20.09.2006, 15:54 Uhr

Schwimmende Ölplattformen als Vorbild für Offshore-Windkraftwerke

Cambridge, USA - Nach den Visionen der Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, USA, könnten in Zukunft große Windkraftanlagen hunderte Meilen vor der Küste den beständigen Wind auf offener See in Strom umwandeln. MIT-Professor Paul D. Sclavounos hat lange Zeit große schwimmende Plattformen für die Erkundung von Öl- und Gasfeldern auf hoher See entwickelt. Dieses Know-How will er jetzt auch für die Windkraftbranche einsetzen und arbeitet seit 2004 eng mit den Windkraft-Experten des National Renewable Energy Laboratory (NREL) zusammen, um Möglichkeiten zu finden, Windkraftanlagen mit schwimmenden Plattformen zu verbinden.
Nach Berechnungen der Wissenschaftler können die schwimmenden Windkraftanlagen in Wassertiefen von 30 bis zu 200 Metern eingesetzt werden, bei Entfernungen von etwa 50 km bis 150 km vor der Küste. Dabei könnten besonders wirtschaftliche WEA mit Größenordnungen um die 5 MW eingesetzt werden. Die Montage der schwimmenden Windkraftanlagen auf See könnte allerdings angesichts der Turmhöhe von ca. 90 Metern sehr kostspielig werden, so die Wissenschaftler. Deshalb habe man von vornherein eine Montage an Land, ggf. in einer Schiffswerft, vorgesehen. Die Anlage könne dann mit Booten an ihren Bestimmungsort gezogen werden. Stabil im Wasser gehalten werden sie durch einen mit Beton und Ballastwasser beschwerten Fuß, der unter der Wasseroberfläche schwimmt. Am Bestimmungsort angelangt, wird die Windturbine am Meeresboden vertäut und ein Teil des Ballastwassers abgepumpt, bis die Turbine an den Tauen straff über ihren Haltepunkten hängt. Computersimulationen ergaben, dass sich die Plattformen während eines Sturm geringfügig seitlich verschieben, die Turbinenblätter aber stets über dem Kamm der höchsten Wellen bleiben. Mit Stoßdämpfern wollen die Forscher die seitliche Verdriftung der Plattformen noch weiter reduzieren.
Professor Sclavounos rechnet bei diesem Verfahren mit einer Kostenreduzierung um etwa ein Drittel gegenüber der Konstruktion der heute für die offene See geplanten, fest gebauten Windturbinen nötig wäre. Zudem können sie so weit draußen installiert werden, dass sie von den Küsten aus nicht mehr zu sehen sind. Wegen der starken Winde auf hoher See seien nach Angaben der Forscher ein bis zu doppelter Ertrag pro installierter MW-Leistung gegenüber herkömmlichen Offshore-Anlagen möglich. Zudem seien die schwimmenden Plattformen mobil, sodass sie später auch dorthin gezogen werden können, wo man sie am nötigsten braucht.
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Quelle: iwr/20.09.06/