Offshore-Windstrom aus der Nordsee: RWE und Amazon schließen 110-MW-PPA für Nordseecluster B

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Essen - Langfristige Stromabnahmeverträge (Power Purchase Agreements, PPAs) gewinnen im Zuge der Energiewende zunehmend an Bedeutung. Das zeigt auch der neue PPA zwischen RWE und Amazon über 110 Megawatt für das Offshore-Windparkprojekt Nordseecluster B, der das Ziel von Amazon, bis 2040 CO2-neutral zu werden, unterstützt.
Die zwischen dem Energiekonzern RWE und Amazon getroffene PPA-Vereinbarung baut auf einer im Juni 2025 von beiden Unternehmen unterzeichneten strategischen Rahmenvereinbarung auf. Neben der Stromlieferung umfasst diese auch die Zusammenarbeit bei digitalen Technologien, darunter Cloud-Dienste, Künstliche Intelligenz und Datenanalyse.
Stromabnahmevertrag für Nordseecluster B
Amazon und RWE haben einen Stromabnahmevertrag über 110 Megawatt aus dem Offshore-Windprojekt Nordseecluster B geschlossen. Der Standort des geplanten Windparks befindet sich in der deutschen Nordsee rund 50 Kilometer nördlich der Insel Juist. Beim Nordseecluster B handelt es sich um die zweite Ausbaustufe des Offshore-Windparkkomplexes Nordseecluster, die 2029 in den kommerziellen Betrieb gehen soll.
Die vereinbarte Leistung von 110 MW reicht laut RWE aus, um rechnerisch den Jahresstrombedarf von mehr als 139.000 deutschen Haushalten zu decken. Der Vertrag knüpft an eine im Juni 2025 unterzeichnete strategische Rahmenvereinbarung zwischen RWE und Amazon an. Im Rahmen dieser Vereinbarung unterstützt RWE Amazon dabei, sein Geschäft mit CO2-freier Energie zu betreiben. Amazon stellt Web Services Cloud-Dienste, KI und Datenanalyse zur Förderung der digitalen Transformation von RWE bereit.
Aus Sicht von RWE sind langfristige Abnahmeverträge ein etabliertes Instrument zur Vermarktung erneuerbarer Erzeugung. „Stromabnahmeverträge wie dieser mit Amazon sind entscheidend, um die Dekarbonisierung Deutschlands zu beschleunigen und gleichzeitig die langfristige Versorgungssicherheit zu stärken“, so Ulf Kerstin, Chief Commercial Officer bei RWE Supply & Trading.
Amazon erweitert Beschaffung CO2-freier Energie
Für Amazon ist der Vertrag Teil der unternehmensweiten Klimastrategie. Der Konzern verfolgt das Ziel, bis 2040 in allen Geschäftsbereichen CO2-neutral zu werden. In Deutschland betreibt Amazon bereits sechs Solaranlagen an eigenen Standorten und hat vier große Offshore-Wind-Stromabnahmeverträge abgeschlossen. Zusammen erreichen diese zehn Projekte eine Kapazität von mehr als 790 MW. Nach vollständiger Inbetriebnahme sollen sie rechnerisch genug Strom erzeugen, um jährlich mehr als eine Million deutsche Haushalte zu versorgen. „Deutschland befindet sich im Übergang zu einer modernen und CO2-freien Energieversorgung“, sagte Rocco Bräuniger, Country Manager von Amazon Deutschland. Die Vereinbarung mit RWE trage dazu bei, diesen Wandel zu unterstützen.
Weltweit hat Amazon bisher mit RWE vertraglich vereinbart, mehr als 1 GW an erneuerbarer Kapazität aus mehreren RWE-Projekten zu beziehen. Dieser PPA-Vertrag mit RWE stellt die erste Zusammenarbeit zwischen beiden Unternehmen außerhalb der Vereinigten Staaten dar.
Nordseecluster mit 1.600 Megawatt Offshore-Leistung in Umsetzung
Das Nordseecluster zählt zu den größten derzeit realisierten Offshore-Windprojekten vor der deutschen Küste. Insgesamt sind bis zu 1.600 Megawatt Leistung vorgesehen, verteilt auf zwei Ausbaustufen. Nordseecluster A mit 660 Megawatt befindet sich aktuell im Bau und soll Anfang 2027 in Betrieb gehen. Die Installation der 44 Windturbinen ist für 2026 geplant.
Die Fundamente für die Windturbinen des Nordseeclusters A hat RWE bereits installiert. Anstatt Fundamente mit einem separaten Übergangsstück (Transition Piece) zu verwenden, wurden verlängerte Einzelmonopiles installiert. Diese wurden auf See mit sogenannten sekundären Stahlkonstruktionen, bestehend aus Zugangsleiter, Fundamentarbeitsplattform und interner Monopilestruktur versehen. Durch dieses Design wurde die Gesamtmenge des benötigten Stahls reduziert.
Die zweite Ausbaustufe, Nordseecluster B, soll ab Anfang 2029 mit ihren 60 Windturbinen zusätzliche 900 MW beisteuern.
Der Offshore-Windparkkomplex Nordseecluster ist ein gemeinsames Offshore-Windprojekt von RWE (51 Prozent) und Norges Bank Investment Management (49 Prozent). RWE ist für den Bau und den Betrieb während des gesamten Lebenszyklus der Offshore-Windparks Nordseecluster verantwortlich.
Quelle: IWR Online
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