14.03.2014, 10:10 Uhr

EEG 2.0: Think-Tank aus Schleswig-Holstein sieht noch viele Baustellen

Husum / Sehestedt / Kiel - Der Think Tank Energiewende Schleswig-Holstein hat ein Positionspapier zum Referentenentwurf für das Erneuerbare-Energien-Gesetz, auch EEG 2.0 genannt, abgegeben. Darin werden geplanten Neuerungen der Regierung in vielen Punkten kritisiert: Insbesondere stoßen sich die Norddeutschen Experten an der geplanten Vergütungsstruktur, den festgelegten Ausbauzielen sowie dem vorgesehenen Ausschreibungsmodell für regenerative Energieprojekte.

Das dem Referentenentwurf vorangegangen Eckpunktepapier wurde am im Januar in Berlin vorgestellt. Bis zum 12. März 2014 hatten Verbände und Institutionen Zeit, eine Stellungnahme beim Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) abzugeben. Viel Zeit für etwaige Änderungen bleibt jedoch kaum, da dass neue EEG bereits zum 1. August diesen Jahres in Kraft treten soll. Der Think-Tank wurde von der Netzwerkagentur windcomm schleswig-holstein und dessen Förderverein, der sich aus zahlreichen Firmen der Windbranche zusammensetzt, gegründet.

EEG 2.0 bremst Energiewende

Die Kernpunkte des Positionspapiers des Think-Tanks betreffen die im Referentenentwurf enthalten neue Vergütungsstruktur, die festgelegten Ausbauziele und die Ausschreibung von neuen EE-Anlagen. Das EEG 2.0 sieht vor, dass die Einspeisevergütung an windreichen Standorten geringer ausfallen soll als an weniger geeigneten Orten. Dies stehe jedoch im klaren Widerspruch zum Ziel des BMWi, den Kostenanstieg durch die Energiewende zu bremsen. Der Think-Tank empfiehlt, in der Tendenz Windkraftanlagen an den windreichen Standorten auch weiterhin stärker zu fördern als an windschwachen, um die Belastung für den Endverbraucher zu senken.

Windenergie-Degression weiterhin für zwölf Monate festlegen

Nach dem Referentenentwurf soll zudem die Vergütung auch an die Zubauraten angepasst werden. Liegen die neu installierten Kapazitäten über den angepeilten Zielen, so steigt die Degressionsrate und somit sinkt die Vergütung. Dieser Mechanismus gibt es bereits in ähnlicher Form bei Photovoltaikanlagen seit der Novelle im Sommer 2012.

„Wir empfehlen, dass die Degression auch weiterhin auf zwölf Monate festgelegt wird, um den Planern und Banken ein Mindestmaß an Sicherheit zu geben“, erklärt Torsten Levsen, Vorstandsvorsitzender der Denker & Wulf AG und Sprecher der Arbeitsgruppe EEG im Think Tank Energiewende Schleswig-Holstein.

Feste Ausbaukorridore für Windanlagen zu niedrig

Für die Windbranche liegt nach dem EEG-Vorschlag des BMWi der feste Ausbaukorridor für Anlagen an Land bei 2.400 bis 2.600 Megawatt(MW) pro Jahr. Für Offshore Windanlagen liegt der geplante Ausbau bis 2020 bei insgesamt 6.500 MW und bei 15.000 MW bis 2030. Als Ergebnis wird vom Think-Tank erwartet, dass die Finanzierungskosten für Projekte steigen werden, da die Vergütung und damit auch die Rentabilität mit Unsicherheiten belastet sind. Windcomm schlägt deshalb die Anhebung der Ausbauziele für Onshore-Anlagen auf 3.000 MW netto, also abzüglich der abgebauten Leistungen, vor. Zusätzlich ist ab 2017 geplant, Erneuerbare-Energien-Projekte auszuschreiben. Dies wurde unter anderem schon in Großbritannien durchgeführt, allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Der Think Tank Energiewende empfiehlt in diesem Zusammenhang, die Ausschreibung von Windparks erst in der Praxis zu überprüfen. Zudem sollten Vorgaben für Ausschreibungen die regionale Wertschöpfung und Partizipation der Bürger berücksichtigen.

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