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29.02.2016, 09:26 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

Alte Atomkraftwerke: Frankreich will AKW-Laufzeiten einfach verlängern

Paris - Die Atomkraftwerke (AKW) in Frankreich werden immer älter und die Hälfte der AKW erreicht bald das Ende ihrer Lebensdauer von 40 Jahren. Weil Ersatzkraftwerke fehlen, will die Politik die Laufzeit einfach verlängern. Das Risiko alternder Atomkraftwerke steigt in ganz Europa rasant an.

Rund die Hälfte der 58 Atomkraftwerke in Frankreich erreicht bald das Ende der vorgesehenen Lebensdauer. Die französische Energieministerin Segolene Royal will die Laufzeiten jetzt um zehn Jahre verlängern, vorausgesetzt die Atomaufsicht stimmt zu. Das sagte sie im Fernsehsender „France 3“ am Sonntag.

Zweifel am AKW-Abschaltplan: Energiewende in Frankreich läuft zu langsam
Anders als in Deutschland schreitet die Energiewende in Frankreich viel langsamer voran. Frankreich deckt derzeit rd. 75 Prozent des Strombedarfs durch Atomkraftwerke. Geplant ist der Ausbau erneuerbarer Energien und eine Reduktion des Atomstroms auf 50 Prozent. Allerdings könnte auf Grund des Potenzials der Ausbau erneuerbarer Energien deutlich schneller gehen.

Erst am 26.02.2016 hatte IWR Online in einem Beitrag zu dem französischen Ersatz-Atomkraftwerk Flamanville Zweifel am französischen AKW-Abschaltplan gehegt. Da es weder ausreichende Ersatzkraftwerke gibt und der Ausbau erneuerbarer Energien zu langsam erfolgt, kann der Abschaltplan für die Atomkraftwerke in Frankreich derzeit gar nicht eingehalten werden. Die Gründe für diese Entwicklung mit allen Folgerisiken maroder Atomkraftwerke sind hausgemacht.

Politisches Geflecht in der französischen Atomindustrie
Die Atomwirtschaft in Frankreich liegt weitgehend in staatlichen Händen bzw. staatlich kontrollierten Unternehmen. Weil viele Arbeitsplätze direkt an der Atomindustrie hängen und die eine staatliche Seite die andere staatliche Seite kontrolliert, gibt es wenig Interesse, am Status quo etwas zu ändern. Das eigentliche französische Problem ist allen bekannt und wird am aktuellen Ping-Pong-Spiel zwischen der Energieministerin und der staatlichen Atomaufsicht offensichtlich.

Alte, marode Atomkraftwerke werden in ganz Europa zum Problem
Das Problem alternder Atomkraftwerke in Europa ist bekannt, echte Lösungen derzeit nicht in Sicht. In Belgien, Großbritannien und in der Schweiz wird versucht, die maroden Atomkraftwerke so lange wie möglich am Netz zu belassen, auch über das Ende der technischen Lebensdauer hinaus. Alternative Kraftwerke fehlen, AKW-Neubauten sind langwierig und rechnen sich nicht. Zugleich geht der Ausbau erneuerbarer Energien in Frankreich, Belgien oder der Schweiz viel zu schleppend voran.

Quelle: IWR Online
© IWR, 2016

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