29.07.2015, 09:30 Uhr

Biogas: Bioraffinerie-Technik sorgt für zusätzliche Einnahmen

Dresden, Blizevedly / Tschechische Republik – Die Novellierung des EEG im Jahr 2014 hat im Biogassektor zu erheblichen Veränderungen geführt. Der Markt für Neuanlagen ist auf 41 MW eingebrochen, was im Vergleich zum besten Branchenjahr 2011 einem Rückgang von 90 Prozent entspricht. Auch die Betreiber bestehender Anlagen haben zum Teil wirtschaftliche Probleme. Ein neues Verfahren könnte für zusätzliche Einnahmen sorgen.
Die Biofabrik, ein Unternehmen aus der Clean-Tech Branche, hat die Testphase ihrer ersten Bioraffinerie abgeschlossen. Die innovative Technik soll Biogasanlagenbetreibern Zusatzerlöse ermöglichen.
Erste Bioraffinerie in Tschechien erfolgreich getestet
Die erste Bioraffinerie wurde in der tschechischen Gemeinde Blizevedly errichtet und Ende 2014 in Betrieb genommen. In der Bioraffinerie der Biofabrik wird Grassilage verwertet, um verschiedene chemische Grundstoffe für die Industrie zu produzieren.
Der große Vorteil der Technik ist, dass die Grassilage nach der Nutzung in der Bioraffinerie weiterhin in einer Biogasanlage als Substrat verwendet werden kann. Erfolgreich getestet wurde dieses System in Kooperation mit dem Biogasanlagenbetreiber vor Ort, der die Grassilage weiter nutzt. Mit der Pilotanlage in Blizevedly wurden seit Beginn des Dauerbetriebs wöchentlich 950 Kilogramm (kg) Proteinhydrolysat hergestellt, das zur Herstellung von Industrie- und Verbraucherprodukten verwendet wird.
Doppelte Rohstoffverwertung sorgt für Zusatzerlöse
Die Biofabrik sieht in der Bioraffinerie eine Technik mit viel Potenzial. Sie produziert nachhaltige chemische Grundstoffe, die zur Herstellung von Dünge- und Futtermitteln sowie Plastik verwendet werden. Stoffe, die bislang überwiegend durch den Einsatz fossiler Rohstoffe hergestellt werden. Gleichzeitig können steigende Rohstoffkosten für Biogasanlagen ausgeglichen werden, da die Grassilage aus der Bioraffinerie zusätzlich für den Betrieb der Biogasanlagen genutzt werden kann.
Das führt nach Angaben der Biofabrik bei einer Rohstoffmenge von 5.000 Tonnen pro Jahr gegenüber einem reinen Biogasanlagenbetrieb zu einem jährlichen Mehrerlös von bis zu 45.000 Euro. Hinzu komme in Deutschland noch ein KWK-Bonus, da die Bioraffinerie Abwärme nutzt, um den Produkten Wasser für einen einfacheren Transport zu entziehen, so die Biofabrik. Seit Anfang des Jahres hat die Biofabrik 15 Kunden in Deutschland für ihre Bioraffinerie-Technologie gewonnen.
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