12.04.2022, 13:22 Uhr

Siemens Energy punktet mit Großauftrag für Stromverbindung nach UK


© Siemens Energy

München - Der europäische Strommarkt wächst weiter zusammen. Trotz Brexit steht auch der Bau neuer Stromverbindungen nach Großbritannien im Fokus. Davon profitiert Siemens Energy jetzt mit einem millionenschweren Auftrag.

Siemens Energy hat einen Großauftrag für eine neue Stromverbindung nach England erhalten. Über den Neu-Connect-Interkonnektor soll überschüssiger Windstrom aus Deutschland nach Großbritannien abtransportiert werden. Insgesamt wird nach Inbetriebnahme eine Übertragungskapazität von 1.400 Megawatt (MW) bzw. 1,4 GW zur Verfügung stehen. Damit könnten rund 1,5 Mio. Haushalte mit Strom versorgt und rund 16 Mi. Tonnen CO2 eingespart werden.

Erste direkte Stromverbindung zwischen Großbritannien und Deutschland

Siemens Energy und das Konsortium Neu-Connect haben einen Vertrag über die Lieferung eines schlüsselfertigen Hochspannungs Gleichstrom Übertragungs (HGÜ) Systems für die erste direkte Stromverbindung zwischen Großbritannien und Deutschland unterzeichnet. Die HGÜ?Verbindung wird zwei der größten europäischen Energiemärkte miteinander verbinden und den Stromaustausch von bis zu 1,4 Gigawatt in beide Richtungen ermöglichen - genug Energie, um 1,5 Millionen Haushalte zu versorgen. Der Auftragswert für Siemens Energy liegt im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, die Buchung erfolgt für das laufende Geschäftsjahr.

Aufgrund von Netzengpässen kann überschüssiger Windstrom oftmals nicht abtransportiert werden. Um die Verschwendung von Energie und die kostspielige Abregelung von Windenergieanlagen zu vermeiden, soll über die Stromverbindung Neu-Connect überschüssiger Strom von Deutschland nach Großbritannien transportiert werden, bzw. bei Bedarf auch andersherum.

Die neue Trasse soll die Versorgungssicherheit in beiden Ländern erhöhen und die Flexibilität in der Stromversorgung steigern. Durch die effizientere Nutzung von regenerativ erzeugten Strom soll die Verbindung zudem zu einer Einsparung von bis zu 16 Millionen Tonnen CO2 führen. „Wenn wir den Umstieg auf erneuerbare Energien schnell, sicher und bezahlbar schaffen wollen, können wir es uns nicht länger leisten, dass Windenergie aufgrund von Netzengpässen abgeregelt und der Bedarf anderswo durch fossile Stromerzeugung gedeckt werden muss“, so dazu Tim Holt, Mitglied des Vorstands von Siemens Energy.

System übernimmt neben Energieübertragung weitere wichtige Netz-Funktionen

Um die beiden Stromnetze zu verbinden, wird Siemens Energy zwei schlüsselfertige HGÜ-Konverterstationen errichten - eine in der Region Isle of Grain, die andere in der Region Wilhelmshaven in Niedersachsen. Die Konverterstation auf der einen Seite der Verbindung wandelt Wechsel- in Gleichspannung, damit die Energie möglichst verlustarm übertragen werden kann. Über ein 720 Kilometer langes HGÜ-Seekabelsystem der Firma Prysmian wird der Strom dann durch britische, niederländische und deutsche Gewässer transportiert. Die andere Konverterstation wandelt die Gleichspannung wieder zurück in Wechselspannung, damit die Energie über das nationale Netz in die Steckdosen der Verbraucher gebracht werden kann.

Das HVDC-PLUS-System von Siemens Energy wird neben der Energieübertragung weitere wichtige Funktionen im Netz übernehmen. Es kann schwache Wechselstromnetze stabilisieren und im Fehlerfall abgeschaltete Netzsegmente wieder hochfahren. Wie eine Firewall beim Computer verhindert das HGÜ-System bei einer Störung im Netz, dass sich das Problem per Domino-Effekt auf weitere Teile des Netzes ausbreitet, so Siemens Energy.

Die Europäische Kommission unterstützt das grenzüberschreitende Infrastrukturprojekt, da es die Dekarbonisierung im Sinne des Pariser Abkommens fördert. Mit der Fertigstellung des Projekts rechnet Siemens Energy Mitte dieses Jahrzehnts.

Quelle: IWR Online

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