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21.06.2017, 08:23 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

Erneuerbaren-Branche sieht neue Phase der Energiewende

Münster – Der Bundesverband Erneuerbaren Energien (BEE) sieht Deutschland in einer neuen Phase der Energiewende, so BEE-Präsident Fritz Brickwedde im IWR-Interview. Auch über die Vorteile einer CO2-Steuer und die Zukunft des EEG äußerte sich der Energieexperte.

Der BEE hat sich seit der Gründung 1991 sukzessive vom nationalen Dachverband zu einem international agierenden Vertreter aller regenerativen Energiesparten gewandelt. Im IWR Interview erläutert Fritz Brickwedde was die nächsten Schritte in der Energiewende sein sollten.

Brickwedde: „Wir sind in eine neue Phase der Energiewende eingetreten“

Die Erneuerbaren seien heute sich durch technischen Fortschritt, die Digitalisierung und durch Massenproduktion günstiger als die meisten konventionellen Kraftwerke, so Brickwedde im Interview mit dem IWR (erschienen im Monatsreport Regenerative Energiewirtschaft 06/2017). Der BEE denke daher heute mehr über Systemverantwortung nach, als über einzelne Technologieförderungen. Die Energiewende sieht der Experte inzwischen in „eine neue Phase“ eingetreten. Dementsprechend brauche man nun faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber den fossilen Energieträgern.

CO2-Steuer auf fossile Energieträger soll Preissockel für CO2 schaffen
Dringend würden daher mehr marktwirtschaftliche Elemente benötigt, so Brickwedde. Da Strom, Wärme und Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien ein wesentlicher Teil der einer Dekarbonisierungs-Strategie seien, denke der BEE intensiv über ein funktionierendes CO2-Preissystem nach, das die echten Kosten aller Technologien abbilde. „Die Konstruktion des europäischen Emissionshandels (EU ETS) führt derzeit zu einem weitgehenden Marktversagen“, so Brickwedde. „Der Bundesverband Erneuerbare Energie schlägt deshalb vor, im Stromsektor die Stromsteuer weitestgehend abzuschaffen und durch eine CO2-Steuer für fossile Stromerzeugung zu erheben.“

Die ursprünglich geplante ökologische Lenkungswirkung der Stromsteuer sei nicht mehr gegeben, stattdessen blockiere sie die dringend notwendige Sektorkopplung. Das Steueraufkommen einer CO2-Steuer auf fossile Energien soll die entfallende Stromsteuer ersetzen. „Dies hat den Effekt eines zusätzlichen CO2-Preises, der die unterschiedlichen Energieträger in Abhängigkeit ihrer Treibhausgasbilanz bewerten kann. Auf diese Weise wird ein nationaler CO2-Preissockel geschaffen, der an die Erreichung der Klimaziele geknüpft werden kann.“ Das Modell könne mit dem EU ETS verbunden werden, betont Brickwedde.

Sinkende EEG-Umlage mit dem Atomausstieg
Brickwedde erwartet zudem, dass die EEG-Umlage, die seit 2009 (1,3 Cent) bis 2017 (6,9 Cent) deutlich gestiegen ist, in Zukunft wieder fallen wird. „Die EEG-Umlage ist so konstruiert, dass eine Erhöhung des Börsenstrompreises eine Senkung der Umlage zur Folge hat“, so der Experte der zwei Gründe für den Anstieg in den vergangenen Jahren anführt: „Erstens sind die Börsenstrompreise durch die günstigen Erneuerbaren immer weiter gefallen, zweitens wird die Entlastung der Industrie mit immer höheren Milliardenbeträgen der Besonderen Ausgleichsregelung auf die Verbraucher umgelegt.“

Wenn 2022 mit den letzten Atomkraftwerken in Summe etwa 8.000 Megawatt (MW) Überkapazitäten aus dem derzeitigen Strommarkt austräten, könne die Umlage wieder sinken. „Zusätzlich braucht es einen verbindlichen Kohleausstieg; die Bundesregierung hat die Aufgabe einen klaren Fahrplan für die Reduktion fossiler Energieträger vorzulegen.“ In der Folge würden Gaskraftwerke immer öfter den Preis an der Strombörse setzen. „Damit könnte nach verschiedenen Prognosen der durchschnittliche Börsenstrompreis auf etwa 4,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde steigen und die Umlage um 1,5 bis 2 Cent sinken.“ Der Ausbau der Erneuerbaren erhöhe die Umlage dagegen nur noch marginal. „Es macht also keinen Sinn den Zubau in Zukunft weiter zu begrenzen“, so Brickwedde.

Quelle: IWR Online

© IWR, 2017

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