19.02.2014, 16:03 Uhr

Brunsbüttel: 18 Fässer mit Atommüll rosten vor sich hin

Brunsbüttel, Berlin – 2012 wurde im AKW Brunsbüttel ein stark korrodiertes Fass mit atomarem Müll entdeckt. Mittlerweile ist klar: Dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall.

Die angegriffenen Behälter stellen ein Sicherheitsrisiko dar und müssen alsbald geborgen und umgefüllt werden. Vattenfall hat nun ein spezielles Verfahren für eine sichere Bergung vorgestellt.

Keine Gefahr trotz rostiger Behälter?

In Brunsbüttel zeigen 18 von untersuchten 70 Fässern Anzeichen von Korrosion. Über das Ausmaß existieren unterschiedliche Angaben. Die Atomaufsichtsbehörde des Landes spricht in einer Erklärung am Donnerstag von teils starken Korrosionserscheinungen, Kraftwerksbetreiber Vattenfall wiegelt dagegen ab. Das Ergebnis der Inspektion entspreche allgemein den Erwartungen.

Beide Parteien sind sich allerdings einig, dass die betroffenen Fässer so geborgen werden müssen, dass keine Gefahr für Mensch und Umwelt entstehen kann. Dafür werden besondere Maßnahmen notwendig sein. Bislang bestehe noch keine Gefährdung. Die Kavernen, in denen die Behälter lagern, befänden sich in einem tadellosen Zustand. Außerdem zeigten Messungen keine Auffälligkeiten.

„Einstieg in Atomenergie war ein Irrweg“

Die Atomaufsichtsbehörde und Vattenfall haben sich darauf verständigt, eine spezielle Bergungseinrichtung zu entwickeln, mit der die Fässer gehoben und transportiert werden können, ohne dass radioaktive Stoffe freigesetzt werden. „Die Betreibergesellschaft muss Planung und Herstellung der Bergungseinrichtung nun zügig vorantreiben. Bei der Bergung hat der Strahlenschutz für die Mitarbeiter oberste Priorität“, sagte der für die Atomaufsicht zuständige Energiewende- und Umweltminister Robert Habeck, und erklärte weiterhin: „Die Lagerung in den Kavernen war nur für wenige Jahre gedacht. Aber noch heute haben wir kein Endlager vollständig genehmigt und im Betrieb. Das alles zeigt: Die Probleme im Umgang mit Atomkraft und ihren Folgen wurden regelmäßig unterschätzt. Der Einstieg in die Atomenergie war ein Irrweg, der nie hätte eingeschlagen werden dürfen.“

Weitere Kavernen sollen inspiziert werden

Vattenfall geht von säuregetragener Korrosion aus, die sich vom Fassinneren heraus entwickelt, die genaue Ursache ist aber noch nicht abschließend geklärt. Um die betroffenen Fässer sicher zu heben, hat Vattenfall in der vergangenen Woche den Prototypen einer Bergungseinrichtung vorgestellt. Die Fässer werden ab 2015 mittels eines Seilzugs in Spezial-Säcke und dann in neue Behälter gehoben. Anschließend werden sie auf dem Kraftwerksgelände zwischengelagert, bis das Endlager für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle, Schacht Konrad, zur Verfügung steht.

Die untersuchten Fässer mit schwach radioaktiven Abfällen lagern teilweise schon seit mehr als 30 Jahren in den Kavernen des Kraftwerkes. Die Kamerainspektion der Behälter hatte im Januar begonnen. Bis Oktober sollen drei weitere Kavernen inspiziert werden. Bei den letzten beiden Kavernen sind allerdings weitere Vorarbeiten notwendig, um die Strahlenbelastung des Personals zu minimieren. Diese Vorarbeiten können erst ausgeführt werden, wenn sämtliche Arbeiten an den ersten vier Kavernen abgeschlossen sind.

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