30.06.2026, 16:53 Uhr

Hitzewelle erhöht Kühlbedarf in Gebäuden, belastet Kraftwerke und treibt Strompreise in Europa


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Wiesbaden – Rekordtemperaturen und länger anhaltende Hitzeperioden verändern die Anforderungen an das Energiesystem und die Gebäudeausstattung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) verfügten 2025 über 4 Prozent der fertiggestellten Wohngebäude in Deutschland über eine Anlage zur Kühlung – mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Die Entwicklung zeigt, dass der Bedarf an Lösungen zum Schutz vor sommerlicher Überhitzung in Gebäuden zunimmt.

Der steigende Kühlbedarf verdeutlicht die wachsenden Wechselwirkungen zwischen Klimaveränderungen, Energieverbrauch und Versorgungssicherheit. Hitzeperioden gehen in der Regel mit hoher Sonneneinstrahlung einher und führen damit gleichzeitig zu höheren Lasten im Stromsystem durch Kühlung und zu einer veränderten Erzeugungssituation. Während Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke bei hohen Temperaturen zunehmend an ihre Grenzen stoßen können, profitiert die Solarstromerzeugung in diesen Phasen von besonders günstigen Einstrahlungsbedingungen.

Hitzewelle belastet Stromsystem und treibt Strompreise

Die aktuelle Hitzewelle in weiten Teilen Europas zeigt die Auswirkungen dieser Entwicklung. Während der Stromverbrauch durch Klimaanlagen und andere Kühlsysteme steigt, mussten mehrere thermische Kraftwerke ihre Leistung drosseln oder den Betrieb zeitweise einstellen.

In Frankreich reduzierte der Energiekonzern EDF während der aktuellen Hitzeperiode die Stromproduktion mehrerer Kernkraftwerke. Nach Reuters-Angaben verringerte sich die verfügbare Leistung zur Mittagszeit um rund 4,1 GW. Das entsprach etwa 7 Prozent des französischen Strombedarfs zu diesem Zeitpunkt. Ursache waren hohe Fluss- und Gewässertemperaturen, die den Betrieb der Kühlsysteme einschränkten.

Auch in der Schweiz kam es zu Einschränkungen. Der Energiekonzern Axpo reduzierte zunächst die Leistung des Kernkraftwerks Beznau und schaltete anschließend beide Reaktoren vorübergehend ab, nachdem die Wassertemperatur der Aare die zulässigen Grenzwerte erreicht hatte. Die gleichzeitige Zunahme der Stromnachfrage und die verringerte Verfügbarkeit thermischer Kraftwerkskapazitäten trugen zuletzt zu steigenden Großhandelspreisen an den europäischen Strommärkten bei.

Anteil gekühlter Neubauten hat sich binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verfügten 2025 insgesamt 4,3 Prozent der 58.885 fertiggestellten Wohngebäude in Deutschland über eine Anlage zur Kühlung. Im Jahr 2015 lag der Anteil noch bei 1,9 Prozent der damals 105.568 fertiggestellten Wohngebäude.

Zu den erfassten Anlagen zählen neben klassischen Klimaanlagen auch thermisch betriebene Kühlsysteme wie Deckenkühlungen oder Fußbodenheizungen mit Kühlfunktion.

Deutlich häufiger werden Kühlsysteme in Nichtwohngebäuden installiert. So verfügten 37,8 Prozent der 2025 fertiggestellten Büro- und Verwaltungsgebäude über eine Anlage zur Kühlung. Zehn Jahre zuvor lag der Anteil bei 30,9 Prozent. Hintergrund sind unter anderem Anforderungen des Arbeitsschutzes sowie die Fürsorgepflicht von Arbeitgebern gegenüber Beschäftigten.

Auch bei Gebäuden für Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie im Gesundheitswesen gehört Kühlung zunehmend zur Standardausstattung. 33,9 Prozent der 2025 fertiggestellten Bildungs- und Forschungsgebäude sowie 34,4 Prozent der Neubauten im Gesundheitswesen verfügten über entsprechende Anlagen. Bei Gebäuden des Sozialwesens – darunter Kitas und Pflegeeinrichtungen – lag der Anteil bei 14,5 Prozent.

Photovoltaik und Speicher gewinnen bei Hitze an Bedeutung

Die Entwicklung zeigt, dass der Klimawandel nicht nur den Stromverbrauch verändert, sondern auch die Anforderungen an die Energieversorgung. Gerade während sonniger Hitzeperioden kann die Photovoltaik einen wachsenden Teil des zusätzlichen Strombedarfs für Kühlung decken. In Kombination mit Batteriespeichern, Lastmanagement und intelligenten Energiemanagementsystemen lassen sich Lastspitzen reduzieren und die wetterbedingten Schwankungen im Stromsystem besser ausgleichen.

Quelle: IWR Online

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