22.04.2013, 18:23 Uhr

Regelleistungs-Bedarf bei hohem Wind- und PV-Stromanteil besser ermitteln

Kassel - Ein Projektkonsortium aus Fraunhofer IWES und dem Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) TenneT TSO GmbH will ein neues Verfahren zur täglichen Dimensionierung des Regelleistungsbedarfs im Stromnetz entwickeln. Dieses neue Verfahrens soll bei einer täglichen Dimensionierung Prognosen u.a. für die Einspeisung der Windenergie und Photovoltaik einbeziehen, wodurch die Dimensionierung sicherer und wirtschaftlicher werden soll. Dies gelte insbesondere bei einem hohen Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung, teilte Fraunhofer IWES mit. Das Forschungsprojekt läuft von März 2013 bis Februar 2015 und wird vom Bundesumweltministerium (BMU) gefördert.

Bislang vierteljährliche statt tägliche Bestimmung von Regelleistung

Die ÜNB sind für den sicheren und zuverlässigen Betrieb des Stromnetzes verantwortlich. Eine wichtige Aufgabe der ÜNB ist dabei die Frequenzhaltung, die dazu dient, Ungleichgewichte zwischen Verbrauch und Erzeugung zu minimieren und dadurch die Sollnetzfrequenz zu halten. Zu diesem Zweck beschaffen die vier deutschen ÜNB Regelleistung in Form von Primärregelleistung, Sekundärregelleistung und Minutenreserve. Diese unterscheiden sich insbesondere hinsichtlich ihrer Aktivierungszeit (30 Sekunden, 5 Minuten bzw. 15 Minuten). Die Frage nach der Menge der vorzuhaltenden Regelleistung ist elementar und wird europaweit durch Vorgaben der ENTSO-E (European Network of Transmission System Operators for Electricity) festgelegt. Die Bestimmung des Bedarfs an Sekundärregelleistung und Minutenreserve in Deutschland erfolgt vierteljährlich durch die ÜNB nach einer Modifikation des sog. Graf-Haubrich-Verfahrens. Die Idee hinter diesem Verfahren ist, dass die verschiedenen Fehler, die zu einem Regelleistungsbedarf führen können, zu einer Gesamtfehlerverteilung verknüpft werden. Aus dieser kann der Regelleistungsbedarf abgelesen werden. Nachteil ist, dass schwankende Anteile von Wind- und Solarstrom, die einen unterschiedlichen Bedarf an Regelleistung mit sich bringen, nicht berücksichtigt werden.

Kosten der Sekundärregelleitung 2011 bei knapp 480 Mio. Euro

"Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien ist die Anpassung der Netzbetriebsführung für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende unerlässlich", betont Kurt Rohrig, Leiter des Bereichs Energiewirtschaft und Netzbetrieb am Fraunhofer IWES in Kassel. Eine tägliche statt der bislang vierteljährlichen Bestimmung des Regelleistungsbedarfs, unter Beachtung der für den nächsten Tag verfügbaren Prognosen, könnte durchschnittlich zu einem deutlich geringeren Regelleistungsbedarf führen. "Die Kosten für die Sekundärregelleistung und Minutenreserve lagen im Jahr 2011 deutschlandweit bei 476 Mio. Euro, sodass wir mit einem großen Einsparpotenzial rechnen", so IWES-Projektleiter Markus Speckmann. Zusätzlich könnten kritische Situationen wie Anfang 2012, als tiefe Temperaturen zu einem erhöhten Bedarf an Regelleistung führten, durch frühzeitiges Erkennen und Beschaffung von mehr Regelleistung vermieden und somit die Netzstabilität verbessert werden.

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