaltungsgericht gegen das umstrittene belgische Atomkraftwerk (AKW) Tihange zu klagen. Am heutigen Montag wird zudem Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) Gespräche mit dem Vizepremier und für Reaktorsicherheit zuständigen Innenminister von Belgien, Jan Jambon, über die Wiederinbetriebnahme der beiden grenznahen belgischen Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 reden.

Region Aachen will klagen – Hendricks will reden
Die belgischen Kernreaktoren Doel 3 und Tihange 2 waren bereits 2012 heruntergefahren worden, nachdem Risse am Reaktorbehälter gefunden worden waren. Seither läuft die intensive Diskussion um die Sicherheit der betreffenden AKWs. Mitte November 2015 stellte die belgische Atomaufsichtsbehörde fest, die Risse seien kein Risiko für die Sicherheit der Anlage. Betreiber Electrabel nahm den Reaktor dann Mitte Dezember wieder in Betrieb. Das löste auch in Deutschland erhebliche Ängste aus. Unter anderem hatte das Bundesumweltministerium einen Fragenkatalog an die belgische Sicherheitsbehörde geschickt, der aber bislang unbeantwortet ist.

Der Städteregionsrat der Städteregion Aachen Helmut Etschenberg hatte zudem Anwälte prüfen lassen, wie man wirksam gegen Tihange vorgehen könne. Die Juristen haben verschiedene Optionen aufgezeigt, die Etschenberg auch in vollem Umfang nutzen will. Man werde auch vor dem belgischen Staatsrat gegen die Wiederinbetriebnahme von Tihange 2 im Dezember 2015 klagen, so Etschenberg. Der Städteregionstag habe bereits die „volle Unterstützung“ bekundet. Formell soll dies in einer Sondersitzung am morgigen Dienstag (02.02.2016) auf den Weg gebracht werden.

Japan nimmt weiteren AKW-Block in Betrieb
Während in Europa der Protest gegen die Atomenergie-Nutzung wächst, ist in Japan nun der dritte Atomreaktor nach Fukushima wieder hochgefahren. Medienberichten zufolge hat der Betreiber Kansai Electric Power einen Meiler im Atomkraftwerk Takahama in der Präfektur Fukui im Westen der Hauptinsel Honshu wieder in Betrieb genommen. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 waren alle knapp 50 Reaktoren Japans abgeschaltet worden. Fast fünf Jahre nach Fukushima ist nun trotz Protesten der erste Reaktor des AKW Takahama wieder ans Netz gegangen. 2015 waren bereits zwei Reaktoren des AKW Sendai auf der Südinsel Kyushu wieder hochgefahren worden. Die japanische Regierung hatte die Sicherheitsstandards für die Atomenergie zuvor verschärft und spricht von den strengsten Vorschriften der Welt.

Quelle: IWR Online
© IWR, 2016

Zusätzliche Nachrichten und Infos zum Thema Atomenergie:
Schweizerische Energie-Stiftung beklagt schwindende AKW-Sicherheitsmarge
Bundesregierung sorgt sich um Sicherheitskultur in Schweizer Atomkraftwerk
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