24.10.2016, 12:48 Uhr

Welche Kraftwerke bis 2020 abgeschaltet werden

Münster - Bis zum Jahr 2020 werden in Deutschland zahlreiche konventionelle Kraftwerke abgeschaltet. Der Ausstieg aus der Atomenergie wird nach Plan fortgesetzt. Ein erster Einstieg zum Ausstieg aus der Kohle ist bereits eingeleitet worden, wenn auch mit Hilfe einer anderen Begründung.

Die Bundesregierung setzt den Ausstieg aus der Atomenergie fort und beginnt den Ausstieg aus der Kohleenergie. Erste Braunkohle-Kraftwerke gehen bis 2020 mit Segnung der EU in die bezahlte Klimaschutz-Reserve. Eine Blaupause für weitere Projekte?

Feste Abschaltung von Braunkohle-Kraftwerken

Bis 2020 werden Braunkohlekraftwerke mit einer Leistung von knapp 2.900 MW aus Gründen des Klimaschutzes abgeschaltet und in die bezahlte Reserve geschickt. Jeweils am 1. Oktober werden in den nächsten Jahren die Braunkohle-Blöcke Stück für Stück zunächst in die Sicherheitsbereitschaft gepackt und dann vier Jahre später endgültig stillgelegt. Den Anfang hat das Braunkohlekraftwerk Buschhaus der Mibrag mit einer Leistung von 325 Megawatt (MW) im Oktober 2016 gemacht. 2017 folgen die RWE-Blöcke P und Q in Frimmersdorf (je 300 MW), 2018 die RWE-Blöcke E und F in Niederaußem (je 300 MW) sowie Block F des Vattenfall-Kraftwerks Jänschwalde (500 MW), 2019 dann schließlich Jänschwalde E (500 MW) sowie Block C im RWE-Kraftwerk Neurath (300 MW).

Vor der nächsten Weltklimakonferenz, die vom 7. bis zum 18. November 2016 in Marrakesch in Marokko stattfinden wird, will die Bundesregierung einen Plan vorlegen, wie sie die international versprochenen Klimaschutzziele bis 2030 erreichen kann. Die weitere Abschaltung von CO2-intensiven Kraftwerken nach dem jetzigen Vorbild der bezahlten Reserve aus Klimaschutzgründen könnte als Blaupause dienen.

Abschaltung von Atomkraftwerken bis 2020

Aktuell sind in Deutschland noch acht Atomkraftwerke mit einer Leistung von 11.400 MW in Betrieb. Bis 2020 werden zwei weitere AKW mit einer Gesamtleistung von rd. 2800 MW vom Netz gehen. Im Einzelnen sind dies das AKW Gundremmingen B im Jahr 2017 mit einer Leistung von 1.344 MW und das AKW Philippsburg 2 (2019) mit einer Leistung von 1.468 MW.

Weitere geplante Abschaltungen von kleineren Kraftwerken

Laut den Angaben der Bundesnetzagentur sind weitere Kraftwerks-Abschaltungen geplant, aber noch nicht endgültig sicher. So könnten im Zeitraum 2016 bis 2019 noch Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von bis zu rund 1.500 MW abgeschaltet werden. Zu den größten Kraftwerken zählen hierbei ein Berliner Erdgas-Kraftwerk (rd. 430 MW) sowie ein Öl-Kraftwerk in Brunsbüttel (rd. 190 MW) von Vattenfall.

Große konventionelle Neubau-Projekte am Netz

In den vergangenen Jahren sind zwar kleinere Kraftwerke abgeschaltet worden, aber auch große neue Kraftwerke sind in Betrieb gegangen, die die Leistung der abgeschalteten Anlagen teilweise deutlich mehr als überkompensiert haben. Dazu zählen das neue RWE-Kohlekraftwerk Eemshaven mit einer Kraftwerks-Leistung von 1.600 MW, das Hamburger Kohlekraftwerk Moorburg (1.730 MW), das Mannheimer Kohlekraftwerk Block 9 (900 MW). Unklar ist, ob das Kohlekraftwerk in Datteln mit 1.055 MW Leistung ans Netz gehen kann. Bis 2019 sind laut Bundesnetzagentur noch weitere Kraftwerks-Neubauten mit einer Gesamtleistung von etwa 2.300 MW vorgesehen.

Quelle: IWR Online

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