22.06.2026, 12:51 Uhr

Niederlande vollziehen Kurswechsel bei Offshore-Wind-Ausschreibungen – Modalitäten für 2 GW IJmuiden Ver Gamma-A und Gamma-B festgelegt


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Amsterdam – Die Niederlande setzen den Ausbau der Offshore-Windenergie fort und reagieren auf die zuletzt erfolglosen Ausschreibungsrunden ohne Gebote. Für die beiden 1-GW-Offshore-Windparks IJmuiden Ver Gamma-A und Gamma-B stehen die neuen Vergabemodalitäten jetzt fest. Mit einem dualen Ausschreibungsdesign kombiniert die Regierung erstmals eine förderfreie, marktbasierte Auktion mit einer staatlich abgesicherten CfD-Auktion, um Investitionen wieder planbarer zu machen.

Die Niederlande haben ambitionierte Ausbauziele für die Offshore-Windenergie bis 2032. Mit dem neuen Ausschreibungsdesign passt die Regierung die Vergabestruktur an, um die Umsetzung der Ausbaupläne zu beschleunigen. Die beiden Projekte IJmuiden Ver Gamma-A und Gamma-B sind Teil der Offshore-Windzone IJmuiden Ver, die insgesamt rund 6 GW Offshore-Windleistung umfassen soll.

Neues Vergabemodell kombiniert zwei Auktionsverfahren

Die Ausschreibungen für IJmuiden Ver Gamma-A und Gamma-B sehen zwei unterschiedliche Auktionsverfahren vor. Projektentwickler können Angebote für eine förderfreie, marktbasierte Auktion sowie für eine staatlich abgesicherte CfD-Auktion (Contract for Difference) abgeben. Die Markt-Auktion hat dabei Vorrang, da die niederländische Regierung zunächst eine Realisierung ohne staatliche Förderung ermöglichen will.

Bei der Markt-Auktion erhält der Bieter mit dem höchsten Einmalgebot den Zuschlag. Im CfD-Verfahren geben die Bewerber einen eigenen Strike Price an, der maximal bei 11,6 Cent/kWh liegen darf. Den Zuschlag erhält in diesem Verfahren der Bewerber mit dem niedrigsten Strike Price.

Beim zweiseitigen CfD-Modell gleicht der Staat die Differenz aus, wenn der Marktpreis unter dem vereinbarten Strike Price liegt. Liegt der Marktpreis darüber, muss der Betreiber die Differenz zurückzahlen. Eine Untergrenze von 3,7 Cent/kWh begrenzt das staatliche Risiko nach unten, während eine Obergrenze von 13,4 Cent/kWh die maximale Differenzrückzahlung zum Strike Price für den Projektentwickler begrenzt. Die CfD-Laufzeit beträgt 15 Jahre. Als Sicherheitsleistung müssen die Projektentwickler eine Bankgarantie über 100 Millionen Euro hinterlegen.

Lieferketten und Nachhaltigkeit werden Teil der Ausschreibung

Die Ausschreibungsbedingungen enthalten umfangreiche Vorgaben für Lieferketten, Cybersicherheit und Kreislaufwirtschaft. Mindestens 75 Prozent der Windturbinen dürfen nicht aus China stammen. Schlüsselkomponenten wie Antriebssysteme und Generatoren sind grundsätzlich von chinesischer Herkunft ausgeschlossen.

Darüber hinaus dürfen nicht mehr als 85 Prozent der Permanentmagnete aller Turbinen aus einem einzigen Drittland stammen. Die operative Kontrolle über die Anlage muss während der gesamten Betriebsdauer bei einem Unternehmen mit Sitz im Europäischen Wirtschaftsraum verbleiben. Zudem müssen vollständige digitale Stücklisten aller Hardware-, Software- und Firmware-Komponenten vorgelegt werden.

Im Bereich Kreislaufwirtschaft schreibt die Ausschreibung vor, dass mindestens 70 Prozent des Gewichts der Rotorblätter recycelbar sein müssen.

Offshore-Windzone IJmuiden Ver als zentrale Ausbaufläche in der Nordsee

Die Offshore-Windzone IJmuiden Ver in der Nordsee umfasst vier geplante Standorte: Alpha, Beta, Gamma-A und Gamma-B. Zusammen soll die Zone rund 6 GW Offshore-Windleistung erreichen. Die Vergabe der Flächen Alpha und Beta wurde bereits abgeschlossen.

Mit Gamma-A und Gamma-B führt die niederländische Regierung die Vergabe der strategisch wichtigen Offshore-Windzone weiter. Die finalen Ausschreibungsmodalitäten für die zwei 1-GW-Flächen wurden im Juni 2026 festgelegt. Die Ausschreibungen für beide Projekte starten am 26. November 2026 und enden am 10. Dezember 2026. Die Genehmigungsentscheidungen werden für das erste Quartal 2027 erwartet, die Inbetriebnahme der Windparks ist für 2032 vorgesehen.

Über den Offshore-Windmarkt in den Niederlanden und die niederländische Roadmap

Die Niederlande gehören zu den führenden Offshore-Windmärkten weltweit und liegen bei der installierten Offshore-Windleistung hinter China, dem Vereinigten Königreich und Deutschland auf Rang vier. Der Ausbau der Windenergie auf See soll dazu beitragen, die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten zu reduzieren und die Klimaziele des Landes zu erreichen.

Die niederländische Regierung verfolgt mit der Offshore Wind Energy Roadmap (Routekaart Windenergie op Zee) einen langfristig angelegten Ausbaupfad. Das ursprüngliche Ziel von 21 GW Offshore-Windkraftleistung bis 2030 wurde auf 2032 verschoben. Im aktualisierten Ausbauplan ist bis 2032 eine Offshore-Windleistung von rund 23 GW vorgesehen. Bis 2040 sollen 30 bis 40 GW erreicht werden, langfristig strebt die Regierung bis 2050 rund 70 GW Offshore-Windleistung an.

Die aktuell installierte Offshore-Windleistung in den Niederlanden liegt nach Angaben des Global Wind Energy Council (GWEC) Ende 2025 bei rund 4,8 GW. Die Umsetzung der ambitionierten Ausbauziele hängt maßgeblich davon ab, ob Projekte unter den veränderten Rahmenbedingungen wirtschaftlich realisiert werden können. Das neue Ausschreibungsdesign mit einer Kombination aus Markt-Auktion und CfD-Auktion soll dafür wieder mehr Investitionssicherheit schaffen.

Quelle: IWR Online

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