15.05.2012, 12:27 Uhr

Energiewende: Wie der Naturschutz den Netzausbau verzögert

Münster – Ausbau der Offshore-Windkraft im Norden, Abschalten von Atomkraftwerken im Süden: der Bedarf an neuen Stromtrassen zum Transport der Strommengen in die Verbrauchszentren nimmt durch die Energiewende immer stärker zu. Zwar führt aktuell der Ausbau der Offshore-Windenergie noch zu keinen Problemen, aber die Bundesregierung will gewappnet sein und den Netzausbau beschleunigen. Im August 2009 wurde dazu das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) verabschiedet, das den Bau von 24 vordringlichen Leitungsbauvorhaben im Stromübertragungsnetz beschleunigen soll.

Die Umsetzung der Netzausbau-Projekte führt naturgemäß zu Problemen. In den Medien werden häufig Bürgerproteste als Hauptursache dafür ausgemacht, dass der Ausbau nicht schnell genug voran geht und damit die Energiewende quasi „von unten“ verzögert wird. Schaut man hinter die Kulissen, dann können die Verzögerungen ganz andere Ursachen haben, wie das Beispiel der Stromtrasse von Hamburg / Krümmel nach Schwerin zeigt.

Netzausbau im Norden: Stromtrasse seit 20 Jahren in Planung

Die 65 km lange Stromleitung von Hamburg/Krümmel nach Schwerin ist eines der vordringlichen Vorhaben, das laut EnLAG für die Energiewende wichtig ist und schnell umgesetzt werden soll. Die Leitungsstrecke wird heute „Windsammelschiene“ genannt und soll den Windstrom von den Küstenregionen zu den verbrauchsstarken Regionen im Landesinneren transportieren. Trotz der Namensgebung war die Stromtrasse ursprünglich für ganz andere Zwecke vorgesehen. Bereits seit rd. 20 Jahren wird an der Stromtrasse rumgeplant, ursprünglich um den Strom vom Kernkraftwerk Krümmel in den Osten zu transportieren. Dass diese Strecke nun umgekehrt überwiegend den Windstrom aus dem Osten in den Westen transportieren soll, ist purer Zufall. Während der 49 km lange Teilabschnitt in Mecklenburg-Vorpommern immerhin seit 2 Jahren fertiggestellt ist, verzögerte sich der Bau des 16 km langen Teilabschnitts in Schleswig-Holstein entlang der Autobahn A 24 mehrfach.

Ursache: Landesnaturschutzgesetz verzögert Planung

Hauptursache für die jahrelange Hängepartie sind weder die vermeintlichen Bürgerproteste noch Verzögerungen durch die Übertragungsnetzbetreiber. Vor allem der Natur- und Umweltschutz bremst den Netzausbau bei diesem Projekt aus. Entlang der geplanten Trasse an der Autobahn müssen Bäume gefällt werden. Das Landesnaturschutzgesetz schreibt vor, dass für die gefällten Bäume umfangreiche Ersatzaufforstungen notwendig sind. Dies ist im ersten Planänderungsverfahren zwar berücksichtigt worden, allerdings wurde im laufenden Verfahren das Landesnaturschutzgesetz in Schleswig-Holstein geändert. Die Folge waren strengere Anforderungen an die Ersatzaufforstungen und eine Anpassung des Planänderungsverfahrens.

Im vergangenen Monat wurde der Planfeststellungsbeschluss nun für das letzte Teilstück endlich erlassen, d.h. mit dem Bau kann nun begonnen werden. Bis Ende des Jahres 2012 soll nun nach 20 Jahren das fehlende 16 km lange Trassen-Teilstück fertig gestellt werden. Auf einmal kann alles dann doch ganz schnell gehen.

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