25.05.2021, 16:47 Uhr

Daimler setzt auf grünen Stahl in der Autoproduktion


© Daimler AG

Stuttgart – Der Autokonzern Daimler plant, die Dekarbonisierung nicht nur auf die Nutzung, sondern auch auf die Herstellung der Autos auszudehnen. Ab 2025 ist der Einsatz von CO2-freiem Stahl in der Mercedes-Benz Autoproduktion vorgesehen.

Mit einer Beteiligung an dem schwedischen Startup H2 Green Steel (H2GS) will die Marke Mercedes-Benz einen weiteren Schritt in Richtung CO2-Neutralität gehen. Am Ende steht das Ziel einer nachhaltigen und CO2-neutralen Lieferkette.

Strategie: Mercedes-Benz setzt auf Vermeidung und Reduktion von CO2-Emissionen

Als erster Pkw-Hersteller beteiligt sich Mercedes-Benz am schwedischen Startup H2 Green Steel (H2GS) für den Einsatz von CO2-freiem Stahl in Serienfahrzeugen. Der Automobilkonzern strebt bis 2039 eine vollständig vernetzte und CO2-neutrale Fahrzeugflotte im Jahr 2039 an – elf Jahre früher, als es die EU-Gesetzgebung vorschreibt.

„Mit der Beteiligung an H2 Green Steel setzt Mercedes-Benz einen wichtigen Impuls, um den Wandel in der Stahlbranche zu beschleunigen und die Verfügbarkeit von CO2-freiem Stahl zu erhöhen. Im ersten Schritt investieren wir einen einstelligen Millionenbetrag. Als bevorzugter Partner des Startups bringen wir somit bereits ab 2025 grünen Stahl in verschiedenen Fahrzeugmodellen auf den Markt“, sagt Markus Schäfer, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und Mercedes-Benz AG.

Grüner Stahl: erneuerbare Energien und grüner Wasserstoff

Eine Limousine von Mercedes-Benz besteht beispielsweise im Durchschnitt zu 50% aus Stahl. Damit macht der Werkstoff laut Daimler etwa 30 % der CO2-Emissionen in der Herstellung aus. Der Grund: Bei der klassischen Hochofenroute entstehen bei der Herstellung von einer Tonne Stahl im Schnitt mehr als zwei Tonnen CO2. Mit der neuen Partnerschaft will Daimler das ändern.

Bei dem neuen Verfahren wird Wasserstoff und Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien anstelle von Kokskohle in der Stahlproduktion eingesetzt. Der Wasserstoff dient als Reduktionsgas, das den Sauerstoff aus dem Eisenerz herauslöst und bindet. Dabei entsteht anders als bei der Nutzung von Kokskohle kein CO2, sondern Wasser. Für die Herstellung des grünen Wasserstoffs plant das schwedische Unternehmen eine Elektrolyseur-Anlage mit 800 MW Leistung.

Ziel von Mercedes-Benz: CO2-neutrale Lieferkette

Die Mercedes-Benz AG verfolgt das Ziel einer CO2-neutralen Pkw Neuwagenflotte entlang der gesamten Wertschöpfung, teilte Daimler mit. Das betrifft auch die Lieferkette. Lieferanten, die für über 85 Prozent des jährlichen Einkaufsvolumens von Mercedes-Benz stehen, haben bereits zugestimmt, das Unternehmen künftig nur noch mit CO2-neutralen Produkten zu beliefern. Darunter befinden sich auch bereits wichtige Stahllieferanten. Als Mitglied in der Responsible Steel Initiative setzt sich Mercedes-Benz für einen verantwortungsvollen Stahlbezug ein und setzt dabei auf die Anwendung anerkannter Standards und robuster Zertifikate.

Mercedes-Benz arbeitet zudem gemeinsam mit seinen Partnern daran, den Anteil an Sekundärmaterial in den Komponenten und Materialien Schritt für Schritt zu erhöhen.

Über die fossilfreie Stahlerzeugung in Schweden – Hybrit und H2 Green Steel

In Schweden wird die industrielle Stahlerzeugung systematisch auf „grüne“ Produktion umgestellt. So haben drei schwedische Partnerunternehmen, der Stahlhersteller SSAB, der Eisenerz-Bergbaukonzern LKAB und der Energieversorger Vattenfall das Joint Venture Hybrit (Hydrogen Breakthrough Ironmaking Technology) gegründet. Ziel ist die fossilfreie Stahlerzeugung auf der Basis von grünem Wasserstoff. Die Produktion erfolgt im nordschwedischen Gällivare, unweit des Polarkreises.

Das Starup H2 Green Steel (H2GS) wurde im Jahr 2020 ebenfalls mit dem Ziel gegründet, eine fossilfreie Stahlproduktion in großem Maßstab in Nordschweden zu etablieren. H2GS will bis 2030 fünf Millionen Tonnen fossilfreien Stahl produzieren. Produktionsstandorte von H2GS entstehen in Boden und Luleå, Schweden. Der Gründer und größte Anteilseigner ist Vargas, der zudem Mitbegründer und einer der größten Anteilseigner von Northvolt ist.

Quelle: IWR Online

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