09.08.2019, 12:39 Uhr

IPCC-Sonderbericht belegt dramatische Risiken des Klimawandels

Berlin, Münster - Der Weltklimarat (IPCC) hat einen Sonderbericht zu Klimawandel und Landsystemen (SRCCL) vorgestellt. Der Bericht offenbart substanzielle Risiken für die Lebensgrundlagen auf der Erde. Politiker und Umweltverbände fordern ein schnelles Handeln.

Der IPCC-Sonderbericht über Klimawandel und die Auswirkungen auf Umwelt und Menschen fasst den wissenschaftlichen Kenntnisstand über Klimawandel, Landdegradierung, nachhaltiges Landmanagement, Ernährungssicherheit und Treibhausgasflüsse in terrestrischen Ökosystemen zusammen und belegt einmal mehr die Notwendigkeit für wirksamen Klimaschutz. Politiker und Verbändevertreten werden die Ergebnisse als Weckruf und betonen die Notwendigkeit für ein schnelles Gegenlenken.

Land- und Forstwirtschaft zugleich Verursacher und Opfer des Klimawandels

Der mehrere hundert Seiten lange Bericht des Weltklimaberichtet zum Thema Klimawandel und Landsysteme zeigt, dass fast ein Viertel der aktuellen anthropogen bedingten Treibhausgasemissionen auf die Landnutzung, darunter Forst- und Landwirtschaft, zurückgehen. Gleichzeitig wirkt die Landbiosphäre als natürliche Treibhausgassenke, weil knapp 30 Prozent der anthropogenen CO2-Emissionen von Vegetation und Böden gebunden werden. Mit zunehmender globaler Erwärmung sind negative Auswirkungen auf Ernteerträge, Nahrungsmittelversorgung, Nahrungsmittelpreise und Wasserverfügbarkeit zu erwarten. Gravierende Risiken könnten durch Vegetationsverlust und Artensterben, zunehmende Waldbrände, Boden- und Küstenerosion sowie das verstärkte Auftauen von Permafrostböden entstehen. Als wirksame Maßnahmen, die gleichzeitig dem Klimawandel und der Landdegradierung entgegenwirken, nennt der Bericht nachhaltiges Land- und Forstmanagement sowie Maßnahmen im Ernährungssystem, zum Beispiel die Verringerung von Nahrungsmittelverschwendung und weniger ressourcenintensive Ernährungsweisen. Schnelles Handeln verringere dabei das Risiko irreversibler Folgen für Ernährungssicherheit und für terrestrische Ökosysteme.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze wertet den Bericht des Weltklimarats als Beleg dafür, dass der Klimaschutz eine Existenzfrage darstellt. „Die Land- und Forstwirtschaft ist ein Opfer dieser Entwicklung, aber sie ist auch ein wichtiger Verursacher und damit ein Teil der Lösung beim Klimaschutz“, so Schulze. Die anstehende Reform der EU-Agrarförderung sei eine gute Gelegenheit, in Europa die richtigen Anreize für mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft zu setzen, so Schulze weiter.

Bündnis 90 / Die Grünen: Zeit der Lippenbekenntnisse ist zu Ende

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90 / die Grünen, Oliver Krischer, sieht den IPCC-Bericht als Weckruf. „Wir stehen vor riesigen klimapolitischen Herausforderungen. Umso frappierender ist es, dass die Art und Weise, wie wir unser Land nutzen, die Klimakrise noch verschärft. Die Land- und Waldwirtschaft sägt an dem Ast, auf dem sie selber sitzt“, so Krischer. Dabei gebe es Möglichkeiten, Land- und Waldwirtschaft klimafreundlich zu gestalten. Von der Bundesregierung fordert er endlich konkreten Maßnahmen zur Umsetzung des Klimaschutzes in Deutschland. „Lippenbekenntnisse alleine reichen nicht aus, so Krischer.

An die Adresse der Bundesregierung gerichtet fordert die Sprecherin der Grünen für Klimapolitik, Lisa Badum, die kurzfristige Umsetzung eines verbindlichen Klimaschutz-Maßnahmenpaketes. Das Klimakabinett müsse spätestens am 20. September ein solches umfassendes Paket auf den Tisch legen, um sich auf dem Klimasondergipfel in New York eine Woche später nicht zu blamieren. Neben einer anderen Agrarpolitik brauche es den raschen Kohleausstieg, eine Verkehrswende und ein Klimaschutzgesetz, das Ziele für die einzelnen Sektoren klar definierte, so Badum.

Greenpeace sieht Regierungen beim Management von Ökosystemen in der Pflicht

Auch Greenpeace Waldexperte Christoph Thies sieht den Sonderbericht des Weltklimarates als dringenden Aufruf zur Agrarwende, und fordert von der Bundesregierung Anreize für landwirtschaftliche Betriebe, um weniger Tiere auf artgerechte Weise zu halten und den umgehenden Importstopp für Tierfutter, für dessen Anbau wertvolle Ökosysteme zerstört werden. Weltweit sei es jetzt die vorrangige Aufgabe der Regierungen, Wälder und andere Ökosysteme, die CO2 binden, zu schützen und sie wieder wachsen lassen, so Thies weiter.

Quelle: IWR Online

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