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03.07.2020, 10:50 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

Ökostrom zieht in Deutschland und Europa im ersten Halbjahr 2020 stark an

Münster - Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien hat im ersten Halbjahr 2020 in Deutschland und in Europa kräftig zugelegt. Der Beitrag der konventionellen Stromerzeugung fällt dagegen deutlich. Der Grund für diesen Rückgang ist neben einem sehr milden Witterungsverlauf in den ersten Monaten des Jahres die Corona-Pandemie.

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 hat die Ökostromerzeugung in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr (1. HJ 2019) um rd. 8 Prozent zugelegt. Während in Deutschland Wind- und Solaranlagen für den Anstieg sorgten, legte in den EU-Staaten (insgesamt + 11 Prozent) neben der Wind- und Solarstromerzeugung auch die Produktion aus Wasserkraftanlagen deutlich zu. Das geht aus einer ersten Auswertung von Daten der europäischen Netzbetreiber (ÜNB) durch das IWR hervor (Datenstand: 03.07.2020).

Deutschland: Wind- und PV-Anlagen produzieren im ersten Halbjahr mehr Strom als im Vorjahreszeitraum
Im ersten Halbjahr 2020 wurden in Deutschland bereits etwa 126 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) Ökostrom produziert und in die Netze eingespeist. Das ist ein Anstieg um 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr (1. HJ 2019: 116,7 Mrd. kWh). Der Zuwachs entfällt vor allem auf die höhere Einspeisung von Windstrom, die mit rd. 73 Mrd. kWh um etwa 12 Prozent gestiegen ist. Darauf folgt die Solarenergie mit 25,1 Mrd. kWh, was gegenüber dem Vorjahr einem Wachstum von 11 Prozent entspricht. Die Stromerzeugung aus Wasserkraft, Bioenergie und Geothermie stagniert dagegen. Bei der konventionellen Stromerzeugung ist ein deutlicher Rückgang um rd. 23 Prozent zu verzeichnen. Während sich beim Atomstrom (30 Mrd. kWh, - 13 Prozent) die Abschaltung des Atomkraftwerks Philippsburg Ende 2019 widerspiegelt, geht die Stromerzeugung aus Braunkohle (rd. 34 Mrd. kWh, -36 Prozent) und Steinkohle (rd. 13 Mrd. kWh, - 46 Prozent) überproportional stark zurück. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 um 22 Prozent auf 24 Mrd. kWh deutlich gestiegen ist in Deutschland die Stromerzeugung aus Gaskraftwerken.

Europa: Mehr Ökostrom aus Windenergie-, Wasserkraft- und Solaranlagen
In den EU-Staaten ist die Ökostromproduktion in den ersten 6 Monaten des Jahres 2020 um 11 Prozent auf fast 550 Mrd. kWh geklettert (1 HJ 2019: 494 Mrd. kWh). Der größte Beitrag zur regenerativen Stromerzeugung entfällt mit 225 Mrd. kWh auf die Windenergie (+11 Prozent, 1. HJ 2019: 202 Mrd. kWh). Darauf folgt die Wasserkraft mit 204 Mrd. kWh (+12 Prozent, 1. HJ 2019: 182 Mrd. kWh). Die Solarstromerzeugung weist ein Plus von 15 Prozent auf 69 Mrd. kWh auf (1. HJ 2019: 60 Mrd. kWh). Die Stromerzeugung aus Bioenergie und Geothermie stagniert im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Bereich der konventionellen Stromerzeugung sinkt die erzeugte und in die Netze eingespeiste Strommenge aus Atom-, Braun- und Steinkohle- sowie Gaskraftwerken um 16 Prozent auf etwa 760 Mrd. kWh. Der Rückgang der Stromerzeugung in den EU-Staaten ist im ersten Quartal 2020 vor allem auf den sehr milden Witterungsverlauf im Winter 2019/2020 zurückzuführen. Die hohen Temperaturen haben die Stromnachfrage sinken lassen, u.a. in Frankreich, wo die Heizungen mit Strom betrieben werden. In Q2 2020 schlägt dann der Rückgang der Stromnachfrage im Zuge der Corona-Pandemie voll durch.

Ausblick 2020: Sinkende konventionelle Stromerzeugung und globale Corona-Krise lassen CO2-Emissionen sinken
Für das Jahr 2020 ist nach IWR-Einschätzung mit einem erheblichen Rückgang der globalen CO2-Emissionen zu rechnen, der den Rückgang in der Finanzkrise im Jahr 2008 / 2009 (- 1,3 Prozent) deutlich übertreffen dürfte. Gründe sind neben den weltweit hohen Temperaturen zu Beginn des Jahres 2020 der Rückgang der Strom- und Treibstoffnachfrage in den Industrieländern in Folge der globalen Ausbreitung der Covid-19 Pandemie.

Über die Daten der europäischen Netzbetreiber (ENTSO-E)
Die IWR-Auswertung basiert auf der Analyse aller von den nationalen Netzbetreibern zur Verfügung gestellten EU-Länderdaten. Für Deutschland liefern die vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Tennet TSO, 50 Hertz Transmission, Amprion und TransnetBW Daten an den Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E). Die Übertragungsnetzbetreiber messen die Netto-Stromeinspeisung in ihren Stromnetzen. Strommengen, die nicht eingespeist werden und für den Betrieb von Kraftwerken benötigt (Eigenverbrauch) oder selbst genutzt (Eigennutzung) werden, sind in der vorliegenden Statistik nicht abgebildet.

Die Daten zur Brutto-Stromerzeugung in der endgültigen Jahresabrechnung und den amtlichen Statistiken in Deutschland (z.B. BMWi) oder in Europa (Eurostat) können daher von den hier vorliegenden zeitnahen Messungen und Hochrechnungen abweichen.

Quelle: IWR Online
© IWR, 2020


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