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07.03.2017, 14:16 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

Schweiz drängt auf Stromabkommen mit der EU

Münster – Die Schweizer setzen bei der Stromversorgung vor allem auf Wasserkraft und Atomenergie. Doch im letzten Jahr ist die Atomstrom-Erzeugung aufgrund einiger Unterbrechungen in den Kraftwerken um acht Prozent gesunken. Nicht nur deswegen arbeitet die Alpenrepublik an einer engen Zusammenarbeit mit den Stromnachbarn.

Strom aus Wasser- und Atomkraftwerken decken etwa 90 Prozent des Strombedarfs in der Schweiz. Im Bereich der Wasserkraft ist die Erzeugung von der Verfügbarkeit der Speicherseen sowie bei den Laufwasserkraftwerken von der Wasserführung der Flüsse abhängig. Zudem sind Schweizer Atomkraftwerke (AKW) in die Jahre gekommen und werden mit zunehmendem Betriebsalter auch anfälliger für Ausfälle. Kein Wunder also, dass die Schweizer in Sachen Stromversorgung auf ein Abkommen mit der Europäischen Union drängen.

Schweizer wollen Versorgungssicherheit durch EU-Abkommen erhöhen
Bereits seit dem Jahr 2007 verhandeln die Schweizer mit der EU über ein solches Stromabkommen. Wie der Schweizer Netzbetreiber Swissgrid auf Anfrage von IWR Online erklärt, stehen für die Schweiz bei den Verhandlungen des Stromabkommens die Stärkung der Versorgungssicherheit sowie die wirtschaftliche Einbindung in den europäischen Energiebinnenmarkt im Mittelpunkt. Man strebe eine aktive Mitsprachemöglichkeit bei den in der gesamten Union gültigen Netz- und Systemregeln durch die Mitgliedschaft in den europäischen Entscheidungsgremien an. Falls es nicht zu einer Einigung kommt, befürchtet die Schweiz, „von praktisch allen europäischen Entwicklungen und Mechanismen“ schleichend ausgeschlossen zu werden, so Swissgrid.

Mehr kritische Netzsituationen lässt Gefahr von Großstörungen steigen
Swissgrid weist gegenüber IWR Online daraufhin, dass die grenzüberschreitende betriebliche Koordination einen immer wichtigeren Teil der Arbeiten eines Netzbetreibers einnehme. Oftmals könnten kritische Netzsituationen nur durch weiträumig abgestimmte Gegenmaßnahmen kontrolliert werden. Zunehmende Erzeugung von erneuerbaren Energien und Volatilität im Stromsystem bringen das europäische Netz immer häufiger in kritische Betriebssituationen. Die Gefahr von Großstörungen sei latent gegeben und wachse stetig an.

Schleichender Ausschluss aus europäischen Entwicklungen und Mechanismen

Durch einen Ausschluss von den europäischen Entwicklungen und Mechanismen würden den Schweizer Unternehmen aus Sicht des Netzbetreibers Geschäftsfelder verwehrt bleiben, die sich durch die Weiterentwicklung des europäischen Strommarktes ergeben. Ähnliche Tendenzen zeichneten sich beim internationalen Handel von Herkunftsnachweisen bereits ab.

Verhandlungen stocken auf politischer Ebene
Doch während die Verhandlungen auf technischer Ebene laut Swissgrid weit fortgeschritten sind, stockt das Vorhaben aus politischen Gründen. Ob die Verhandlungen wieder aufgenommen werden, sei ungewiss. Einen Zeitplan dazu gebe es jedenfalls nicht. Für die Schweizer wäre ein Stromabkommen vor allem zur Erhöhung der Versorgungssicherheit von Bedeutung. Die gemeinsamen Ziele der Schweiz und der EU in der Klimapolitik und beim Ausbau erneuerbarer Energien ließen sich zudem in einem europäischen Lösungsansatz besser und effizienter realisieren als in einem nationalen Kontext, so das Fazit des Schweizer Netzbetreibers Swissgrid.

Quelle: IWR Online
© IWR, 2017

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