25.01.2018, 16:49 Uhr

Windenergie-Ausbau an Land erreicht neuen Rekord

Berlin, Münster – Der Windenergieausbau an Land hat im vergangenen Jahr ein neues Rekordniveau erreicht. Durch den EEG-Systemwechsel auf Ausschreibungen wird es ab 2018 aber zu einem deutlichen Rückgang beim Neubau kommen. Die Branche fordert ein Gegensteuern.

Die bisherigen EEG-Ausschreibungen für Windenergieanlagen (WEA) an Land reichen mengenmäßig mit Blick auf das von Union und SPD im Rahmen der Sondierungsgespräche für 2030 formulierte Klimaschutzziel von 65 Prozent EE-Anteil am Stromverbrauch nicht aus. Bundesverband Windenergie (BWE) und VDMA Power Systems fordern eine Anhebung des Ausschreibungsvolumens.

Fast 51.000 MW Onshore-Leistung am Netz

Im Gesamtjahr 2017 war der Brutto-Zubau von Windenergieanlagen an Land in Deutschland mit über 5.300 Megawatt (MW) und fast 1.800 Anlagen erwartungsgemäß hoch. Der Zubau entspricht einem Zuwachs von 15 Prozent im Vergleich zum Gesamtjahr 2016. Parallel zur Einführung von Ausschreibungen wurde im vergangenen Jahr ein großer Teil der bis Ende 2016 erteilten Genehmigungen umgesetzt. Damit ist 2017 das bisher zubaustärkste Jahr. Zum Jahreswechsel waren rd. 28.700 WEA an Land mit einer Gesamtleistung von fast 51.000 Megawatt installiert.

Klimaziele erfordern Erhöhung des Ausschreibungsvolumens

Für das Jahr 2018 ist nach einer Prognose der Verbände noch ein Zubau von ca. 3.500 MW zu erwarten. Da bei den Ausschreibungen im Jahr 2017 überwiegend Projekte ohne Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) mit verlängerten Realisierungszeiten zum Zuge kamen, sei die Prognose für das laufende Jahr allerdings mit Unsicherheiten behaftet. Zur Erreichung des in den Sondierungsgesprächen vorgeschlagenen Anteils von 65 Prozent Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch bis zum Jahr 2030, ist eine nachhaltige Anpassung des Ausschreibungsvolumens für Windenergie an Land erforderlich, so die Verbände.

Matthias Zelinger, Geschäftsführer von VDMA Power Systems, fordert eine Reparatur des EEG. „Die Genehmigung nach Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) muss umgehend und dauerhaft für alle Gebote gefordert werden. Um den kontinuierlichen Ausbau zu sichern und Klimaschutz zu ermöglichen, müssen zusätzliche Mengen ausgeschrieben werden und nicht realisierte Zuschlagsmengen in die Ausschreibungen zurück“, so Zelinger. Die Diskussion über einen notwendig höheren Beitrag der Windenergie müsse nun schnell beginnen. Auch weil Anfang der Zwanzigerjahre mit einem erheblichen Rückbau alter Anlagen zu rechnen ist, die aus dem EEG ausscheiden.

Deutschland fehlen beim EE-Ausbau bis zum EU-Ziel noch drei Prozent

Auch mit Blick auf den in der Europäischen Union vereinbarten Ausbau erneuerbarer Energien liegt Deutschland nach Berechnungen der europäischen Statistikbehörde EuroStat noch unter der Zielmarke für 2020. Insgesamt erreicht der EE-Anteil am Endenergieverbrauch in der EU 2016 etwa 17 Prozent. Mit einem EE-Anteil von 14,8 Prozent fehlen Deutschland bis 2020 noch etwa 3 Prozentpunkte bis zum Erreichen des Landeszielwertes von 18 Prozent.

Ihre Ziele beim EE-Anteil am Bruttoendenergieverbrauch erreicht haben bislang elf Mitgliedsstaaten. Dazu gehören Schweden mit einem EE-Anteil von 53,8 Prozent (Ziel: 49 Prozent), Finnland mit 38,7 Prozent (Ziel: 38 Prozent), Dänemark mit 32,2 Prozent (Ziel: 30 Prozent) und Estland mit 28,8 Prozent (Ziel: 25 Prozent). Am weitesten von ihren Zielen entfernt sind die Niederlande mit einem EE-Anteil von 6 Prozent (Ziel:14 Prozent), Frankreich mit 16 Prozent (Ziel: 23 Prozent), Irland mit 9,5 Prozent (Ziel: 16 Prozent) und UK mit 9,3 Prozent (Ziel:15 Prozent).

Quelle: IWR Online

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