IWR-Modifizierungsvorschlag zum Stromeinspeisungsgesetz: Nachfrageimpulsmodell 


Das nachfolgende Modell zur Modifizierung des Stromeinspeisungsgesetzes basiert auf dem bereits im Juni 1997 vorgestellten IWR-Modellvorschlag "Verhandelbarer Ökostrom". Die sich zwischenzeitlich ergebenen Änderungen des ordnungspolitischen Handlungsrahmens (Energiewirtschaftsgesetz) machen eine geringfügige Modellanpassung erforderlich. 


1. Grundlage

Derzeit werden eine Reihe von Vorschlägen zur Modifizierungierung des Stromeinspeisungsgesetzes (StrEG) diskutiert. Dabei ist jeweils zu berücksichtigen, daß mit der Verabschiedung des neuen Energiewirtschaftsartikelgesetzes die Weichen auf Wettbewerb gestellt sind und eine EU-kompatible Lösung gefunden werden muß. Gleichwohl ist der Strommarkt von einem typischen Markt, auf dem die einzelnen Endkunden als Nachfrager durch Wahl von Produktangeboten zwischen verschiedenen Anbietern wählen können, noch weit entfernt. Das derzeitige marktstrukturelle Dilemma auf dem Stromsektor besteht im übertragenen Sinne einerseits darin, daß auf einem bestehenden Markt mit ausreichender Kraftwerkskapazität und begrenztem Wachstumspotential die etablierten Netzbetreiber bzw. EVU parallel zur konventionellen Energieerzeugung zur zusätzlichen Abnahme und Vergütung des kontinuierlich ansteigenden Stroms aus dem StrEG verpflichtet sind. Andererseits kann der einzelne Verbraucher de facto keine Nachfragemacht auf die Stromerzeugungsart beispielsweise durch einfache und unbürokratische EVU-Wahl ausüben, da die EVU-Bindung in der Praxis weiterhin besteht und auch eine spezielle Anbieterstruktur für den Ökostrom noch im Entwicklungsstadium ist. 

2. Nachfrageimpulsmodell

a) Grundgedanke

Dieser kundenorientierte Modellansatz sieht im Kern eine Stärkung der Marktkräfte und speziell des Nachfrageimpulses nach regenerativer Energie durch den Verbraucher vor. Das Ziel ist es, über eine stärkere Nachfragemacht und eine höhere EVU-Anbietervielfalt einen kundenorientierten Einfluß auf die Stromerzeugungsart zu erreichen. Die unterschiedlichen Startpositionen der Marktakteure, die bisher fehlende Nachfragemacht der Endverbraucher für grünen" Strom sowie der kontinuierlich steigende Stromanteil aus dem StrEG erfordern allerdings innerhalb einer zu definierenden Zeitschiene die Aufnahme eines begrenzten Basisanteils von Strom aus dem Geltungsbereich des StrEG für alle EVU, jedoch kann dies unter Einbeziehung und Anrechnung der im Rahmen von Umwelttarifen neu errichteten EVU-eigenen Anlagen erfolgen. Die erzeugte Strommenge ist über Handelszertifikate frei handelbar.
 

Voraussetzungen und Auswirkungen des Modells für die Marktteilnehmer im Einzelnen:

1. Kunden (Nachfrager)

Zur Stärkung der Nachfragemacht haben Einzelkunden die Möglichkeit, leicht und unbürokratisch das EVU zu wechseln, wenn diese "grünen Strom" auf der Basis des StrEG von anderen EVU angeboten bekommen. 

2. EVU (Anbieter) 

a) Freiwillige oder gesetzliche Festlegung eines max. Basisanteils von Strom aus dem 
StrEG in Höhe von x-Prozent an der EVU-Stromerzeugung  und Umsetzung bis zum Zeitpunkt y. Die Verteilung dieses Basiskostenanteils erfolgt wie bisher auf alle Stromkunden 

b) EVU können grüne Stromtarife (mind. 50% regenerativer StrEG-Anteil) zu Marktpreisen anbieten und mit diesem Energiedienstleistungsangebot um neue Kunden werben. Die auf der Basis des StrEG von Kunden über den grünen Stromtarif gebuchte Strommenge ist von dem Vertrags-EVU durch Ankauf via Handelszertifikat von anderen EVU, Dritten oder durch zusätzliche Eigenerzeugung aus zusätzlichen Kundenanlagen nachzuweisen und zu veröffentlichen. Der über den grünen Stromtarif gebuchte Stromanteil kann auf den Basisanteil angerechnet werden. 

3. Erzeuger (Anbieter)

Die Erzeuger von Strom im Sinne des StrEG können den erzeugten Strom an ein EVU ihrer Wahl vorrangig und unbürokratisch verkaufen. 

b) Stromhandel / Handelszertifikate

Der Handel von Handelszertifikaten und/oder Strom aus dem Stromeinspeisungsgesetz kann über eine einzurichtende Strombörse erfolgen. (iwr) 
 

IWR-HomeWindenergieEnglishEmail/Kontakt