09.07.2013, 10:06 Uhr

Photovoltaik-Reform in Deutschland greift: Weniger Anlagen im ersten Halbjahr 2013 - Pleitewelle rollt

Berlin - Die im Juni 2012 verabschiedete Reform der Photovoltaik(PV)-Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat die politisch erwünschte Abkühlung der PV-Ausbaurate in diesem Jahr bislang bewirkt. Dies das Bundesumweltministerium (BMU) mit. Nach drei Jahren mit Rekord-Ausbauzahlen von jeweils über 7.000 Megawatt (MW) kehrt der Ausbau demnach in diesem Jahr erstmals wieder auf den vom Gesetzgeber vorgesehenen Pfad von 2.500 bis 3.500 MW zurück. Momentan werden nach BMU-Angaben monatlich PV-Anlagen im Umfang von ca. 300 bis 350 MW neu installiert. Der Zubau für das erste Halbjahr beträgt insgesamt 1.800 MW (1. Halbjahr 2012: rd. 4.370 MW). Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) ist mit dieser Entwicklung sehr zufrieden. "Die Reform wirkt. Der Ausbau der Photovoltaik ist jetzt auf einem nachhaltigen Kurs. Der Erfolg der Reform der PV-Förderung übertrifft die seinerzeit geäußerten Erwartungen bei weitem.", sagte Altmaier. Er fügte hinzu: "Nach zwei Gesetzesnovellen in den Vorjahren, die weitgehend wirkungslos blieben, wurden erstmals die Ziele der Reform vollumfänglich erreicht."

Kosten für Neuanlagen um 85 Prozent gesunken

Im Rahmen einer Reihe von Reformen wurden die Vergütungssätze für PV–Strom in den letzten Jahren laut BMU um zwei Drittel kräftig herabgesetzt (allein 2012 um bis zu 30 Prozent). Zurzeit belaufen sich die Vergütungssätze für Kleinanlagen auf 15,07 Cent je Kilowattstunde (kWh) und für Freiflächenanlagen auf 10,44 Cent/kWh. Im Herbst soll laut dem BMU die Vergütung für Freiflächenanlagen zum ersten Mal unter 10 Cent sinken. Seit 2010 haben sich dabei die Kosten für Neuanlagen um rund 85 Prozent verringert. Während die im Jahr 2010 installierten Anlagen EEG-Differenzkosten von rund 2,2 Mrd. Euro hervorgerufen haben, sollen durch die in diesem Jahr installierten Anlagen lediglich rund 300 Mio. Euro entstehen.

BMU sieht PV nicht länger als Kostentreiber der EEG-Umlage

Die Kostendegression hat nicht nur Ausbaudynamik der PV abgedrosselt, sondern zudem die Struktur des Ausbaus verändert. Zur Folge werden neue Anlagen zunehmend zum Zwecke des Eigenverbrauchs von Strom installiert, was die Differenzkosten für die EEG-Umlage weiter nach unten treibt. Der Neuausbau von PV-Anlagen stellt aus Sicht des BMU damit nicht länger ein Kostentreiber für den Anstieg der EEG-Umlage dar. Nach ihren Schätzungen soll Sonnenstrom die EEG-Umlage in diesem Jahr voraussichtlich nur um weniger als 0,1 Cent belasten. Derzeit verfügt Deutschland über eine installierte PV-Leistung von 34 Gigawatt (GW). Die Förderung für neue Anlagen läuft bei Erreichen von 52 GW aus. Das BMU geht davon aus dass die PV-Technologie ab 2017/2018 ohne EEG-Einspeisevergütungen marktfähig sein wird.

Kehrseite: Pleitewelle in der Solarbranche rollt

Die Reformbemühungen beim Ausbau der Solarenergie in Deutschland und die damit verbundenen Absenkungen der Vergütungssätze für PV–Strom haben allerdings auch erheblich zur Krise in der deutschen PV-Industrie mit zahlreichen Insolvenzen sowie einem drastischen Abbau von Arbeitsplätzen beigetragen. Jüngste Beispiele der Pleitewelle in der deutschen Solarbranche sind Congery und Gehrlicher Solar. Beide Firmen zählen zu den Pionieren der Branche und haben in der vergangenen Woche die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Doch die Pleitewelle rollt schon länger. Solon (November 2011), Q-Cells (April 2012), Centrotherm (Juli 2012) oder Sunways (Mai 2013) sind dabei nur einige der bekanntesten Beispiele.

Arbeitsplätze in der PV-Branche fallen weg

Auch die Statistik belegt, dass der Jobmotor Solarenergie stockt. In 2012 ist im PV-Sektor in Deutschland die Zahl der Arbeitsplätze um rund 20 Prozent auf etwa 80.000 eingebrochen. Berechnet wurden diese Zahlen von verschiedenen Forschungseinrichtungen im Auftrag des BMU. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend im laufenden Jahr 2013 beschleunigt fortsetzen wird. Neben der wachsenden Zahl von Insolvenzen innerhalb des Solarenergie-Sektors bauen auch die meisten noch verbliebenen PV-Unternehmen weiter Arbeitsplätze ab. In der vergangenen Woche hat z.B. der im regenerativen Aktienindex RENIXX World gelistete Wechselrichter-Hersteller SMA mitgeteilt, dass bis Ende 2014 rund 700 Stellen abgebaut werden sollen.

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