07.04.2016, 08:31 Uhr

Deutschlands leistungsstärkste Geothermie-Anlagen liefern bald auch Wärme

München – In München stehen Deutschlands leistungsstärkste Geothermie-Anlagen. Neben der Stromerzeugung sollen die Anlagen ab 2019 auch Fernwärme für den Münchener Südosten liefern. Nun wurde dazu ein langfristiger Wärmeliefervertag unterzeichnet.

Dazu baut die Energieversorgung Ottobrunn GmbH in den nächsten Jahren das Fernwärmenetz aus. Seit Inbetriebnahme Ende 2012 und Anfang 2013 produzieren die beiden leistungsstärksten Geothermie-Anlagen Deutschlands ausschließlich elektrischen Strom. Voraussichtlich ab 2019 ist die Nutzung des Potenzials für geothermische Wärme geplant, sodass zu den jeweils sieben Megawatt (MW) elektrischer Leistung noch je 45 MW Wärmeleistung hinzukommen sollen. Anlagenbetreiber ist SGG, ein Joint Venture der Baywa r.e. GmbH und der Hochtief PPP Solutions GmbH, noch ausschließlich elektrischen Strom für das öffentliche Netz.

Besonders großes Potential im Münchener Süden

Eine geothermische Anlage fördert heißes Thermalwasser aus mehreren tausend Metern Tiefe und entzieht dem Wasser in obertägigen Anlagen mittels Wärmetauscher die Energie und führt das Wasser zurück in den Boden. In den Gemeinden Ottobrunn, Hohenbrunn, Neubiberg und Höhenkirchen-Siegertsbrunn im Südosten Münchens ist das Potential eines solchen Kraftwerks besonders groß. Durch die tiefe Lage des Wassers und der daraus resultierenden hohen Temperatur von 135 Grad Celsius ist diese Methode hier besonders ertragreich. Nur einige Kilometer weiter nördlich, beispielsweise in Straubing lässt sich das Wasser nur mit einer Temperatur von 35 Grad Celsius fördern. Nur wenige Regionen in Deutschland bieten daher solch idealen Voraussetzungen für ein Geothermie-Kraftwerk.

Vorteil der Geothermie: Stetige Verfügbarkeit

Tilo Wachter, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Süddeutsche Geothermie-Projekte GmbH & Co. KG (SGG), äußerte sich zu dem neuen Vorhaben und den Vorteilen der Energiegewinnung aus dem Boden: „Geothermie ist 100 Prozent erneuerbar und grundlastfähig. Sie steht unabhängig von Witterung, Klima oder Tageszeit immer zur Verfügung. Gerade in der Region südlich von München ist das Reservoir für geothermische Energie besonders groß. Mit der Energieversorgung Ottobrunn als starkem Partner können wir dieses Potenzial in Zukunft auch für die Wärmebereitstellung voll nutzen“.

Ausbau des Fernwärmenetzes

Um die zukünftig gewonnene Wärmeenergie zu den Verbrauchern zu bringen, plant die Energieversorgung Ottobrunn in den kommenden Jahren 15 Millionen Euro in den Ausbau des Fernwärme-Netzes zu investieren. Dabei soll neben den Geothermie-Kraftwerken Kirchstockach (bis 2019) und Dürrnhaar (bis 2022) auch die örtliche Biogas-Anlage an das Netz angeschlossen werden.

Der Zuspruch für das Erneuerbare-Energien-Projekt aus der lokalen Politik ist durchweg positiv. Die Bürgermeister der örtlichen Gemeinden unterstützen das Projekt und den Fortschritt auf dem Münchener Wärmemarkt.

Quelle: IWR Online

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