16.08.2013, 14:28 Uhr

Aufdach-Solaranlagen: Spanien erhebt Steuer für Eigenverbrauch

Madrid – Die Photovoltaik (PV) befindet sich weiterhin im Visier der klammen spanischen Regierung: Nach der Abschaffung der Einspeisevergütungen hat Madrid im letzten Monat eine Steuer auf den zum Eigenverbrauch produzierten Strom aus Aufdach-Solaranlagen eingeführt. Erste Betreiber reagierten bereits mit einer Demontage. Wegen des neuen Gesetzes machten sich die PV-Anlagen nicht mehr bezahlt, sagte ein Eigentümer der Nachrichtenagentur „Reuters“. Auch der Verbleib der nicht genutzten Module auf dem Dach kommt nicht in Frage, dies zieht nach der Verordnung eine empfindliche Strafe nach sich.

Das Dekret soll dazu dienen, die Schulden des Staates gegenüber den Erzeugern zu verringern. Derzeit steht Madrid aufgrund der eigens vorangetriebenen Regulierung der Energiepreise hier mit rund 26 Mrd. Euro in der Kreise – und es werden laut „Reuters“ jährlich fünf Mrd. mehr. Pro Kilowattstunde werden jetzt sechs Cent erhoben.

„Autoconsumo“ nicht mehr tragbar

Selbsterzeuger, die nach dem Prinzip des "Autoconsumo" Strom zum Eigenverbrauch produziert haben, stehen der Verordnung kritisch gegenüber. Nach ihrer Ansicht wird durch die Maßnahme gegen die Förderung der Energieeffizienz gesteuert. Trotz der Bedenken sieht der spanische Industrieminister die Maßnahme als einen notwendigen Schritt, um die finanziellen Rückstände abbauen zu können und die Kosten der Strominfrastruktur auf alle Verbraucher zu übertragen.

EE-Ziele des Landes in Gefahr

Kritiker weisen darauf hin, dass Spanien zurzeit 80 Prozent seines Gesamtenergiebedarfs mit Importen deckt, was einer jährlichen Summe von 40 Mrd. Euro entspricht. Nach ihrer Ansicht soll in den Ausbau der Solarenergie stärker investiert werden anstatt Hemmnisse wie Besteuerungsmaßnahmen aufzubauen. Bei der alten Regelung konnten PV-Betreiber eine typische Investitionssumme für eine Aufdach-Anlage in Höhe von 1.600 bis 2.100 Euro durch eine niedrigere Stromrechnung innerhalb von fünf Jahren zurückbekommen. Im Rahmen der neuen Verordnung würde die Amortisierungszeit 17 Jahre dauern. Ferner wird nach Experten die Maßnahme das Erreichen des von der EU vorgegebenen Ausbauziels von einem erneuerbaren Anteil am Energiemix von 20 Prozent bis 2020 gefährden.

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