30.05.2017, 08:41 Uhr

Solarworld sagt Hauptversammlung ab

Bonn - Der Vorstand der insolventen Solarworld AG hat beschlossen, die ordentliche Hauptversammlung am 3. Juli 2017 abzusagen. Am 10. Mai hatte das Unternehmen Insolvenz angemeldet.

Die Bonner Solarworld AG hat am 10. Mai 2017 die Insolvenz bekanntgegeben. Im Zuge des aktuellen Geschäftsverlaufs und der weiter voranschreitenden Preisverwerfungen bestand keine positive Fortbestehens-Prognose mehr, hieß es zur Begründung. Nun teilt der letzte größere deutsche Solarmodul-Hersteller mit, dass die für die Hauptversammlung am 3. Juli 2017 angekündigte Verlustanzeige gemäß Aktiengesetz mit der Insolvenz hinfällig geworden sei. Die ordentliche Hauptversammlung wurde abgesagt.

Horst Piepenburg vorläufiger Insolvenzverwalter der Solarworld AG

Das Bonner Amtsgericht hat den Sanierungsexperten Horst Piepenburg von der Kanzlei Piepenburg-Gerling zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Solarworld AG sowie der Tochtergesellschaften Solarworld Industries Sachsen GmbH, Solarworld Industries Thüringen GmbH, Solarworld Industries Deutschland GmbH und der Solarworld Innovations GmbH bestellt. Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender der Solarworld AG, hatte erklärt, dem Insolvenzverwalter gründlich und zügig zuzuarbeiten und tatkräftig zu unterstützen. In der Solarworld-Gruppe arbeiten rund 3.000 Beschäftigte weltweit, davon rund 250 in der Konzernzentrale in Bonn. Insgesamt erwirtschaftete der Solarstromtechnologiekonzern einen Umsatz von gut 800 Millionen Euro.

Chinesisches Solardumping und schlechtes Zeugnis für deutsche Wirtschaftspolitik

Asbeck sieht das Verschulden für die Pleite der Solarworld AG in China. Die „an allen Ecken und Enden subventionierte Solarzellenproduktion“ in China sei für die Insolvenz verantwortlich, erklärte Asbeck im Spiegel-Interview. Gegen Staatsbankkredite für die chinesischen Konkurrenz-Unternehmen könne man nur schwer ankommen, so Asbeck gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel.

Es gibt aber auch andere Meinungen dazu: So teilt Oliver Behrla, Geschäftsführer der Deutsche Auftragsagentur GmbH aus Hamburg, mit, dass die Insolvenz auch der bundesdeutschen Wirtschaftspolitik ein schlechtes Zeugnis ausstelle. Diese Wirtschaftspolitik habe es nicht geschafft, neben Nachfrageanreizen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auch die Unternehmen so zu fördern, dass Deutschland ein attraktiver Standort für die Solarindustrie bleibe. Behrla merkt kritisch an: „Dass nun chinesische Solarmodule Herstellern wie Solarworld den Markt in Deutschland kaputt gemacht haben, muss zumindest bei den vielen Kleinanlagen in Deutschland angezweifelt werden. Denn laut unserer Analyse zu den in Deutschland nachgefragten Modulen, dominieren insbesondere deutsche Hersteller den Markt bei privaten Photovoltaikanlagen.“

Quelle: IWR Online

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