07.09.2026, 12:13 Uhr

Offshore-Windpark Oranje Wind startet Bauphase - RWE und Total Energies verbinden 795-MW-Windpark mit Speichern und Wasserstoff


© RWE AG

Essen/Utrecht - Der Offshore-Windpark Oranje Wind von RWE und Total Energies ist in die Bauphase auf See gestartet. Das erste von insgesamt 53 Monopile-Fundamenten wurde in der niederländischen Nordsee installiert. Der Windpark mit einer Leistung von 795 MW soll Anfang 2028 vollständig in Betrieb gehen.

Oranje Wind ist als großes Hybridprojekt angelegt. RWE und Total Energies halten jeweils 50 Prozent an dem Joint Venture, wobei RWE die Federführung bei Entwicklung, Bau und späterem Betrieb übernimmt. Bei der Systemintegration bringen beide Partner eigene Speicher-, Wasserstoff- und Flexibilitätsprojekte ein, mit denen die Offshore-Windstromerzeugung stärker mit Speicherung und flexiblem Stromverbrauch verbunden werden soll.

Oranje Wind: 53 Offshore-Windturbinen mit jeweils 15 MW Leistung

Oranje Wind entsteht rund 53 Kilometer vor der niederländischen Küste. Für den Windpark sind 53 Windenergieanlagen des Vestas-Flaggschiffs V236 mit jeweils 15 MW Leistung vorgesehen, die installierte Gesamtleistung beträgt 795 MW. Die Installation der 53 Monopiles soll bis Anfang 2027 abgeschlossen werden, die Kabelverlegung ist ab Ende 2026 vorgesehen. Geplant ist, dass die Windkraftanlagen im Laufe des Jahres 2027 installiert werden und Anfang 2028 soll Oranje Wind dann vollständig in Betrieb sein.

Die Fundamente liefert der niederländische Hersteller Sif. Transport und Installation übernimmt Jan De Nul mit dem Spezialschiff „Les Alizés“. Anders als bei Offshore-Fundamenten mit separatem Transition Piece werden die Windenergieanlagen bei Oranje Wind direkt am oberen Flansch der Monopiles befestigt. Nach Angaben von RWE reduziert dieses Design die benötigte Stahlmenge.

Zum Schutz der Meeresfauna vor dem beim Einrammen der Fundamente entstehenden Unterwasserschall kommt ein Blasenschleier zum Einsatz. Dabei wird mit Druckluft eine Blasenwand um die Baustelle erzeugt, die Schall absorbiert und reflektiert. Außerhalb des Blasenschleiers wird die Schallbelastung gemessen.

Systemintegration: RWE und Total Energies bringen eigene Speicher-, Wasserstoff- und Flexibilitätsprojekte ein

Die Verbindung von Offshore-Windenergie mit Speichern und flexiblen Verbrauchern war bereits Bestandteil der Ausschreibung für Hollandse Kust West VII. Die niederländische Regierungsagentur RVO bewertete bei der Vergabe neben der technischen, wirtschaftlichen und finanziellen Realisierbarkeit ausdrücklich auch den Beitrag zur Integration des Windparks in das niederländische Energiesystem. RWE setzte sich 2022 in der Ausschreibung für den Standort durch.

Für das Kriterium Systemintegration konnten die Bewerber die Hälfte der insgesamt erreichbaren Punkte erhalten. Bewertet wurden sowohl Investitionen zur Integration des neuen Windparks als auch Innovationen, die künftig die Einbindung weiterer Offshore-Windparks in das niederländische Energiesystem unterstützen können.

RWE setzt im Rahmen des Oranje Wind-Konzepts unter anderem auf Batteriespeicher. Am Kraftwerksstandort Eemshaven betreibt das Unternehmen seit Anfang 2025 einen Batteriespeicher mit 35 MW Leistung und 41 MWh Speicherkapazität. Er soll unter anderem Stromangebot und -nachfrage im niederländischen Netz ausgleichen und gehört nach Angaben von RWE zu den Systemintegrationslösungen für OranjeWind.

Ein weiterer Batteriespeicher mit 7,5 MW Leistung und 11 MWh Kapazität hat im Juni 2025 am RWE-Standort Moerdijk den kommerziellen Betrieb aufgenommen. Die Anlage verfügt über netzbildende Wechselrichter und kann innerhalb von Millisekunden Strom aufnehmen oder abgeben. Damit soll sie zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen.

Zur Systemintegration gehören darüber hinaus flexible Stromverbraucher. RWE sieht dafür unter anderem E-Boiler sowie intelligente Ladelösungen für Elektrofahrzeuge vor. Diese sollen dazu beitragen, den Stromverbrauch zeitlich stärker an die Erzeugung aus erneuerbaren Energien anzupassen.

Wasserstoff: RWE und Total Energies verfolgen unterschiedliche Projekte

Auch bei der Wasserstoffproduktion bringen die beiden Oranje Wind-Partner eigene Projekte ein. RWE entwickelt am Standort Eemshaven einen Elektrolyseur mit 100 MW Leistung. Für das Projekt liegen nach Unternehmensangaben bereits die Bau- und Umweltgenehmigungen vor. Eine endgültige Investitionsentscheidung über den Bau steht allerdings noch aus.

Total Energies will dagegen seinen Anteil an der erneuerbaren Stromproduktion von Oranje Wind für eigene Elektrolyseprojekte mit insgesamt 350 MW Leistung einsetzen. Diese sollen nach Angaben des Unternehmens jährlich rund 40.000 Tonnen grünen Wasserstoff erzeugen, der zur Dekarbonisierung der Total Energies-Raffinerien in Nordeuropa eingesetzt werden soll.

Dazu gehört ein gemeinsam mit Air Liquide geplantes 250-MW-Elektrolyseprojekt an der Zeeland-Raffinerie in den Niederlanden. Die Anlage soll mit Strom aus Oranje ind versorgt werden und bis zu 30.000 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr produzieren.

Oranje Wind soll rund eine Million Haushalte rechnerisch mit Strom versorgen

Nach vollständiger Inbetriebnahme soll Oranje Wind genug Strom erzeugen, um rechnerisch den Jahresbedarf von rund einer Million niederländischen Haushalten zu decken.

Mit dem Start der Offshore-Bauphase geht damit ein Projekt in die Umsetzung, bei dem die Integration der Windstromerzeugung in das Energiesystem bereits bei der Vergabe 2022 eine zentrale Rolle spielte. Während RWE beim Bau und späteren Betrieb des gemeinsamen Offshore-Windparks federführend ist, bringen beide Partner eigene Projekte zur Systemintegration ein. Oranje Wind verbindet damit den Ausbau der Offshore-Windenergie mit Speichern, Wasserstoffproduktion und flexibler Stromnachfrage.

Quelle: IWR Online

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