27.05.2013, 16:47 Uhr

Kälte treibt deutschen Energieverbrauch – Strom bleibt Exportschlager

Berlin/Köln – Ein langer Winter sowie ein kühler Frühling haben den Energieverbrauch in Deutschland im ersten Quartal 2013 nach oben getrieben. Nach vorläufigen Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft (AG) Energiebilanzen stieg der Verbrauch in den ersten drei Monaten 2013 um insgesamt 3,4 Prozent auf 3.860 Petajoule (PJ). Im ersten Quartal 2012 lag der Energieverbrauch bei 3.734 PJ. Der schwache konjunkturelle Start ins neue Jahr habe dagegen verbrauchsdämpfend gewirkt. Die Bedeutung von Erdgas und Steinkohle ist im ersten Quartal 2013 besonders kräftig gestiegen. Zudem wird immer mehr Strom exportiert.

Erdgas wird wichtigster Energieträger

Der Erdgasverbrauch ist mit insgesamt fast 9 Prozent auf 1.121 PJ besonders stark angestiegen. Die kalte Witterung sorgte beim Einsatz von Erdgas zur Wärmeerzeugung und in KWK-Prozessen für einen Anstieg des Verbrauchs um mehr als ein Viertel gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit wurde der Energieverbrauch in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres zu 38,3 Prozent alleine mit Erdgas gedeckt und Erdgas hat Mineralöl als wichtigsten Energieträger verdrängt. Der Mineralölverbrauch verminderte sich insgesamt um knapp 1 Prozent auf 1.073 PJ. Dem weiter rückläufigen Verbrauch an Ottokraftstoffen standen laut AG Energiebilanzen ein höherer Absatz an Dieselkraftstoff sowie ein witterungsbedingt höher Heizölverbrauch gegenüber. Der Verbrauch von Steinkohle nahm ebenfalls deutlich auf 495 PJ zu und lag um 10,5 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Infolge derzeit hoher preislicher Wettbewerbsfähigkeit weitete sich der Einsatz in Kraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung um 14,5 Prozent aus. Stahlindustrie sowie Wärmemarkt verzeichneten dagegen eine stagnierende Entwicklung. Der Verbrauch an Braunkohle verminderte sich durch die Stilllegung von Altanlagen in der Stromerzeugung um 2,6 Prozent auf 427 PJ. Infolge höherer Wirkungsgrade der in Betrieb genommenen Neuanlagen blieb die Stromerzeugung aus Braunkohle trotz eines geringeren Brennstoffeinsatzes auf dem Niveau des Vorjahres.

Q1-Stromexport höher als im Rekordjahr 2012

Gestiegen ist der Stromexport. Nachdem bereits im Gesamtjahr 2012 ein Rekord-Export erreicht worden ist, lag die exportierte Strommenge im ersten Quartal 2013 mit 44 PJ (umgerechnet ca. 12 Mrd. Kilowattstunden) um 47 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Nutzung erneuerbarer Energien stieg aufgrund höherer Beiträge der Biomasse um 2 Prozent auf 405 PJ. Dabei ist der Beitrag der Wasserkraft (ohne Pumpspeicher) leicht gestiegen, während die Beiträge der Windenergie und der Photovoltaik witterungsbedingt deutlich unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums blieben.

6.400 MW zusätzliche Steinkohle-Kapazitäten bis 2015

Für die Stromerzeugung ist auch zukünftig mit einem steigenden Anteil von Elektrizität aus Steinkohle zu rechnen, da für die kommenden Jahre eine Reihe neuer Steinkohle-Kraftwerke geplant ist. Bis zum Jahr 2015 werden nach den aktuellen Daten der Bundesnetzagentur (Stand: 27.03.2013) neue Steinkohle-Kraftwerke mit einer Leistung von knapp 8.000 Megawatt (MW) ans Netz gehen, während gleichzeitig nur etwa 1.600 MW abgeschaltet werden. Netto gehen damit in den nächsten zweieinhalb Jahren über 6.400 MW neue Steinkohle-Kraftwerke zusätzlich ans Netz. Zudem sind zusätzliche Gaskraftwerke mit einer Leistung von über 1.700 MW geplant.

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