03.04.2019, 13:25 Uhr

Neubau von CO2-armen Kraftwerkskapazitäten stockt

Hannover - Der Bau neuer, CO2-armer Kraftwerke kommt in Deutschland zu langsam voran. Das zeigt die neue Kraftwerksliste, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auf der Hannover Messe International veröffentlicht hat.

Angesichts des derzeitigen Ausbautempos bei neuen Kraftwerken sieht der BDEW die Gefahr, dass es in wenigen Jahren im Zuge der absehbaren oder bereits erfolgten Stilllegungen zu einer Unterdeckung bei der gesicherten Leistung kommen kann. Der BDEW sieht die Politik am Zuge, die zügig das notwendige Umfeld für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende schaffen muss.

10 Projekte mit einer Gesamtkapazität von 3.200 Megawatt im Bau

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat auf der Hannover Messe International eine neue Kraftwerksliste veröffentlicht, die alle in Bau befindlichen Kraftwerke sowie die genehmigten und geplanten Projekte mit einer Leistung von mehr als 20 Megawatt (MW) aus dem konventionellen und erneuerbaren Bereich enthält. Demnach gibt es in Deutschland derzeit 64 Projekte zum Neubau von Kraftwerken, die gesicherte Leistung bereitstellen können. Davon sind jedoch lediglich 10 Vorhaben mit einer Gesamtkapazität von etwa 3.600 MW tatsächlich im Bau. Darunter befinden sich 5 Offshore-Windenergieprojekte mit 1.530 MW, die in der BDEW-Statistik zur gesicherten Leistung zählen, ein Kohlekraftwerk mit 1.050 MW und vier Gaskraftwerke mit etwa 600 MW. Als positiv wertet der BDEW, dass es 15 Projekte gibt, bei denen Kohle durch Erdgas ersetzt werden soll (fuel-switch-Projekte).

Es werden aber aus BDEW-Sicht weit mehr solcher Projekte notwendig sein, um die notwendige Reduzierung der Kohleverstromung weiter voranzutreiben. Hierfür bedarf es allerdings besserer Rahmenbedingungen für den Wechsel von Kohle zu Gas. Aufgrund der aktuellen Marktsituation rechnet sich der Bau von Gaskraftwerken nicht, ihre Realisierung sei daher fraglich, so der BDEW. Auch die Realisierung von weiteren Pumspeicherkraftwerken stockt.

Gut voran gehe es bei den Offshore-Windkraft-Projekten: In diesem Jahr werden voraussichtlich 1.500 MW an Offshore-Kapazitäten hinzukommen. Da es im Offshore-Bereich im Unterschied zu Windenergie an Land keine Akzeptanzprobleme gibt, sollten zügig Sonderausschreibungen für Offshore-Wind-Kapazitäten erfolgen – zumal es ohnehin zusätzliche Netzanschlusskapazitäten für Offshore-Wind-Kapazitäten in Höhe von knapp 1.600 MW gebe.

BDEW: Bundesregierung ist am Zug

„Bisher setzt der Markt nicht die erforderlichen Bedingungen für den notwendigen Zubau an Kraftwerken. Stattdessen sind wir schon heute auf eine Reihe an Reparaturmaßnahmen angewiesen: Netzreserve, Kapazitätsreserve oder netztechnische Betriebsmittel kaschieren mehr schlecht als recht die Defizite der deutschen Energiepolitik und Marktkonditionen. Auf Dauer wird das nicht funktionieren“, so Kapferer. Er sieht daher die Bundesregierung am Zug, die zügig das notwendige Umfeld für den Umbau der Energieversorgung auf den Weg bringen muss.

Um das Ziel der Kohlekommission zur Abschaltung aller Kohlekapazitäten zu schaffen, müssen bis 2030 zudem die erneuerbaren Energien zwingend auf einen Anteil von 65 Prozent ausgebaut werden. Auch ein schnellerer Netzausbau sei zwingend. Das dritte zentrale Thema sei die Versorgungssicherheit. „In der Kohlekommission gab es eine sehr hohe Übereinstimmung darin, dass die Abschaltung von Kohlekraftwerken nicht an der Frage scheitern darf, ob es gelingt, die nötigen Mengen an gesicherter Erzeugungskapazität vorzuhalten. Die Quintessenz lautet: Wir müssen bauen, bauen, bauen“, so Kapferer weiter.

Quelle: IWR Online

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