04.01.2018, 11:12 Uhr

US-Wetterkapriolen - Alaska wärmer als Florida

Münster - Das Wetter in den USA scheint verrückt zu spielen. In Alaska ist es teils wärmer als im Norden von Florida, wo es schneit. Ein neuer Wintersturm steht auch noch bevor.

Der Osten der USA und der Nordosten Kanadas liegt unter einer Kälteglocke. Derzeit entwickelt sich im Osten der USA ein neuer Sturm, eine "Bombenzyklone" (bomb cyclone). Im Westen und vor allem in Alaska ist es derweil ungewöhnlich warm.

Störung des Polarwirbels sorgt für Rekordkälte im Osten der USA

Eine Störung des stratosphärischen Polarwirbels hat für den heftigen Kälteeinbruch im Osten der USA bzw. Kanada und gleichzeitig für eine Wärmewelle im Westen und Nordwesten (Alaska) gesorgt. Nun droht im US-Osten neues Ungemach. Die Kälte auf dem Festland und die Nähe zum warmen Golfstrom bilden den Mix, aus dem extreme Tiefdruckgebiete (bomb cyclone) mit Sturm und Orkanböen entstehen. Dieser Wintersturm wird bei seinem Zug entlang der US-Ostküste nach Norden immer stärker und sorgt teils für heftigen Schneefall. Auf der westlichen Rückseite des Sturmtiefs wird erneut kalte Luft aus dem Norden angezapft und Richtung Süden transportiert.

Alaska wärmer als Florida

In Jacksonville (Florida) war es in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mit - 1 Grad Celsius kälter als in Anchorage (Alaska) mit + 1 Grad Celsius. Ursache ist auch hier die Schwäche und Verlagerung des Polarwirbels in Richtung Eurasien. Die Folge ist eine Änderung der Jetstream-Formation und Bildung einer Hochdruckzone im Westen der USA (Omega-Wetterlage) über Alaska, die den arktischen Kältevorstoß im Osten auch noch verstärkt. Die Folge: Schnee im Norden von Florida und ungewöhnliche Wärme mit vergleichsweise hohen Temperaturen in Alaska und Nordkanada.

Über den arktischen Polarwirbel und den Klimawandel

Würde sich die Erde nicht drehen, könnte kalte Luft aus dem Norden auf direktem Weg in Richtung Süden fließen. So ist es aber nicht, denn die Erdrotation sorgt dafür, dass sehr starke Höhenwinde rund um den Pol (polare Westwinde) entstehen, die die arktische Kaltluft im Norden quasi an den Polkappen gefangen halten. Mit der zunehmenden Erderwärmung vor allem in den Polregionen schwächen sich die eigentlich starken polaren Westwinde zeitweise ab. Ein einzelner Polarwirbel kann sich dann - wie jetzt im Osten der USA geschehen - leichter aus der Polarzikulation abkoppeln und nach Süden bis in die mittleren Breiten dringen. Auf der anderen Seite strömt als Gegenreaktion sehr warme Luft (Alaska, Nordsibirien) bis weit in die Arktis hinein.

Fazit: Die durch den globalen Klimawandel bedingte Erwärmung der Polkappen führt zeitweise zu extremen Wetterschwankungen. Lösen sich einzelne Polarwirbel aus der arktischen Polarzirkulation und wandern Richtung Süden, dann kommt es paradoxerweise zu den regional begrenzten, aber sehr kalten Witterungsperioden vor allem in den von Menschen bewohnten mittleren Breiten.

Quelle: IWR Online

© IWR, 2018