29.05.2015, 08:52 Uhr

Finanzwirtschaft zieht sich aus Kohle zurück

Münster – Weltweit binden Investitionen in fossile Energieträger wie Öl, Gas und Kohle binden riesige Summen. Insbesondere Investitionen in den Kohlesektor büßen aufgrund des Preisverfalls bei Kohle derzeit an Attraktivität ein. Das zeigen auch die jüngsten Entwicklungen in Norwegen und in der internationalen Versicherungsbranche.

In Norwegen scheint die Regierung sich jetzt im Rahmen des staatlichen Pensionsfonds aus der Kohle zurückziehen zu wollen. Auch der internationale Versicherungskonzern AXA schichtet sein Portfolio um und setzt künftig verstärkt auf erneuerbare Energien.

Kohleinvestitionen als wirtschaftliches Risiko

Norwegen verfügt mit dem staatlichen Pensionsfonds über den größten Staatsfonds der Welt. Ende 2014 belief sich das Fondsvermögen des Fonds auf etwa 783 Mrd. Euro. Der Fonds investiert die Öleinnahmen des Landes, um für die Zeit nach dem Öl vorzusorgen. Dabei spielen Investitionen in den Kohlesektor eine wichtige Rolle. Das dürfte sich durch die aktuelle Entscheidung des Finanzausschuss des Parlaments jetzt ändern. Einstimmig wurde beschlossen, dass sich der Fonds aus Energie- und Bergbauunternehmen zurückziehen soll, bei denen mehr als 30 Prozent am Umsatz oder Geschäft aus dem Kohlesektor stammen. "Investitionen in Unternehmen der Kohleindustrie beinhalten ein Risiko für das Klima sowie künftig auch ein wirtschaftliches Risiko," erklärte Svein Flatten, Abgeordnete der konservativen Regierungspartei zur Begründung.

Richtungswechsel in Regierungspolitik

Mit der Abkehr von den Investitionen in den Kohlesektor schwenkt die norwegische Regierung auf die Linie von Opposition und Umweltschützern ein, die von der Regierung schon seit längerem fordern, sich von Unternehmen mit Aktivitäten auf dem Gebiet fossiler Energien zu trennen. Bislang lautete die aktuelle Linie der Regierung, bei Investitionsentscheidungen in Kohle-, Öl- und Erdgasfirmen im Einzelfall zu prüfen, ob die Aktivitäten von Unternehmen als klimaschädlich einzustufen sind. Vertreter der Opposition und Umweltschützer werten den Beschluss als Sieg.

Versicherungskonzern AXA setzt künftig auf erneuerbare Energien

Auch der französische Versicherungskonzern AXA hat angekündigt, seine Beteiligungen an Firmen abzustoßen, deren wirtschaftlicher Schwerpunkt im Kohlesektor liegt. Insgesamt beläuft sich das Portfolio in diesem Segment auf etwa 500 Mio. Euro. Gleichzeitig hat der Versicherungskonzern angekündigt, bis zum Jahr 2020 rd. 3 Mrd. Euro in den regenerativen Sektor investieren zu wollen. AXA Chef Henri de Castries begründet die Entscheidung mit der weltweiten Klimaschutzproblematik sowie dem steigenden wirtschaftlichen Risiko bei Investitionen in den Kohlesektor.

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