08.09.2008, 12:01 Uhr

Biodiesel: Verzerrter Wettbewerb erzwingt hohe Importanteile

Berlin - In Deutschland verkaufter Biodiesel ist in diesem Jahr durchschnittlich zu etwa 50 Prozent aus Palm- und Sojaöl produziert worden. Abhängig von den Mischungsverhältnissen kann dabei in den Sommermonaten neben Raps ein Anteil von bis zu 30 Prozent Palmöl oder 80 Prozent Sojaöl erreicht werden, teilte der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) mit. Im Winter befinden sich dagegen aus technischen Gründen so gut wie keine Palmölanteile im Biodiesel. Die deutschen Produzenten sind auf solche preiswerten Importrohstoffe angewiesen, um gegenüber hoch subventionierten Biodieselimporten aus Südamerika und den USA wettbewerbsfähig zu bleiben. Die USA fördern den Export ihres Soja-Palm-Biodiesels – des so genannten B99 – mit knapp 300 US-Dollar pro Tonne. „Die Doppelförderung verzerrt den Wettbewerb und erhöht das Risiko, dass nicht nachhaltig produzierte Rohstoffe eingesetzt werden“, sagt VDB-Geschäftsführer Johannes Lackmann.

Einführung eines Zertifizierungssystems gefordert

Solange Biodiesel von der Mineralölsteuer befreit war, wurde zur Herstellung ausschließlich Rapsöl und regional anfallende Reststoffe verwendet, teilte der VDB mit. Durch die seit Mitte 2006 geltende Teilbesteuerung und steigende Rohstoffkosten sei der Druck auf die Hersteller zur Verwendung der billigsten Rohstoffe enorm gestiegen. Um unter diesen Bedingungen eine nachhaltige Produktion zu sichern, sei die Einführung eines Zertifizierungssystems notwendig, das ursprünglich im Jahr 2008 eingeführt werden sollte. Hier ist die europäische Politik nach VDB-Ansicht im Verzug. „Wer die Branche durch Einführung einer Teilbesteuerung unter Druck setzt, muss gleichzeitig Regeln für fairen Wettbewerb und die Sicherung einer nachhaltigen Produktion auf den Weg bringen“, sagt Lackmann. Das sei bislang nicht der Fall. „Diese politischen Versäumnisse dürfen nicht den Herstellern angelastet werden, die auf die Marktbedingungen reagieren.“

VDB: EU-Quotenziele aus überwiegend einheimischer Produktion schaffbar

Der VDB spreche sich keinesfalls gegen einen internationalen Handel mit Agrarrohstoffen aus. Die Agrarfläche in der EU reiche allerdings aus, um die EU-Quotenziele mit überwiegend heimischen Rohstoffen zu erfüllen. Die Biokraftstoffindustrie in Deutschland habe entsprechend den Vorgaben der Politik zügig Produktionskapazitäten geschaffen: Bereits im Jahr 2007 haben Biokraftstoffe in Deutschland einen Marktanteil von 7,6 Prozent erreicht. „Dass Bundesumweltminister Siegmar Gabriel nun die Zielmenge für 2009 auf 4,8 Prozent absenken will, ruiniert in der Branche das Vertrauen auf die Verlässlichkeit von Politik“, sagt Lackmann.

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