17.04.2026, 12:50 Uhr

Elektromobilität in Deutschland wächst: Spritpreise und Ausbau der Ladeinfrastruktur prägen Marktumfeld


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Berlin - Die Elektromobilität in Deutschland bleibt nach dem starken Jahr 2025 auch im ersten Quartal 2026 auf Wachstumskurs. Neben strukturellen Treibern sorgen aktuell gestiegene Spritpreise infolge geopolitischer Spannungen zusätzlich für eine höhere Attraktivität von Elektroautos. Auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur gewinnt weiter an Dynamik. Das geht aus dem jüngsten BDEW-Elektromobilitätsmonitor hervor.

Das öffentliche Ladenetz in Deutschland umfasst inzwischen mehr als 200.000 Ladepunkte mit einer installierten Leistung von über neun Gigawatt. Damit bleibt der Ausbau der Ladeinfrastruktur dem Hochlauf der Fahrzeugflotte voraus. Während die Auslastung bislang vergleichsweise niedrig bleibt, ist die Zufriedenheit der Nutzer hoch. Mit Blick auf den weiteren Hochlauf der Elektromobilität beraten Politik und Branche über zusätzliche Impulse.

E-Mobilität in Deutschland: Markt bleibt auf Wachstumskurs

Der Markt für Elektromobilität in Deutschland ist nach dem bereits starken Jahr 2025 auch im ersten Quartal 2026 weiter gewachsen. Neben regulatorischen Vorgaben und sinkenden Preisunterschieden zwischen Elektro- und Verbrennerfahrzeugen tragen auch externe Faktoren zur Marktentwicklung bei. Dazu zählen steigende Kraftstoffpreise infolge geopolitischer Spannungen.

„2025 war ein starkes Jahr für die Elektromobilität in Deutschland: Der Rekord bei den E-Pkw-Neuzulassungen, der im ersten Quartal 2026 noch einmal übertroffen wurde, und der Ausbau der Ladeleistung auf mehr als neun Gigawatt (GW) und 200.000 Ladepunkte setzen neue Meilensteine“, kommentiert Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, die aktuelle Entwicklung. Elektromobilität mache unabhängiger von fossilen Brennstoffen und schütze zugleich vor Preisschwankungen an den Tankstellen.

Wesentliche Treiber der Marktentwicklung bleiben regulatorische Rahmenbedingungen auf EU-Ebene. Insbesondere die verschärften CO2-Flottengrenzwerte für Pkw haben laut BDEW in den vergangenen Jahren wiederholt mit deutlichen Nachfrageimpulsen für batterieelektrische Fahrzeuge korreliert. Auch die fortschreitende Annäherung der Preise zwischen Elektro- und Verbrennerfahrzeugen unterstützt die Nachfrage, wenngleich insbesondere im Klein- und Kompaktwagensegment weiterhin ein Preisaufschlag von durchschnittlich rund 16 Prozent besteht.

Ladeinfrastruktur in Deutschland: Ausbau übertrifft Bedarf, Kritik an Kosten und Transparenz

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur gehört zu den zentralen Entwicklungen im Elektromobilitätsmarkt. Laut BDEW wurde das öffentliche Ladeangebot 2025 auf mehr als 200.000 Ladepunkte erweitert, die installierte Ladeleistung liegt inzwischen bei über neun Gigawatt. Damit entwickelt sich die Ladeinfrastruktur vor dem Hochlauf der Fahrzeugflotte.

Der Ausbau erfolgt dabei zunehmend entlang zentraler Verkehrsachsen sowie in urbanen Räumen und Tourismusregionen. In vielen Fällen entstehen verschiedene Ladeformen nebeneinander, darunter AC-, DC- und HPC-Ladepunkte. Ziel ist eine flächendeckende Verfügbarkeit im Alltag sowie auf längeren Strecken.

Bemerkenswert ist die hohe räumliche Abdeckung: In 58 Prozent der Gemeinden mit mindestens einem öffentlichen Ladepunkt leben rund 95 Prozent der Bevölkerung. Zum Vergleich: Nur 42 Prozent der Gemeinden verfügen über eine Tankstelle. Gleichzeitig bleibt die durchschnittliche Auslastung der Ladepunkte mit etwa zwölf Prozent niedrig, was auf eine deutlich vorauseilende Infrastrukturentwicklung hinweist.

Auch regulatorisch positioniert sich Deutschland damit über den europäischen Mindestanforderungen der AFIR-Vorgaben. Der Ausbau der Ladeleistung wird als strukturelle Voraussetzung für den weiteren Hochlauf der Elektromobilität gesehen.

Kritik an den bestehenden Strukturen kommt hingegen vom Bundesverband Neue Mobilität (BNM). Der Verband sieht im öffentlichen Laden weiterhin Herausforderungen bei Transparenz und Kosten. Nach Einschätzung des BNM sind die aktuellen Systeme für Nutzer „zu intransparent und zu teuer“. Der Verband fordert daher eine stärkere Standardisierung sowie technische Vereinfachungen, um Ladeprozesse nachvollziehbarer zu machen und Kosten zu senken.

Nutzerzufriedenheit hoch: Laden wird zunehmend als alltagstauglich bewertet

Neben dem Infrastrukturausbau liefert der Elektromobilitätsmonitor auch Einblicke in die Nutzerperspektive. Demnach ist die große Mehrheit der Fahrer von E-Autos mit dem öffentlichen Laden zufrieden: Insgesamt sehen 86 Prozent die Erwartungen an das öffentliche Laden erfüllt, 58 Prozent sogar übererfüllt. „Early Adopter“ sind dabei deutlich zufriedener als „Pioniere“. Die Gesamtzufriedenheit derer, die zuhause laden können, liegt nur geringfügig über der der E-Mobilisten, die nur öffentlich laden.

Über die Hälfte der E-Mobilisten nutzen Apps, um öffentliche Ladepreise zu vergleichen. Dienstwagenfahrende nutzen diese im Vergleich zur Gesamtgruppe allerdings deutlich seltener. 84 Prozent der Fahrer von E-Autos, die nur öffentlich laden, haben laut BDEW noch nie oder nur sehr selten mehr als 80ct/kWh gezahlt.

Quelle: IWR Online

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