08.11.2017, 16:39 Uhr

Entwicklungsländer investieren weniger in den Klimaschutz

London/Washington/Sao Paulo – Der Klimaschutz in den Entwicklungsländern kommt nicht voran, die Investitionen sinken dramatisch. Gleichzeitig bleiben die reichen Staaten hinter ihren Unterstützungs-Zusagen zurück. Mit Blick auf das Pariser Klimaabkommen könnte das zu einem riesigen Problem werden.

Die Investitionen in saubere Energie sind in den Entwicklungsländern im Jahr 2016 um mehr als ein Viertel eingebrochen. Das geht aus einem aktuellen Bericht von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) hervor. Vom Ziel, den Entwicklungsländern jährlich 100 Milliarden US-Dollar für den Kampf gegen den Klimawandel bereitzustellen, ist die Staatengemeinschaft zudem noch weit entfernt.

Entwicklungsländer investieren 40 Milliarden Dollar weniger in den Klimaschutz

Im Jahr 2016 haben die Entwicklungsländer (Nicht-OECD-Staaten) insgesamt 111 Milliarden Dollar in neue Projekte zur sauberen Energieerzeugung investiert. 2015, im Jahr des Pariser Klimaabkommens, waren es noch 152 Milliarden Dollar. Größter Regenerativ-Investor unter den Entwicklungsländern ist mit 82 Milliarden Dollar weiterhin China. Doch auch im Reich der Mitte gingen die Investitionen um 27 Prozent zurück (2015: 113 Mrd. Dollar). In den restlichen Entwicklungsländern fielen die Investitionen um 25 Prozent.

Fehlender Rechtsrahmen hemmt Investitionen in den Entwicklungsländern

Für diese Entwicklung sind zwei Faktoren ausschlaggebend, so BNEF. Auf der einen Seite fehlt es in den Entwicklungsländern teilweise an den technischen und regulatorischen Rahmenbedingungen, die für privatwirtschaftliche Investitionen entscheidend sind. Von den 71 von BNEF erfassten Entwicklungsländern haben zwar 54 nationale CO2-Ziele festgelegt, jedoch nur 48 Staaten haben Einspeisetarife oder Auktionen eingeführt und lediglich 13 Länder haben politische Maßnahmen zur CO2-Reduzierung beschlossen.

Reiche Staaten bleiben hinter ihrem 100-Milliarden-Dollar-Versprechen zurück

Auf der anderen Seite bleiben die reichen OECD-Staaten bislang deutlich hinter ihren Unterstützungszusagen zurück. Auf der Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen haben die OECD-Staaten zugesagt, den Entwicklungsländern ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar im Kampf gegen den Klimawandel bereitzustellen. Dies umfasst alle Formen von klimaschutzrelevanten Investitionen, egal ob öffentlich oder privat finanziert.

Die grenzübergreifenden Investitionen der reicheren Länder in saubere Energien in den ärmeren Staaten sind 2016 jedoch auf zehn Mrd. US-Dollar gefallen (2015: 13,5 Mrd. Dollar). Nimmt man weitere Klimaschutzinvestitionen außerhalb der sauberen Energieerzeugung hinzu, lag der Gesamtwert 2014 bei 71,3 Milliarden Dollar und damit noch weit von den zugesagten 100 Milliarden entfernt. Eine Zielerreichung bis 2020 scheint unwahrscheinlich. „Die Daten heben die Kluft zwischen Worten und Taten hervor, wenn es um Klimaschutz und die Unterstützung sauberer Energie geht“, fasst Ethan Zindler von BNEF zusammen.

Paris-Ziele der Entwicklungsländer von Unterstützungs-Zusagen abhängig

Das-100-Milliarden-Dollar-Versprechen wurde auch 2015 in Paris mehrfach bekräftigt. Zahlreiche Entwicklungsländer haben die Höhe ihrer CO2-Minderungszusagen daher an eine angemessene finanzielle und technische Unterstützung gekoppelt. So haben 19 der 71 von BNEF erfassten Nicht-OECD-Staaten angekündigt, ihre Zusagen zurückziehen, wenn die reichen Staaten ihr Versprechen nicht einhalten. 25 Nationen wollen ihre Zielzusagen reduzieren.

Dieser Gefahr für die Ziele des Pariser Klimaabkommens sind sich die Unterhändler bei der aktuellen laufenden Weltklimakonferenz in Bonn anscheinend durchaus bewusst. Zu Beginn der Konferenz sagte Deutschland weitere 100 Millionen Euro für zwei Fonds zur Bekämpfung des Klimawandels in armen Ländern zu.

Quelle: IWR Online

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