21.11.2017, 11:05 Uhr

Uniper: Aktionäre sollen Fortum-Angebot ablehnen

Düsseldorf – Der finnische Energieversorger Fortum hat Anfang November 2017 ein Übernahmeangebot für den deutschen Kraftwerks-Betreiber Uniper vorgelegt. Uniper gehört derzeit noch zu rund 47 Prozent zu Eon. Doch die Uniper-Gesellschaftsorgane Vorstand und Aufsichtsrat sehen dieses Angebot kritisch.

Vorstand und Aufsichtsrat von Uniper haben eine gemeinsame Stellungnahme zum freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot von Fortum abgegeben. Beide Gremien sind der Auffassung, dass das Angebot von Fortum nicht im Interesse von Uniper, der Aktionäre, Mitarbeiter und weiterer Stakeholder ist. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen den Uniper-Aktionären daher, das Angebot von Fortum nicht anzunehmen.

Angebot entspricht nicht dem Uniper-Wert – Motive unklar

Auch der Konzernbetriebsrat von Uniper unterstützt die gemeinsame Stellungnahme von Vorstand und Aufsichtsrat in vollem Umfang. Auf eine eigene Betriebsrats-Stellungnahme wurde daher verzichtet. Klaus Schäfer, Vorstandsvorsitzender von Uniper erklärt die Gründe: „Das Angebot von Fortum ist nicht akzeptabel, da es den tatsächlichen Wert von Uniper nicht widerspiegelt. Zudem ist kein nennenswerter Beitrag für eine verbesserte Entwicklungsperspektive von Uniper zu erkennen. Die Angebotsunterlage lässt weiterhin offen, was Fortum tatsächlich vorhat.“

Uniper-CEO Schäfer: Zeit für Gespräche beginnt

Doch Uniper-Chef Schäfer zeigt sich dennoch gesprächsbereit. Nun beginne die Zeit für Gespräche. „Es wird sich zeigen, ob Fortum dazu bereit ist, seinen öffentlichen Ankündigungen verbindliche Zusagen folgen zu lassen. Wir werden Fortum beim Wort nehmen, um die Unabhängigkeit von Uniper soweit wie möglich zu sichern“, so Schäfer.

Auch der Aufsichtsrat könne aus dem Angebot insgesamt keinen relevanten strategischen Nutzen für Uniper erkennen, teilte der Aufsichtsratsvorsitzender Bernhard Reutersberg mit.

Angebot zu niedrig

Der Angebotspreis von 22 Euro (21,31 Euro je Aktie zuzüglich gegebenenfalls 0,69 Euro je Uniper-Aktie für die Dividende für 2017) spiegelt nach Ansicht von Vorstand und Aufsichtsrat nicht das Potenzial von Uniper wider. Bei insgesamt 366 Millionen ausstehenden Aktien entspricht das einer Bewertung von 8,05 Mrd. Euro. Aktuell werden die Uniper-Anteilsscheine für 23,75 Euro gehandelt (Börse Stuttgart).

Zusagen fehlen – Was hat Fortum vor?

Die Uniper-Manager sehen keinen maßgeblichen strategischen Nutzen durch die Fortum-Übernahme im Vergleich zu einer Fortführung der Strategie als eigenständiges und unabhängiges Unternehmen. Hinzu kommt, dass aus Sicht der Uniper-Organe verbindliche Zusagen zur Zukunft der Mitarbeiter von Fortum fehlen. Weitreichende strukturelle Veränderungen wie den Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags, einen Ausschluss der Minderheitsaktionäre (Squeeze-out) von Uniper oder eine Einstellung der Börsennotierung würden zudem explizit nicht ausgeschlossen. Uniper beschäftigt in mehr als 40 Ländern rund 13.000 Mitarbeiter.

Quelle: IWR Online

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