Deutschland setzt auf 4-Stunden-Batteriespeicher – erste Flower-Projekte markieren neuen Trend in Hamburg und Sachsen-Anhalt

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Berlin – Der Markt für Batteriespeicher in Deutschland entwickelt sich zunehmend in Richtung größerer Kapazitäten und längerer Entladezeiten. Maßgebliche Impulse kommen dabei unter anderem vom schwedischen Energy-Tech-Unternehmen Flower Infrastructure Technologies, das derzeit mehrere großskalige Speicherprojekte im deutschen Markt umsetzt.
Haupttreiber dieser Entwicklung sind stark sinkende System- und Batteriekosten. In Hamburg und Sachsen-Anhalt entstehen aktuell Projekte mit rund vier Stunden Entladezeit – deutlich mehr als der derzeitige Marktdurchschnitt von etwa zwei Stunden.
Hamburg: 4-Stunden-Speicher mit 400 MWh Kapazität in Bergedorf
Ein Beispiel für diese Entwicklung ist ein 100-Megawatt-Batteriespeicher mit 400 Megawattstunden (MWh) Kapazität, den Flower im Hamburger Stadtteil Bergedorf entwickelt. Der neue Speicher ist auf eine Entladezeit von vier Stunden ausgelegt.
Das Projekt in räumlicher Nähe zum Energie-Campus der HAW Hamburg und zum entstehenden Innovationspark Bergedorf soll insbesondere zur Integration erneuerbarer Energien beitragen und die Flexibilität des Stromsystems erhöhen.
Sachsen-Anhalt: weiteres Großprojekt in der Entwicklung
Ein weiteres Vorhaben entsteht in Döllnitz (Sachsen-Anhalt). Dort plant Flower einen Batteriespeicher mit 63 Megawatt Leistung und 257 Megawattstunden Kapazität, ebenfalls mit einer Entladezeit von rund vier Stunden.
Zusammen verfügen beide Projekte über eine Leistung von 163 MW und eine Speicherkapazität von 657 MWh. Sie sind Teil einer wachsenden Pipeline großskaliger Speicherprojekte in Deutschland, die zunehmend auf mehrstündige Systeme ausgerichtet ist.
Einsatz von Batteriespeichern im Wandel – auf dem Weg zu längeren Speicherzeiten
Die Rolle von Batteriespeichern im Energiesystem verändert sich derzeit grundlegend. Neben kurzfristiger Netzstabilisierung und Frequenzausgleich gewinnen zunehmend auch Arbitragegeschäfte, die Überbrückung von Erzeugungsschwankungen sowie die Integration hoher Anteile erneuerbarer Energien an Bedeutung. Damit steigen die Anforderungen an Flexibilität und insbesondere an die Speicherdauer.
Der Trend zu längeren Laufzeiten wird in der Branche als strukturelle Marktverschiebung gewertet. Während frühere Projekte überwiegend auf kurzfristige Systemdienstleistungen ausgelegt waren, entwickeln sich Batteriespeicher zunehmend zu zentralen Bausteinen eines flexiblen Stromsystems mit wachsender Bedeutung für die Versorgungssicherheit.
Die zunehmende Bedeutung längerer Speicherdauern zeigt sich auch im internationalen Technologiewettbewerb. Im schweizerischen Laufenburg entsteht derzeit mit dem Technologiezentrum Laufenburg (TZL) ein großskaliger Redox-Flow-Batteriespeicher. Je nach Entladeleistung kann das Batteriesystem im Endausbau rechnerisch über 20 Stunden Strom liefern und liegt damit deutlich über konventionellen Lithium-Ionen-Großspeichern.
Die erste Ausbaustufe sieht eine Leistung von 800 MW und eine Kapazität von 1,6 GWh vor, der spätere Endausbau soll bis zu 1,2 GW und 2,1 GWh erreichen. Damit unterscheidet sich die Redox-Flow-Technologie grundlegend von klassischen Batteriespeichern, die in der Regel auf Entladezeiten im Bereich weniger Stunden ausgelegt sind.
Markt für Batteriespeicher in Deutschland auf Wachstumskurs
Der deutsche Batteriespeichermarkt befindet sich in einer sich verstetigenden Hochlaufphase. In den ersten vier Monaten (Januar bis April 2026) gingen rund 163.000 neue Batteriespeicher mit einer installierten Leistung von 1.470 MW und einer Kapazität von 2.900 MWh in Betrieb (Stand: 08.05.2026). Im Vorjahreszeitraum waren es 1.242 MW bzw. 2.060 MWh.
Setzt sich dieser Trend fort, erwartet das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) bis Ende 2026 eine installierte Batterieleistung von über 20.000 MW sowie eine Speicherkapazität von rund 35.000 MWh (35 GWh).
Quelle: IWR Online
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