09.07.2014, 16:49 Uhr

Energiewende-Projekt: Die Stadt als Speicher

Herten / Wunsiedel – Ein Energiewendeprojekt mit Beteiligung zweier Stadtwerke soll in den nächsten drei bis vier Jahren erforschen, wie verschiedene Aspekte der Energieversorgung aufeinander einwirken. Der vielversprechende Name des Forschungs-Vorhabens: Die Stadt als Speicher.

Im Mittelpunkt des Projektes stehen Erzeugungsanlagen, die Strom auch dann produzieren, wenn er möglicherweise nicht vollständig gebraucht wird, also z.B. Solar- und Windkraftanlagen. Durch eine geschickte Vernetzung und einer Analyse der Lastenkurve soll dieses Problem behoben werden.

Kommunale Energieerzeugung intelligent einsetzen

Die Hertener Stadtwerke GmbH teilt mit, dass sie gemeinsam mit den Stadtwerken Wunsiedel und weiteren Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft das Projekt "Stadt als Speicher" an den Start gebracht hat. Unter der Führung des Energieinstituts der TU Dortmund soll in den nächsten drei bis vier Jahren erforscht werden, wie Energieerzeugung, Lastenverteilung und die Verbraucher aufeinander einwirken. "Wir freuen uns, an einem so großen Forschungsprojekt mitwirken zu können", so Thorsten Rattmann, Geschäftsführer der Hertener Stadtwerke. "Wenn die Energiewende erfolgreich sein soll, muss die kommunale Energieerzeugung und Verteilung weiter im Fokus bleiben und intelligent eingesetzt werden." In der zweijährigen Planungsphase hat u.a. das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) Ideen im Bereich der Speichermöglichkeiten eingebracht. Vor allem die Energieerzeugungsanlagen der Stadt, die Strom auch dann produzieren wenn er nicht benötigt wird, stehen bei dem Projekt im Fokus.

"Virtuelles Kraftwerk" soll Realität werden

Ziel des Projektes ist es, durch die Vernetzung von Verbraucher und Erzeuger die Lastenkurve langfristig zu senken. Die so genannte Lastenkurve spiegelt den Stromverbrauch wider und bildet vor allem am Morgen, gegen Mittag sowie am frühen Abend Spitzen, die es zu glätten gilt. Zunächst wird die TU Dortmund dazu die Daten der dezentralen Erzeugungsanlagen analysieren und mit der Lastenkurve vergleichen. In der Pilotphase betrifft dies in Herten vor allem öffentliche Anlagen wie verschiedene Blockheizkraftwerke, eine Photovoltaik-Anlage, ein Windstrom-Elektrolyseur und eine Wärmepumpe. Ein weiterer Partner des Projektes ist die Universität Duisburg-Essen, die ein Tarifmodell, das auf Zeitzonen basieren soll, entwickeln wird. Dies soll dazu beitragen, dass Verbraucher dann Strom abrufen, wenn auch viel produziert wird. Die Anlagen sollen mit Hilfe von Systemlösungen von Fraunhofer Umsicht und der Firma Bittner und Krull in einer Art "virtuellem Kraftwerk" vernetzt und gesteuert werden.

"Wenn der Feldversuch erfolgreich ist, können wir unseren Kunden zukünftig attraktive Tarifmodelle anbieten und gleichzeitig die Energiewende weiter nach vorne bringen", so das Fazit von Thorsten Rattmann.

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