04.07.2013, 16:36 Uhr

Deutsche Firmen müssen bei CSP-Kraftwerk in Spanien kräftig abschreiben

Münster - Das 2011 eingeweihte solarthermische Kraftwerk Andasol 3 belastet aufgrund gesetzgeberischer Änderungen in Spanien deutsche Investoren. Nun wurde bekannt, dass deutsche Unternehmen aufgrund dieser Gesetzesänderungen Abschreibungen in Millionenhöhe verbuchen mussten. Betroffen sind neben den Stadtwerken München, die als Hauptgesellschafter 48,9 Prozent der Anteile halten, noch die deutschen Energieunternehmen RWE Innogy (Beteiligung: 12,8 Prozent) und RheinEnergie (12,3 Prozent). Der Projekt-Entwickler Solar Millennium, der mit 13 Prozent am Projekt beteiligt gewesen war, hatte seine Anteile im laufenden Insolvenzverfahren in 2012 an die Andasol 3-Fonds GmbH & Co. KG veräußert. Die restlichen 13 Prozent sind im Besitz der in Essen ansässigen Ferrostaal GmbH. Die Stadtwerke München betonen jedoch, dass trotz der Verschlechterung der Rahmenbedingungen in Spanien ein wirtschaftlicher Betrieb des Kraftwerks weiterhin möglich ist.

Keine Einspeisevergütung mehr für Gas-Zufeuerung

Die Stadtwerke in München erklärten, dass Spanien zu Beginn des Jahres 2013 Gesetzesänderungen vorgenommen hat, die in Zukunft bei den Betreibern zu massiven und dauerhaften Einbußen führen wird. Diese gesetzgeberischen Eingriffe sollen besonders die Wirtschaftlichkeit solarthermischer Kraftwerke (engl.: Concentrated Solar Power, CSP) beeinflussen. So wurde die Einspeisevergütung reduziert, eine Entlastungsregelung hinsichtlich der Zufeuerung wurde abgeschafft und zudem wird künftig die Umsatzsteuer erhoben. Die Zufeuerung von Gas unterliegt demnach nicht mehr dem Einspeisetarif und ist damit nach Angaben der Stadtwerke nicht mehr wirtschaftlich. Daher werde der zum Warmhalten des Kraftwerks nötige Gaseinsatz soweit wie möglich reduziert. In der Folge sinkt die jährliche Strom-Produktion gegenüber der ursprünglichen Planung.

Millionen-Abschreibungen für deutsche Unternehmen

Für die Stadtwerke musste daher eine Abschreibung auf das Projekt in Höhe von 64 Mio. Euro vorgenommen werden. Auch die übrigen Anteilseigner haben einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge Abschreibungen in Millionenhöhe zu verbuchen. Der Energieversorger Rheinenergie hat demnach etwa ein Drittel seiner Investitionssumme, insgesamt 17 Mio. Euro, aus seinen Büchern gestrichen. Ebenso bestätigten RWE und Ferrostahl hohe Abschreibungen. Zusammen prüfen die Investoren jetzt rechtliche Schritte gegen Spanien unter einem völkerrechtlichen Investitionsschutzabkommen für Energieinfrastrukturinvestitionen (Energie Charta). Ein Verfahren würde sich aber voraussichtlich über mehrere Jahre erstrecken.

Wirtschaftlicher Betrieb ist möglich

Trotz der Abschreibungen stellten die Stadtwerke München jedoch klar, dass - entgegen der Befürchtung der CSU-Stadtradfraktion - keine Gefahr besteht, dass die Münchener Stadtwerke-Kunden für die Verluste aufkommen müssen. Andasol 3 soll zwar nicht die ursprünglich angenommene Rentabilität erreichen, aber kann dennoch wirtschaftlich betrieben werden. Da durch den Einsatz von Sonnenenergie keine variablen Kosten für Energieträger entstehen, kann den Stadtwerken zufolge ein Mehrfaches der laufenden Kosten erwirtschaftet werden. Das Parabolrinnen-Kraftwerk hat insgesamt eine Leistung von 50 MW und kann bis zu 200.000 Menschen mit Strom versorgen. Die gesamte Investitionssumme belief sich auf 315 Mio. Euro.


© IWR, 2013