08.05.2026, 09:11 Uhr

IRENA sieht weltweit Wendepunkt bei Stromkosten: Solar, Wind und Speicher klar im Vorteil gegenüber fossilen Energien


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Abu Dhabi (VAE) - Die Internationale Organisation für erneuerbare Energien IRENA sieht in hybriden Stromsystemen aus Solar- und Windenergie mit Batteriespeichern einen Wendepunkt für die globale Stromversorgung. Laut neuem Bericht können solche 24/7-Erneuerbare in Modellrechnungen für besonders gute Solar- und Windregionen bereits heute kostengünstiger sein als neue Kohle- und Gaskraftwerke und zugleich eine kontinuierliche Stromversorgung ermöglichen.

Der Ausbau erneuerbarer Energien in Kombination mit Speichertechnologien verändert damit nach Einschätzung der Organisation nicht nur die Kostenstruktur der Stromerzeugung, sondern auch die Debatte um Versorgungssicherheit und Netzstabilität. Besonders energieintensive Anwendungen wie Rechenzentren und industrielle Großverbraucher könnten künftig zunehmend auf solche Systeme setzen. Damit rückt neben der Bedeutung der Erneuerbaren Energien als Antwort auf den Klimawandel auch ihre energiewirtschaftliche Rolle stärker in den Fokus.

24/7-Erneuerbare werden wettbewerbsfähig gegenüber fossilen Kraftwerken

Der Bericht „24/7 renewables: The economics of firm solar and wind“ zeigt, dass Solar- und Windkraftanlagen mit Batteriespeichern in vielen Regionen bereits heute wettbewerbsfähig sind. Die sogenannten „firm levelised costs of electricity“ liegen für Solar-plus-Speicher in Hochleistungsregionen zwischen 54 und 82 US-Dollar pro Megawattstunde.

Zum Vergleich: Neue Kohlekraftwerke in China liegen laut IRENA bei 70 bis 85 US-Dollar pro Megawattstunde, neue Gaskraftwerke weltweit sogar bei über 100 US-Dollar. Damit verschiebt sich die Kostenlogik zunehmend zugunsten erneuerbarer Systeme, die gleichzeitig eine kontinuierliche Stromversorgung ermöglichen.

UN-Generalsekretär António Guterres betont in dem Bericht: „Die schlimmste Energiekrise seit Jahrzehnten hat die wahren Kosten der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen offengelegt. Erneuerbare Energien sind zunehmend die günstigste, zuverlässigste und sicherste Option.“

Massiver Kostenrückgang bei Solar, Wind und Batteriespeichern

Zentraler Treiber der Wettbewerbsfähigkeit sind laut IRENA drastisch gesunkene Technologiekosten. Seit 2010 sind die Investitionskosten für Solar-PV um 87 Prozent gefallen, Onshore-Wind um 55 Prozent und Batteriespeicher sogar um 93 Prozent.

Bild: Entwicklung von Batteriepreisen und der weltweit installierten Speicherkapazität © Ember

Diese Entwicklung führt dazu, dass auch die Kosten für kombinierte Systeme aus Erzeugung und Speicherung deutlich sinken. Die „firm costs“ für Solar-plus-Speicher sind dem Bericht zufolge von über 100 US-Dollar pro Megawattstunde im Jahr 2020 auf 54 bis 82 US-Dollar im Jahr 2025 gefallen. Für entsprechende Wind-plus-Speicher-Systeme veranschlagt IRENA für 2025 je nach Region Kosten zwischen rund 59 US-Dollar (Innere Mongolei) und 88 bis 94 US-Dollar (Brasilien, Deutschland und Australien) pro Megawattstunde.

Die IRENA geht zudem von weiteren deutlichen Effizienzgewinnen aus: Bis 2030 könnten die Kosten um rund 30 Prozent sinken, bis 2035 um etwa 40 Prozent. In besonders guten Standorten seien dann Werte unter 50 US-Dollar pro Megawattstunde möglich.

Hybridanlagen aus erneuerbaren Energien und Speichern könnten zudem häufig bereits innerhalb von ein bis zwei Jahren realisiert werden und wären damit in vielen Märkten schneller verfügbar als neue Gaskraftwerke.

24/7-Stromsysteme als Baustein für Energiesicherheit und neue Nachfragecluster

Neben der Kostenfrage rückt laut IRENA zunehmend die Systemfunktionalität in den Vordergrund. 24/7-Erneuerbare könnten Netze entlasten, Preisvolatilität reduzieren und gezielt in Hochpreiszeiten Strom liefern. Gleichzeitig seien sie besonders geeignet für datenintensive Anwendungen wie künstliche Intelligenz und Rechenzentren.

IRENA-Generaldirektor Francesco La Camera sieht damit auch das lange vorherrschende Argument mangelnder Zuverlässigkeit erneuerbarer Energien widerlegt. „24/7 erneuerbare Energie ist heute wettbewerbsfähig gegenüber fossilen Brennstoffen“, sagt La Camera. Angesichts geopolitischer Risiken an den Öl- und Gasmärkten, einschließlich anhaltender Störungen in der Straße von Hormus, könnten resiliente erneuerbare Systeme zudem Versorgungssicherheit und Preisstabilität stärken.

Darüber hinaus eröffnen hybride Systeme neue Perspektiven für schwer zu dekarbonisierende Industrien, etwa bei der Produktion synthetischer Kraftstoffe. Voraussetzung sei dabei eine hohe Auslastung der Anlagen, die durch die Kombination verschiedener erneuerbarer Quellen besser erreicht werden könne als durch Einzeltechnologien.

Damit verschiebt sich nach Einschätzung von IRENA die ökonomische Grundlage zukünftiger Stromsysteme zunehmend zugunsten hybrider erneuerbarer Versorgungskonzepte.

Quelle: IWR Online

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